Ein technischer Defekt beim Laden eines Elektrobusses hat mutmaßlich Ende September einen Großbrand in einem Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen AG ausgelöst. Bei dem Feuer waren 25 Busse vollständig ausgebrannt.

Ein technischer Defekt beim Laden eines Elektrobusses hat mutmaßlich Ende September einen Großbrand in einem Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen AG ausgelöst. Bei dem Feuer waren 25 Busse vollständig ausgebrannt.

Bild: © Christoph Schmidt/dpa

Von Jürgen Walk

In Stuttgart brannte vor drei Jahren ein Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Es gab Verletzte, außerdem wurden zahlreiche Busse beschädigt oder zerstört. Dieses einschneidende Ereignis hat bei den SSB zum Umdenken geführt: Wie lässt sich der Betrieb aufrechterhalten, wenn unvorhergesehene Ereignisse passieren? Und welche Rolle spielt dabei der Betriebshof?

Markus Wiedemann, Leiter der SSB-Kraftfahrzeugwerkstätten, stellte die Ergebnisse dieser Überlegungen auf einer Konferenz des Bundesverkehrsministeriums zu klimafreundlichen Bussen vor. Business Continuity Management lautet das Stichwort – die geordnete Reaktion auf Hochwasser, Baumaßnahmen oder sonstige Störungen.

Eine Teerfläche, bestenfalls mit Beleuchtung

Aktuelle Betriebshöfe für Dieselbusse bestehen meist nur aus Teerflächen und minimaler Infrastruktur, so Wiedemann. Im besseren Fall ist die Fläche beleuchtet und hat vielleicht einen Aufenthaltsraum. Den Dieselkraftstoff gibt es an der Tankstelle. Und selbst dieser Standard wurde nach dem Stuttgarter Brand auf dem Notbetriebshof unterschritten: Die Busse wurden schlicht auf den Stuttgarter Wasen-Festplatz gestellt.
 
Doch das ist in Zukunft mit emissionsfreien Bussen nicht mehr möglich. "Die neue Welt sieht anders aus", sagt Wiedemann. "Denn plötzlich verknüpfen wir das Abstellen der Busse mit der Energiezufuhr". In der neuen Welt der Elektromobilität muss die Energiezufuhr für Batteriefahrzeuge direkt am Betriebshof stattfinden. Dies erfordert eine umfassende Infrastruktur.
 
"Wir haben das so gelöst, indem wir eine komplett neue Abstellanlage bauen", sagt der Werkstätten-Leiter. Und dabei fließen natürlich die Erfahrungen aus der Brandnacht ein – der Brandschutz und die Resilienz allgemein spielen eine erhebliche Rolle bei den Planungen.



Modularer Aufbau

Der neue Betriebshof wird modular aufgebaut. Statt einer großen gibt es nun zwei kleinere Hallen. Jede Einzelhalle ist wiederum in der Mitte durch Brandschutzwände getrennt. In jeder dieser Anlagen gibt es wiederum einzelne Brandschutzmodule; auch die Ladegeräte stehen einzeln. Jedes Modul ist mit einer Spezialfolie ausgekleidet: Beim Brand vor drei Jahren wurden Temperaturen bis 3000 Grad Celsius gemessen, weil sich die Hitze staute. Das führte zu Kollateralschäden bei benachbarten Fahrzeugen. Die neuen Folien lösen sich beim Brand auf, sodass Hitze und Qualm nach oben entweichen können.
 
"Wir haben das alles separiert, damit wir eine möglichst kleinteilige Aufstellung der Fahrzeuge haben", so Wiedemann. Dies ermöglicht, bei Störungen betroffene Teile zu isolieren und den Betrieb schnell wieder aufzunehmen.

Bei Notaus sind alle Busse frei

Ein weiterer Unterschied zur alten Anlage ist die Pantograph-Top-Down-Lösung zum Laden der Fahrzeuge. "Wenn es brennt, will ich Busse wegfahren. Dann ist es natürlich extrem hilfreich, wenn die Busse frei sind, wenn es keinen Stecker gibt, wenn ich nicht noch drei Knöpfe drücken muss, um ein Kabel zu ziehen". Im neuen SSB-Konzept gehen bei Notaus alle Pantographen hoch und die Fahrzeuge sind komplett frei. "Ich kann sie rausschieben, rausfahren, rausrollen", so Wiedemann.
 
Zusätzlich zur Elektroinfrastruktur setzen die SSB auch auf Wasserstoff als alternative Energiequelle, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Da könne man notfalls auch mal ohne Strom fahren. "Und ganz hinten im Depot ist die Dieselversorgung", so Wiedemann, natürlich alles räumlich getrennt. "Wenn ich irgendwo eine Störung habe, habe ich immer noch irgendwas, was noch funktioniert. Die Diversifizierung ist das, was wir nutzen wollen, um eine möglichst hohe Verfügbarkeit für unseren Kunden, den Fahrgast, zu haben."

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