Das autonome Holon-Shuttle im RMV-Design

Das autonome Holon-Shuttle im RMV-Design

Bild: © Holon

Autonome Fahrzeuge können im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) längst unter Testbedingungen fahren. Für den breiten Einsatz reicht das jedoch nicht. Sie müssen mit Leitstellen, Buchungs- und Dispositionssystemen verschiedener Anbieter zusammenarbeiten. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Projekt "MILA.mobility" an.

Das Forschungsprojekt soll eine offene und herstellerneutrale Plattform entwickeln. Sie soll autonome Fahrzeuge mit den bestehenden Systemen des ÖPNV verknüpfen. Mila steht für "Middleware-Integration von Leitstellen- und Dispositionssystemen für autonome Mobilität". Eine Middleware ist eine Software-Schicht, die unterschiedliche Anwendungen verbindet.

Leipzig koordiniert das Projekt

Die Leipziger Verkehrsbetriebe koordinieren das Vorhaben. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert es mit rund 33,8 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen liegt bei rund 57 Millionen Euro. Die Laufzeit endet am 31. März 2030. 30 Partner aus Verkehrsunternehmen, Industrie, Wissenschaft und Verbänden arbeiten zusammen.

Bislang werden viele autonome Shuttles mit eigens zusammengebauten Systemen erprobt. Das liefert zwar wichtige Erfahrungen, erschwert aber den Übergang in den Regelbetrieb. Denn wenn Fahrzeuge, Leitstellen und Software nicht zusammenspielen, entstehen Sonderanpassungen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) will aus Mila deshalb Standards für die Branche ableiten.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe bringen bereits Erfahrungen aus "Absolut" ein. Ab 2019 verband dort ein automatisierter Elektro-Kleinbus den Leipziger S-Bahnhof Messe mit dem BMW-Werk. Fahrgäste buchten per App, eine Leitstelle überwachte den Betrieb. Später ging es um Fernzugriff und die Freigabe von Fahrmanövern. Zudem wurde geprüft, ob eine ortsfeste technische Aufsicht den Sicherheitsfahrer ersetzen kann. Leipzig ist auch am ähnlichen Projekt SIAS-ÖV beteiligt, bei dem fahrerlose Fahrzeuge, digitale Infrastruktur und Leitstellentechnik in ein bestehendes ÖPNV-System integriert werden sollen.

Auch "Kira" im Rhein-Main-Gebiet liefert Erfahrungen. Deutsche Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund testen dort seit 2024 sechs autonome Fahrzeuge im On-Demand-Verkehr. Dort sitzt noch Sicherheitspersonal an Bord. Zugleich wird eine Aufsicht aus der Leitstelle erprobt.

Mila bearbeitet die Schnittstellenfrage in drei Schritten. Zunächst werden Komponenten und Schnittstellen in einem virtuellen Labor geprüft. Danach folgen Tests unter realen Bedingungen. In fünf Testfeldern in Leipzig, der Region Hannover, der Region München, Ludwigslust-Parchim und dem Rhein-Main-Gebiet soll sich zeigen, ob Systeme verschiedener Anbieter verlässlich zusammenarbeiten.

Im fachlichen Umfeld geht es vor allem um die Automatisierungsstufe 4 nach der Klassifikation der Society of Automotive Engineers (SAE). Dabei übernimmt das Fahrzeug die Fahraufgabe vollständig, bleibt aber auf einen festgelegten Einsatzbereich beschränkt. Personal fällt deshalb nicht automatisch weg. Aufgaben können sich aber vom Fahrzeug in die Leitstelle verlagern.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper