Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, zeigt auf, wo Hessen hin möchte und was es bisher erreicht hat.

Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, zeigt auf, wo Hessen hin möchte und was es bisher erreicht hat.

Bild: © HMWEVW/Oliver Rüther

Hessen möchte Vorreiter in der Verkehrswende werden – dieses Ziel hat sich die schwarz-grüne Landesregierung in Wiesbaden gesetzt. Auf dem VKU-Stadtwerkekongress in Kassel konnte Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, diesbezüglich einen Erfolg vermelden: Die CO2-Emissionen lagen in seinem Bundesland im vergangenen Jahr erstmals unter dem Niveau von 1990 – und dies trotz eines moderat steigenden Anstiegs der Mobilität in den Städten.

Deutschendorf erwartet ein weiter steigendes Verkehrsaufkommen in den Städten und er mahnt, dass auch in Hessen die Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Angesichts dessen hält er ein Umdenken für dringend erforderlich – "vor allem dann, wenn bis 2050 Klimaneutralität erzielt werden soll". Der Prozess des Umdenkens müsse bei jedem Einzelnen beginnen, das räumt Deutschendorf ein, er könne aber wirksam und erfolgreich durch die Politik begleitet werden. Der Staatssekretär weist aber darauf hin, dass die Landesregierung hier "eine Vielzahl von Förderprojekten" angestoßen habe.

Mobilitätsstationen sollen Umstieg ermöglichen

In der laufenden Finanzierungsperiode wurden in Hessen die Mittel für den ÖPNV um 20 Prozent erhöht. Ein Mobilitätsfördergesetz legt fest, dass weitere 100 Mio. Euro für den Umbau von Straßen, den Bau von Radwegen und eine bessere Fußgängerinfrastruktur ausgegeben werden soll. Landesbedienstete erhalten zudem seit letztem Jahr ein "Landesticket". Innerhalb eines Jahres wurde damit der Anteil der Mitarbeiter, die ÖPNV nutzen, glatt verdoppelt. Die CO2-Emissionen dieser Gruppe für die Wege zur Arbeit sanken im letzten Jahr rechnerisch um fünf Prozent.

Sogenannte Mobilitätsstationen sollen es zudem auch allen anderen Menschen in den Städten ermöglichen, problemlos vom Rad auf den ÖPNV umzusteigen. Das Land setze hier auf Kooperation mit Kommunen. In Fulda und Offenbach fördert nach Deutschendorfs Angaben das Land die Anschaffung von E-Bussen direkt, andernorts hilft ein Fachzentrum den berechtigten Kommunen, Fördermittel des Bundes einzuwerben. Hessen weise, so der Staatssekretär, zudem eines der am engsten geknüpften Netze von Ladestationen für E-Autos auf.

Stadtwerke als wichtige Förderer

Ein Lob für die Rolle der kommunalen Unternehmen im Lande bei der Verkehrswende legte Deutschendorf gleich nach: "Wir wären ohne die Unterstützung kommunaler Unternehmen auf diesem Wege nicht so weit gekommen, wie wir es sind." Der Staatssekretär nutzte die Gelegenheit des größten Branchentreffens der kommunalen Unternehmen in Kassel, um für die weitere Unterstützung durch die Stadtwerke zu werben, "damit wir bis 2050 klimaneutral unterwegs sein können."

Thomas Ulbrich, VW-Vorstand für E-Mobilität, der im Anschluss mit dem Staatssekretär diskutierte, wies darauf hin, dass die Hersteller "ein Umfeld brauchen, in dem die Umstellung zur E-Mobilität gelingen kann". Als den entscheidenden Punkt bezeichnete er die Infrastruktur, die vor allem auch durch die Kommunen bereitgestellt werden müsse.

"E-Mobilität ist nichts, was man von heute auf morgen umsetzt. Das ist ein Marathon, den wir da laufen – das ist kein Sprint."

Verkehrswende erst am Anfang

Deutschendorf entgegnete: "Wir sind jetzt gerade mal losgelaufen, und was wir jetzt brauchen, ist das Vertrauen der Kunden und auch der Partner." Das Laden von Fahrzeugen am Arbeitsplatz sei zum Beispiel ein Thema, das es zu lösen gelte. Unternehmen müssten hierfür sichere Bedingungen erhalten. Weiter verwies der Staatssekretär auf die technische Möglichkeit des "cleveren Ladens", bei dem es darum gehe, mittels automatisierter Steuerungen zu entscheiden, welches Auto zu welchem Zeitpunkt welche Ladung benötige und wie das mit der jeweiligen Netzauslastung vereinbar sei.

Angesprochen auf die Frage, ob in Stadt und Land nicht mit unterschiedlichen Summen gefördert werden müsse, räumte der Staatssekretär ein, dass die Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Regionen sich noch nicht genügend in den verfügbaren Realisierungsmodellen abbilden ließen. Es gehe hier darum, auf die jeweiligen Bedingungen angepasste Lösungen zu finden – womit er zugleich ein Beispiel dafür gab, dass eine intelligente Verkehrswende zwar angestoßen, aber noch lange nicht am Ziel ist. (sig)

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