Fast 400 öffentliche Ladesäulen betreibt die WVV mittlerweile.

Fast 400 öffentliche Ladesäulen betreibt die WVV mittlerweile.

Bild: © WVV

Wer in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert, braucht einen langen Atem. Wie die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) – die es im aktuellen Städte-Ranking des Verbands der Automobilindustrie (VDA) damit unter die Top 20 geschafft hat. "Sehr gute Standorte rechnen sich in wenigen Jahren, weniger gute je nach Auslastung erst später", sagte eine Unternehmenssprecherin der WVV auf Nachfrage.

Auf Nachfrage reagieren

Besonders wirtschaftlich sind demnach DC-Schnellladestandorte nahe Autobahnen oder mitten in der Stadt an sogenannten Points of Interest. Gebaut werde jedoch dort, wo sich der Bedarf abzeichnet. "Die Standortauswahl findet bei uns nach einer sehr ausführlichen Bedarfsanalyse statt, die wir regelmäßig anhand neuer Zahlen wie größerer Reichweiten der Fahrzeuge oder aktueller Auslastungen gemeinsam mit einem Dienstleister errechnen", so die Sprecherin weiter.

Wir gehen über den gesamten Anlagenpark hinweg von Amortisationszeiten von sieben bis zehn Jahren aus.

Dabei gilt, Bedarf und Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen. Über den gesamten Anlagenpark hinweg rechnet die WVV mit Amortisationszeiten "von sieben bis zehn Jahren" – vorausgesetzt, die Zahl der E-Autos wachse weiter wie prognostiziert.

Günstige Preise als Anreiz

Mit 44 Cent pro Kilowattstunde (kWh) an DC-Schnellladern und 36 Cent an AC-Ladepunkten positioniert sich die WVV im bundesweiten Vergleich als günstiger Anbieter. Die Preise sind bundesweit sehr unterschiedlich, liegen durchschnittlich bei circa 0,60 Euro pro kWh (DC) und 0,50 Euro pro kWh (AC).

Das sei kein Zufall, sondern Teil einer klaren Kundenstrategie. "Wir wollen den Kundinnen und Kunden in Stadt und Landkreis mit unserem Komfortkarten-Angebot bewusst einen attraktiven Preis geben, um den Umstieg auf die E-Mobilität zu erleichtern – und in Verbindung mit unserem Stromliefervertragsportfolio unsere Kunden zu binden."

Wir werden auch weiterhin in den Gebieten mit starkem Bedarf AC ausbauen.

Aktuell dominieren AC- oder auch sogenannte Normalladepunkte das Netz der WVV. Das hat einen einfachen Grund: Viele Würzburgerinnen und Würzburger leben in Wohnungen ohne eigenen Stellplatz. Sie sind auf öffentliche Ladeangebote im Wohnumfeld angewiesen.

"Die Analyse hat gezeigt, dass in Würzburg sehr viele Menschen ihre Fahrzeuge öffentlich abstellen und laden müssen. Deshalb werden wir auch weiterhin in den Gebieten mit starkem Bedarf AC ausbauen", erklärt das Unternehmen.

Ganz anders sieht es bei den Schnellladern (DC) aus. Hier konzentriert sich die WVV auf strategische Knotenpunkte – nahe Autobahnen und stark frequentierten Orten. Neben einer Verdichtung im Stadtgebiet entstehen auch überregionale Standorte, etwa an der A7 bei Gollhofen oder in Volkach.

Freie Flächen Fehlanzeige

Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf dem Nutzfahrzeugladen: Am Standort Estenfeld nahe der A7 wurden die Parkplätze bewusst größer und schwerlasttauglich gebaut. Mit bis zu 300 Kilowatt Ladeleistung können dort künftig auch Lkw oder Pkw mit Wohnwagen laden – ohne Abkuppeln.

Die größte Herausforderung: passende Flächen. "Es ist oft schwer, Grundstücke zu finden, die wir für DC-Standorte anmieten können", führt die Sprecherin aus.

Die Netzbetreiber haben den steigenden Bedarf auf dem Schirm und bauen ihre Netze auch aus.

Mit dem wachsenden Anteil von Elektrofahrzeugen steigen auch die Anforderungen an Stromnetz und Infrastruktur. Dennoch sieht sich die WVV gut aufgestellt. Zwar müssten Netzanschlüsse jeweils individuell geprüft werden, doch Kapazitätsprobleme erwartet die WVV nicht.

Die Netzbetreiber hätten den steigenden Bedarf "auf dem Schirm" und bauten ihre Netze entsprechend aus. Perspektivisch könnten Elektroautos sogar selbst zur Netzstabilität beitragen – etwa durch flexible Ladevorgänge.

Platz 15 von 399

Dass diese Strategie Wirkung zeigt, belegen aktuelle Zahlen: Zum Jahresbeginn stehen dem Unternehmen zufolge in und um Würzburg 388 öffentlich zugängliche Ladepunkte an 118 Standorten zur Verfügung – gut ein Drittel mehr als vor einem Jahr.

Im aktuellen Ranking des VDA erreicht Würzburg damit Platz 15 von 399 Städten. Auch die Zahl der E-Fahrzeuge wächst kontinuierlich: Im Stadt- und Landkreis seien inzwischen über 16.000 Elektroautos unterwegs, rund sieben Prozent aller Fahrzeuge – mehr als im Bundesdurchschnitt.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper