Die Fahrgastzahlen wachsen wieder stetig, doch auch die strukturellen Schwierigkeiten im Nahverkehr nehmen zu.

Die Fahrgastzahlen wachsen wieder stetig, doch auch die strukturellen Schwierigkeiten im Nahverkehr nehmen zu.

Bild: © Christian Müller/Adobe Stock

Der Nahverkehr in Deutschland verzeichnet 2025 erneut einen leichten Fahrgastzuwachs – doch die Freude in der Branche ist gedämpft. Nach Berechnungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) nutzten im vergangenen Jahr 9,86 Milliarden Fahrgäste Busse und Bahnen, ein Plus von 0,8 Prozent im Vergleich zu 2024. Rund 14,6 Millionen Menschen besaßen zum Jahresende ein Deutschlandticket, das sich damit endgültig als Massenprodukt etabliert.

Gleichwohl sieht VDV-Präsident Ingo Wortmann den ÖPNV "nur in Teilen" auf Kurs: Zwar seien steigende Fahrgastzahlen eine gute Nachricht, doch bremsten der schlechte Zustand der Infrastrukturen, Probleme bei Beschaffung und Zulassung von Fahrzeugen sowie bürokratische Hürden bei der Personalgewinnung Qualität und Zuverlässigkeit des Angebots. Diese Defizite würden auch von den Kundinnen und Kunden immer stärker wahrgenommen. Der Anspruch der Branche sei ein gutes Mobilitätsangebot für möglichst viele Menschen. Dafür seien aber klare Entscheidungen der Bundesregierung erforderlich.

Warten auf den Modernisierungspakt

Konkret moniert der Verband, dass der im Koalitionsvertrag angekündigte ÖPNV‑Modernisierungspakt weiterhin nicht eingelöst sei und es bei der Weiterentwicklung des Regionalisierungsgesetzes keine sichtbaren Fortschritte gebe. Der Verband verweist dabei insbesondere auf das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) als Hebel, um kurzfristig mit einem Modernisierungspaket zu starten.

Gefordert wird unter anderem, dass Gelder nicht befristet bis 2030, sondern dauerhaft zur Verfügung gestellt werden. Außerdem sollen Sanierungen von Verkehrswegen bei der Finanzierung nicht nachrangig gegenüber Neubauten behandelt werden. Fördermittel schließlich sollen Jahr für Jahr gekoppelt an einen Baukostenindex mitwachsen. Zudem drängt der VDV auf eine gezielte Förderung von Digitalisierung und Automatisierung der Verkehrswege.

Beim Deutschlandticket sieht der Verband trotz der Preiserhöhung zum 1. Januar 2026 von 58 auf 63 Euro pro Monat keine Kündigungswelle. Die aktuelle Kündigungsquote liege demnach bei 5,75 Prozent und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von rund acht Prozent. Das Angebot bleibe mit 74 Prozent Standardtickets, 15 Prozent Jobtickets und 11 Prozent Semestertickets ein zentraler Baustein der ÖPNV-Nachfrage. Gleichzeitig mahnt Wortmann eine verlässliche Gesamtfinanzierung des Tickets an – inklusive einer auskömmlichen öffentlichen Finanzierung, eines Preisindex sowie einer fairen Einnahmeaufteilung zwischen den Verkehrsunternehmen.

Besonders kritisch stellt sich laut Wortmann die Kostenseite dar. Während Energiepreise wie Strom und Diesel teils nur moderat gestiegen oder sogar leicht gesunken seien, erhöhten sich die Personalkosten im vergangenen Jahr um etwa fünf Prozent und setzten die Unternehmen zusätzlich unter Druck. Parallel dazu sei die Produktivität im Fahrdienst gesunken, vor allem aufgrund reduzierter tariflicher Arbeitszeiten und steigender Abwesenheitszeiten.

Wortmann betont, man wolle gute Löhne und Arbeitsbedingungen sichern, warnt aber zugleich davor, dass sinkende Verfügbarkeit des Fahrpersonals die Leistungsfähigkeit des ÖPNV gefährde. In wirtschaftlich angespannten Zeiten müssten daher alle Beteiligten – Kommunen, Unternehmen und Beschäftigte – ihren Beitrag leisten, um den ÖPNV als attraktiven Arbeitgeber und als zentralen Mobilitätsdienstleister gleichermaßen zu stärken.

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