Das Deutschlandticket hat die Nachfrage im Nahverkehr angekurbelt; nun müsse auch das Angebot ausgebaut werden, heißt es beim Deutschen Städtetag.

Das Deutschlandticket hat die Nachfrage im Nahverkehr angekurbelt; nun müsse auch das Angebot ausgebaut werden, heißt es beim Deutschen Städtetag.

Bild: © Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont

Das Deutschlandticket wird ab 2025 teurer. Zum Jahreswechsel steigt der Preis von bislang 49 auf dann 58 Euro pro Monat. Darauf haben sich die Verkehrsminister und -ministerinnen der Länder geeinigt.

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer: „Auch das Deutschlandticket unterliegt Kostensteigerungen. Ab 2025 kommen wir um eine maßvolle Preiserhöhung nicht herum. Die Einigung auf 58 Euro zeigt, dass die Länder am Erfolgsmodell Deutschlandticket festhalten und es weiterentwickeln wollen. Mit diesem Preis schaffen wir es, das Ticket weiter attraktiv zu halten und die Finanzierung auf solide Füße zu stellen." Nordrhein-Westfalen hat in diesem Jahr den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz.

Eine Preiserhöhung wäre nach Aussage Krischers nur vermeidbar gewesen, wenn der Bund weitere Mittel in Aussicht stellen würde. Das sei derzeit aber nicht absehbar. Krischer forderte deshalb „von der aktuellen und künftigen Bundesregierung eine klare Aussage zur dauerhaften Fortsetzung des Tickets und einer finanziellen Beteiligung des Bundes auch nach 2025“. Nur so bekämen alle Beteiligten Planungssicherheit.

Erhöhung für Verkehrsunternehmen zwingend

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) nannte den Beschluss einen „klugen, mutigen und notwendigen Schritt“. Die
Erhöhung sei aus wirtschaftlicher Sicht für Verkehrsunternehmen, Verbünde und Kommunen zwingend. Das Ticket bleibe auch mit
dem neuen Preis hochattraktiv und ermögliche es, dies weiter erfolgreich am Markt zu etablieren.

Aufgabe des Bundes ist laut VDV nun, die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, um das Angebot dauerhaft zu sichern.
Dazu müsse der Bund das Regionalisierungsgesetz schnell anpassen „und so seine Mitfinanzierung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro jährlich und dynamisiert sowie die Überjährigkeit der Mittel gewährleisten“. Die dauerhafte Finanzierung eines hochwertigen ÖPNV-Angebots bleibe eine von Bund, Ländern, Kommunen und Branche gemeinsam zu lösende Aufgabe.

Bayern „sieht sich nicht als Preistreiber“

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, der im Vorfeld für eine Anhebung auf 64 Euro geworben hatte, wehrte sich nach der Einigung dagegen, „dass der Freistaat als Preistreiber dargestellt wurde“. Vielmehr habe es verschiedene Berechnungen gegeben – von möglichst günstig bis möglichst kostendeckend. Mit dem Kompromiss können laut Bernreiter alle Beteiligten leben: „Gäbe es keine Preisanpassung für 2025, wären bundesweit Verkehrsunternehmen und -verbünde aus dem Angebot ausgestiegen.“

Der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies hatte für ein Stufenmodell geworben – 54 Euro im kommenden Jahr, 58 Euro ab 2026. „Wir wollten am Ende aber einer Einigung nicht im Wege stehen“. Lies kritisierte den Bund, der „vor allem durch Zurückhaltung bei der Frage der Preisgestaltung aufgefallen“ sei. Das werde seiner Rolle nicht gerecht. „Es ist das gemeinsame Ticket von Land und Bund. Wir tragen also auch gemeinsam Verantwortung“, so Lies.

Ampel „sabotiert ihr eigenes Erfolgsprojekt“

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub VCD nannte die Erhöhung eine Fehlentscheidung. Die Zahl der Abos, die zuletzt mit 13 Millionen einen Rekordstand erreichte, werde sinken. Zudem bleibe die Finanzierung ab 2026 offen. „Eines der wichtigsten Projekte für die Verkehrswende droht zu scheitern“, heißt es beim VCD.

Statt den Preis zu erhöhen, sollten die Länder Jugend- und Sozialtickets auf das 49-Euro-Ticket ausrichten. Der Bund solle seinen Anteil an der Finanzierung erhöhen und zum Ausgleich umweltschädliche Subventionen abbauen. „Die Ampel-Koalition hat versprochen, die Fahrgäste auf der Schiene bis 2030 zu verdoppeln – daraus wird nichts, wenn sie weiter ihre eigenen Erfolgsprojekte sabotiert“, kritisiert die Bundesvorsitzende des VCD, Kerstin Haarmann. (wa)

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