Die extreme Hitze hat den Straßenbahnverkehr gleich in mehreren deutschen Großstädten zum Erliegen gebracht. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) und die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg mussten ihren Betrieb am Wochenende einstellen. In beiden Städten war auch am Montag kein regulärer Straßenbahnverkehr möglich.
Vergleichbare Meldungen gab es auch aus Bremen und Würzburg. Dort traf es einzelne Linien; in Würzburg fuhren die Trams am Montag wieder regulär. Das Schadensbild ähnelt sich in allen Städten: Extreme Temperaturen haben Dichtmaterialien zwischen Schienen und Fahrbahnbelag zum Schmelzen gebracht.
Bitumenhaltiges Material verklumpt in den Schienen
In Leipzig lief Fugengussmasse – ein bitumenhaltiges Material, das die Fuge zwischen Schiene und Asphalt abdichtet – in Weichen und Schienen oder verklumpte dort. In Nürnberg hatte sich an vielen Stellen im Stadtgebiet Bitumen gelöst und gefährdete damit den sicheren Betrieb. "Die netzweite Infrastruktur ist aktuell nicht mehr sicher zu befahren. Die Sicherheit unserer Fahrgäste geht absolut vor", sagte Toralf Müller, der für die Technik zuständige LVB-Geschäftsführer.
Die Reinigungsarbeiten laufen unter Hochdruck – auch in Nachtschichten. Die LVB haben bislang mehr als 50 Straßenbahnen in den Betriebshöfen gesäubert und befreien gleichzeitig Schienen und Weichen von der eingelaufenen Masse.
Auch die VAG ist mit Gleisbau-Mitarbeitern im Stadtgebiet im Einsatz, um die Strecken zu säubern. Für Nürnberg heißt das konkret: Der Schienenbereich muss aufwändig von der Bitumenmasse gereinigt werden. Dies betreffe einmal die Schienen selbst, dann aber auch die Flächen daneben sowie die Weichen. Zudem habe die VAG weiteres Arbeitsgerät beschafft, das in der jetzt notwendigen Menge nicht vorhanden war. Die VAG habe außerdem eine Fachfirma beauftragt, die bei der Reinigung der Gleise und Flächen mit einem speziellen Trockeneis-Verfahren unterstützt. Inzwischen seien die groben Verunreinigungen schon entfernt. Was bislang noch fehlt, ist die Endbearbeitung des gesamten Netzes. Diese läuft an.
Auch die Fahrzeuge selbst sind betroffen
Bitumen hat sich aber auch am Fahrwerk der Straßenbahnen festgesetzt. Alle eingesetzten Fahrzeuge müssen aufwändig gereinigt werden. Auch diese Arbeiten laufen bereits und auch hierfür hat die VAG bereits Unterstützung durch eine Fachfirma.
Die Schienen selbst sind durch die Hitze einer starken Belastung ausgesetzt. Die Gleislage sei aber stabil, heißt es in Nürnberg. Schäden im Gleisbereich könne es aber auch auch durch Blow-ups geben. Hier platzt die asphaltierte Straßendecke auf. Auch das sei in den vergangenen Tagen in Nürnberg bereits passiert. Straßenbahnen können dann unter Umständen nicht mehr fahren.
Die Wiederaufnahme des Betriebs soll in Nürnberg und Leipzig schrittweise erfolgen, jeweils nach Testfahrten und technischen Abnahmen. Für Fahrgäste richten die Unternehmen Ersatzverkehr ein. Die VAG setzt Busse und Taxis auf mehreren Linien ein. Sie empfiehlt zudem, auf U-Bahnen umzusteigen; auch der Leihradservice VAG Rad steht uneingeschränkt zur Verfügung. Die LVB halten den Busverkehr so weit wie möglich aufrecht, obwohl auch dort hitzebedingt vereinzelt Fahrzeuge ausgefallen sind.
