Die Bevölkerung erwartet von der Politik einen deutlichen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Zugleich wächst das Interesse an Elektroautos. Das sind zentrale Befunde der „TÜV Mobility Studie 2026“, die der TÜV-Verband vorgestellt hat. Im Zentrum stehen die Erwartungen an Busse und Bahnen und die Perspektiven der Elektromobilität.
Die Studie basiert auf einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter 2504 Menschen ab 18 Jahren. Das Auto bleibt demnach das wichtigste Verkehrsmittel: 83 Prozent nutzen es mindestens einmal pro Woche. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) kommt auf 20 Prozent. Dabei zeigt sich aber erwartungsgemäß ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land: In Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern fahren 47 Prozent regelmäßig mit Bussen und Bahnen. In Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern sind es nur 8 Prozent. Dort nutzen zugleich 96 Prozent regelmäßig das Auto.
Ein klarer politischer Auftrag
Für Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, folgt daraus ein klarer politischer Auftrag. 76 Prozent wünschen sich eine stärkere Förderung des ÖPNV. Für Regional- und Fernbahnen gilt dies bei 72 Prozent. Den Ausbau des ÖPNV auf dem Land unterstützen 92 Prozent. „Der Ausbau des ÖPNV ist Top-Thema Nummer eins“, sagte Bühler. Der Wunsch ist dabei nicht auf Menschen beschränkt, die Busse und Bahnen bereits häufig nutzen. Er zieht sich durch die verschiedenen Mobilitätsgruppen.
Auch bei der Entlastung der Innenstädte setzen die Befragten auf bessere Angebote. 91 Prozent halten den Ausbau des ÖPNV für geeignet, um den Autoverkehr zu verringern. 77 Prozent nennen zusätzliche Park-and-Ride-Flächen am Stadtrand, 69 Prozent die Förderung des Radverkehrs. Einschränkungen des Autoverkehrs bleiben dagegen umstritten: 54 Prozent lehnen sie ab, 40 Prozent befürworten sie. Eine City-Maut, höhere Parkgebühren oder weniger Parkplätze finden jeweils nur bei etwa einem Viertel Zustimmung.
Dabei sind die Anforderungen an den Nahverkehr hoch. Für 93 Prozent gehört ein zuverlässiger ÖPNV zu einer hohen Lebensqualität. Zugleich bewerten 47 Prozent seine Verfügbarkeit am Wohnort als eher oder sehr schlecht. Insgesamt beklagen 67 Prozent den Zustand von Straßen sowie Rad- und Gehwegen. Die Menschen erwarten deshalb neue Angebote und eine sichere, barrierefreie Infrastruktur.
Der Bestand bei E-Autos ändert sich nur langsam
Bei der Elektromobilität zeigt die Studie einen Gegensatz zwischen Fahrzeugbestand und Kaufabsichten. Reine Elektroautos kommen in Haushalten mit Auto bislang auf 9 Prozent, Hybridfahrzeuge auf 8 Prozent. Beim nächsten Autokauf würden dagegen jeweils 25 Prozent ein reines Elektroauto oder einen Hybrid bevorzugen. 35 Prozent entscheiden sich noch für einen Verbrennungsmotor. Selbst unter den Befragten, die keinen Elektroantrieb bevorzugen, kommt ein reines E-Auto für 23 Prozent infrage.
Bühler wertet dies als Zeichen für den bevorstehenden Durchbruch der Elektromobilität. Auch die Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für das erste Halbjahr 2026 weisen in diese Richtung: Reine Elektroautos erreichen 26 Prozent der Neuzulassungen, Plug-in-Hybride 11 Prozent und andere Hybridfahrzeuge 29 Prozent. Der Fahrzeugbestand wird sich dennoch nur langsam verändern. Das Durchschnittsalter der Autos auf deutschen Straßen liegt inzwischen bei knapp elf Jahren – in den 80er Jahren waren es noch sechseinhalb Jahre.
Die bekannten Hemmnisse bestehen fort. 57 Prozent nennen die hohen Anschaffungskosten als Grund gegen ein Elektroauto, 52 Prozent die geringe Reichweite und 50 Prozent zu wenige oder schlecht erreichbare Ladestationen. Bei den Besitzern eines E-Autos beklagen 61 Prozent eine deutlich geringere Reichweite im Winter. Hinzu kommen intransparente Preise an öffentlichen Ladesäulen und unterschiedliche Bezahlsysteme. „Wir müssen Ladelust statt Ladefrust erzeugen“, sagte Bühler. Der Ausbau müsse mit dem wachsenden Markt Schritt halten.