Die Rheinbahn steht aktuell vor einer erheblichen Belastungsprobe: In den vergangenen Wochen kam es in Düsseldorf zu einer ungewöhnlich hohen Zahl von Verkehrsunfällen, bei denen Straßenbahnen des Unternehmens beschädigt wurden. Insgesamt registrierte die Rheinbahn 55 Kollisionen zwischen Schienenfahrzeugen und Pkw – deutlich mehr als üblich. Die Polizei Düsseldorf verzeichnete in den vergangenen Jahren jeweils rund 150 Unfälle mit Straßenbahnen pro Jahr. Die jüngste Häufung hebt sich davon klar ab.
Durch die aktuellen Unfälle stehen etwa zehn Prozent weniger Niederflur-Bahnen zur Verfügung, was sich unmittelbar auf das Platzangebot für Fahrgäste auswirkt. Bereichsleiter Betrieb, Christian Finke, beschreibt die Lage mit "mehr als ärgerlich“. Die eingeschränkte Fahrzeugverfügbarkeit erfordert ständig neue Dispositionskonzepte, damit Fahrten weiterhin stattfinden können. Zusätzliche Kosten entstehen laut Rheinbahn aber nicht – vor allem jedoch ein deutlich erhöhter organisatorischer Aufwand.
"Fahren statt ausfallen lassen"
Die Rheinbahn betont, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden höchste Priorität habe. Gemeinsam mit der Stadt Düsseldorf und der Polizei arbeitet sie intensiv daran, Gefahrenpotenziale frühzeitig zu erkennen und strukturell zu entschärfen. Ein klarer Schwerpunkt liege derzeit auf der Vermeidung typischer Unfallursachen – vor allem verbotswidriges Linksabbiegen sowie Wendemanöver über Gleisanlagen, die einen Großteil der aktuellen Schäden verursachen.
Die Rheinbahn verfolgt dabei zwei zentrale Handlungsstränge: Zum einen baulich-technische Maßnahmen, dazu zählen etwa die Verbesserung der Sichtbarkeit von Gleiskörpern, falls möglich auch die physische Trennung von Straßen- und Gleisraum sowie eine enge Abstimmung mit städtischen Fachämtern. Zum anderen setzt die Rheinbahn auf Sensibilisierungs- und Präventionskampagnen, etwa die Stärkung der Aufmerksamkeit im Straßenverkehr sowie Kommunikation zur besseren Wahrnehmung von GleisinfrastrukturAlle Maßnahmen befinden sich aktuell in der Entwicklung und Abstimmung mit Stadt und Polizei. Das Ziel sei ein urbaner Verkehrsraum, in dem Gleisanlagen klar erkennbar und respektiert werden – und Unfälle deutlich seltener werden.
Ersatzteilprobleme europaweit
Doch die Unfallserie hat eine weitere Dimension, die die Lage noch komplexer macht: Die Reparaturen der beschädigten Bahnen gestalten sich deutlich schwieriger als früher. Ersatzteile für Schienenfahrzeuge sind europaweit knapp; Lieferzeiten verlängern sich drastisch. Tomasz Karbowski, Bereichsleiter Fahrzeugwerkstätten, bestätigt: "Wo früher zwei Wochen üblich waren, warten wir heute ein halbes Jahr.“
Dabei sei nicht die Lagerhaltung das Problem. Bei neuen Fahrzeugen werden systematisch Ersatzteilversorgungsverträge abgeschlossen. Die Herausforderung liege vielmehr in den extrem langen Bearbeitungs- und Lieferzeiten für die Überarbeitung vorhandener Komponenten. Um dem zu begegnen, plant die Rheinbahn ihre Materialbedarfe langfristiger, stellt sich breiter mit zusätzlichen – auch europaweiten – Partnerfirmen auf und arbeitet im Schichtbetrieb, um beschädigte Fahrzeuge so schnell wie möglich zurückzubringen.
Einen konkreten Zeitpunkt für die vollständige Wiederherstellung der Flotte kann die Rheinbahn derzeit nicht nennen. Durch zusätzliche Partnerwerkstätten und eine verbesserte Material- und Reparaturplanung sollen die Reparaturzeiten jedoch schrittweise sinken. Erste spürbare Effekte werden ab Ende Februar erwartet. Um trotz fehlender Fahrzeuge möglichst viele Fahrten anzubieten, setzt die Rheinbahn auf Linien mit Überschneidungen teilweise kürzere Züge ein. Ziel bleibe immer: fahren statt ausfallen lassen.
Herausforderung in ohnehin anspruchsvoller Phase
Die Unfallserie trifft das Unternehmen in einer Zeit großer Belastungen: Die Rheinbahn modernisiert ihre Flotte derzeit mit 59 neuen HF6-Stadtbahnen, die seit 2024 nach und nach ausgeliefert werden. Gleichzeitig läuft noch die Bewältigung der Folgen eines Großbrands vom vergangenen Jahr, bei dem 38 Busse und eine Abstellhalle zerstört wurden.




