Elektrofahrzeuge an einer öffentlichen Ladestation – der Ausbau von Infrastruktur bleibt ein zentraler Faktor für den Hochlauf.

Elektrofahrzeuge an einer öffentlichen Ladestation – der Ausbau von Infrastruktur bleibt ein zentraler Faktor für den Hochlauf.

Bild: © John - stock.adobe.com

Die Elektromobilität erreicht in Deutschland laut dem Shell-Konzern eine neue Reifephase. Nicht nur sei die Zahl der Menschen, die auf ein E-Auto umsteigen würden, deutlich gewachsen. Auch seien mehr als zwei Drittel der Befragten einer repräsentativen Umfrage dazu bereit, mehr Geld für komfortables Laden auszugeben.

Das geht aus der neuen "Elektromobilitätsstudie 2026" des Konzerns hervor. Für die Untersuchung wurden Shell zufolge insgesamt 1500 Personen in Deutschland befragt; darunter 1000 Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos sowie 500 konventioneller Fahrzeuge. Die jährliche Studie erscheine zum neunten Mal.

Wachsendes Vertrauen in die Reichweite

Besonders für Nutzerinnen und Nutzer wird das E-Auto demnach zunehmend zum vollwertigen Alltagsfahrzeug. 86 Prozent der Befragten gaben an, bereits eine Langstrecke mit ihrem Fahrzeug zurückgelegt zu haben. Fast 60 Prozent würden mindestens alle zwei bis drei Monate eine längere Fahrt unternehmen.

Bei der jährlichen Fahrleistung haben E-Mobilisten gar die Nase vorn: 60 Prozent von ihnen erklärten, mehr als 15.000 Kilometer pro Jahr mit ihrem Stromer zurückzulegen. Während das bei Verbrennerfahrzeugen nur 46 Prozent sagten.

89 Prozent bleiben der Technik treu

Entsprechend hoch ist die Bindungswirkung bei denjenigen, die bereits elektrisch fahren. 89 Prozent der E-Auto-Fahrer würden sich erneut für ein Elektrofahrzeug entscheiden. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 83 Prozent. Als Vorteile nennen die Befragten vor allem den höheren Fahrkomfort, den geringeren Einfluss auf die Umwelt sowie mögliche Kosteneinsparungen gegenüber Benzin- oder Dieselfahrzeugen.

Doch auch unter den bisherigen Verbrennerfahrern wächst das Interesse. Während 2025 noch 22 Prozent einen Umstieg auf ein Elektroauto in Betracht zogen, waren es 2026 bereits 37 Prozent. Die Zurückhaltung ist damit jedoch nicht verschwunden. Als Hemmnisse für einen Umstieg werden Reichweite und Ladeinfrastruktur sowie die Anschaffungskosten genannt.

Ladeerlebnis rückt in den Mittelpunkt

Mit wachsender Erfahrung verschiebt sich der Fokus der Fahrerinnen und Fahrer elektrischer Autos. Nicht mehr allein die Reichweite entscheidet über die Akzeptanz, sondern zunehmend die Qualität des Ladeerlebnisses.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur wird hinsichtlich Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Standortauswahl besser bewertet als in früheren Untersuchungen. Gleichzeitig bleiben die Kosten des Ladens und ein möglichst komfortabler Vorgang wichtige Voraussetzungen für die weitere Verbreitung.

Rund 37 Prozent der Befragten wären zudem bereit, für schnelleres Laden mehr zu bezahlen. 69 Prozent würden für ein attraktives Angebot während des Ladevorgangs einen Umweg in Kauf nehmen. Das gilt insbesondere für Angebote im Shop- und Gastronomiebereich.

Negativ bewertet wird allerdings, dass nach wie vor eine Vielzahl unterschiedlicher Ladeapps auf dem Markt ist.

Elektrische Dienstwagen als Einstieg

Eine besondere Rolle kommt den Firmenflotten zu. Unter den befragten E-Mobilisten ist jeder Dritte mit einem Dienstwagen unterwegs. Bei den Fahrerinnen und Fahrern von Verbrennern liegt der Anteil bei gut einem Fünftel. Der Dienstwagen bleibt damit ein wichtiger Zugang zur Elektromobilität.

24 Prozent der E-Dienstwagen legen mehr als 20.000 Kilometer im Jahr zurück. Zum Vergleich: Bei Stromern insgesamt, also privaten eingerechnet, liegt dieser Anteil bei 17 Prozent. Eingesetzt werden die Fahrzeuge vor allem für Kunden- und Lieferantenbesuche, den Transport von Ausrüstung sowie für die Verteilung von Waren und Dienstleistungen.

Für Unternehmen stehen laut Melanie Falkenstern, Leiterin Shell Fleet Solutions Deutschland, Österreich und Schweiz, "Produktivität, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit" im Vordergrund.

Ladepunkte beim Unternehmen entscheidend

Die Studie verweist zugleich auf die Bedeutung der Ladeinfrastruktur am Arbeitsplatz. 65 Prozent der elektrischen Flottenfahrerinnen und
-fahrer laden mindestens einmal pro Woche am Arbeitsplatz. Fehlt es dort an Infrastruktur, verlagert sich der Ladebedarf auf öffentliche Stationen. 73 Prozent davon würden einen Umweg fahren, um einen Ladepunkt zu erreichen.

Bei der Auswahl öffentlicher Ladepunkte spielen insbesondere drei Kriterien eine Rolle: 34 Prozent nennen die Ladegeschwindigkeit als Kriterium, 33 Prozent achten auf die Kosten. Für 22 Prozent ist die Bedienung per App entscheidend. Die 21-seitige Studie ist online als PDF verfügbar.

Dass die Nachfrage nach Ladestrom steigt, unterstreichen Betreiber wie EnBW, Eon oder EWE. Vattenfall verzeichnet nach eigenen Angaben einen Anstieg der Ladeleistung um zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr. Ein Grund sind offenbar die stark gestiegenen Kraftsoffpreise.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper