Die Kohlendioxid-Emissionen von Nutzfahrzeugen sollen in Europa bis 2040 um 90 Prozent sinken. Dass dieses Ziel praktisch das Ende des klassischen Diesellastwagens oder -busses einläutet, daran zweifeln nur noch wenige. Umstritten aber ist die Frage, was das für synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) oder Biokraftstoffe bedeutet. Deren Hersteller werben, dass solche Kraftstoffe die CO2-Bilanz sehr kurzfristig und ohne große technische Anpassungsprozesse verbessern könnten.
Wird das CO2-Minderungsziel aber „am Auspuff“ gemessen, bleibt wenig Raum für die alternativen Kraftstoffe. Als Gegenvorschlag brachte die Branche immer wieder den „Carbon Correction Factor“ (CCF) ins Gespräch. Mit diesem Instrument würde der Anteil von E-Fuels und Biokraftstoffen von den CO2-Zielen abgezogen.
Rückschlag für die Verkehrswende?
Doch das EU-Parlament hat diesen CCF für Nutzfahrzeuge in seiner jüngsten Sitzung abgelehnt. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zeigt sich darüber enttäuscht. „Diese Entscheidung stellt aus Sicht des ZDK einen erheblichen Rückschlag für eine klimaneutrale Verkehrswende dar", so ZDK-Hauptgeschäftsführer Kurt-Christian Scheel. „Eine technologieoffene Lösung hätte den Marktakteuren im Nutzfahrzeugbereich bedeutend mehr Handlungsspielraum geboten, um die für ihr Geschäftsmodell passende Antriebstechnologie zu wählen.“
Die fehlende Unterstützung zur praxisnahen Zulassung von E-Fuels verschärfe zudem die Herausforderungen, denen die Branche bereits gegenübersteht. „Der schon jetzt absehbare erhebliche Mangel an geeigneter Ladeinfrastruktur wird neben der noch zu geringen Verfügbarkeit bezahlbarer elektrischer Nutzfahrzeuge zu einem zusätzlichen Engpass, der die Umsetzung der ehrgeizigen CO2-Reduktionsziele weiter erschwert“, so Scheel. (wa)