Der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) hat den Vertrag für die Anschaffung einer Elektrobusflotte mit dem niederländischen Unternehmen Ebusco gekündigt. Eine neue Ausschreibung sei in Vorbereitung, teilte die Verkehrstochter der Stadtwerke Potsdam mit.
Den Zuschlag für die Lieferung von 23 E-Bussen hatte Ebusco bereits 2023 erhalten. Bis 2025 sollten die Busse auf dem Betriebshof in Potsdam eintreffen. Dieser Termin wurde nicht eingehalten. Auch eine Bestätigung eines verlässlichen Liefertermins durch den Hersteller habe ViP nicht erhalten. Die Fristen waren zuletzt bis ins Frühjahr 2027 verschoben worden. Der Vertrag sei deshalb mit Wirkung zum 29. Juli "außerordentlich gekündigt" worden.
Seinerzeit hatte der niederländische E-Bushersteller das wirtschaftlichste Angebot abgegeben und konnte die im Leistungskatalog vorgegebenen Kriterien erfüllen, teilte ViP mit. Nach Angaben von Ebusco umfasste der Auftrag zehn Ebusco-3.0-Busse mit einer Länge von zwölf Metern sowie 13 Ebusco-3.0-Busse mit einer Länge von 18 Metern. Für die Anschaffung der E-Busflotte investieren die Landeshauptstadt und der Verkehrsbetrieb Potsdam insgesamt 17,4 Millionen Euro.
Die ViP arbeite nun mit Hochdruck daran, eine neue Ausschreibung für den Erwerb von 23 batterieelektrischen Bussen zu veröffentlichen. Das Lastenheft orientiere sich an der Ausschreibung von 2023 und sei eine gute Voraussetzung für eine zeitnahe Neuausschreibung, teilte das Unternehmen mit.
Lange Referenzliste
Die E-Busse von Ebusco sind in zahlreichen Städten Deutschlands im Einsatz. Zu den Kunden zählen unter anderem die Münchner Verkehrstochter MVG, die landeseigene SWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH, die Regensburger Verkehrsbetriebe sowie Infra Fürth.
Zu den größten Kunden in Deutschland zählt die Berliner BVG. 2022 bestellten die Verkehrsbetriebe der Hauptstadt 90 E-Busse dieser Marke. 2023 gingen sie in Betrieb.
Allerdings sind 70 davon derzeit aufgrund festgestellter Mängel außer Betrieb. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage des Nachrichtenportals ND. "An den betroffenen Bussen wurden bei Routinekontrollen frühzeitig kleine Risse am Fahrzeugrahmen erkannt. Da für die Busse eine Garantie besteht, wird der Hersteller die Reparaturen übernehmen", heißt es darin.
Ebusco kämpft mit Finanzsorgen
Dabei ist die Finanzlage des niederländischen Busproduzenten angespannt. Laut dem Geschäftsbericht 2025 hatte das Unternehmen ein negatives EBIT in Höhe von 71 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Jahr 2024 lag diese Kennzahl sogar bei minus 200,6 Millionen Euro. Dabei sank das Eigenkapital von 27,5 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 3,3 Millionen Euro. Das Unternehmen reagierte auf die Zahlen mit einem Stellenabbau: Die Zahl der Stellen wurde von 522 auf 288 reduziert. Zudem senkte Ebusco seine Betriebskosten ohne Materialaufwand um 55 Prozent.
Die Sparrunde dauert auch 2026 an. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 senkte das Unternehmen nach eigenen Angaben seine monatlichen operativen Ausgaben von bislang 6,05 Millionen auf 4,30 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeitenden sank auf 266. Ebusco arbeite weiterhin daran, eine Letter-of-Credit-Finanzierung mit einer internationalen Großbank, einem Lieferanten und/oder einem strategischen Partner aufzubauen. Die Kündigung des Auftrags aus Potsdam dürfte die Finanzlage des Unternehmens allerdings zusätzlich erschweren.