VDV-Präsident Ingo Wortmann

VDV-Präsident Ingo Wortmann

© VDV

Von Jürgen Walk

Ein wenig erinnerte die Jahrespressekonferenz des Verbands der Verkehrsunternehmen (VDV) an die Geschichte vom guten und bösen Cop: Verbandpräsident Ingo Wortmann fasste das abgelaufene Jahr – um Ausgewogenheit bemüht – als ein Jahr mit wachsenden Fahrgastzahlen, einem attraktiven Deutschlandticket, aber eben auch mit finanziellen Herausforderungen für die Verkehrsunternehmen zusammen. Deutlich weniger zurückhaltend dagegen ging VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff zu Werke: Seine Aufgabe sei es schließlich, auch mal "draufzuhauen" – und sein Ziel war dabei eindeutig Bundesverkehrsminister Volker Wissing.

Bei den Themen Deutschlandticket und ÖPNV "muss man sagen, dass Bundesminister Wissing ein konzeptioneller Totalausfall ist", so Wolff. Wissing (ehemals FDP) rühme sich ja als Erfinder des Deutschlandtickets. "Zur Wahrheit gehört, dass die Grünen der Erfinder gewesen sind. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Erhöhung der Regionalisierungsmittel, die in der Ampel-Koalition lange nicht gelaufen ist, durch eine Verabredung der Abgeordneten zwischen CDU, CSU und SPD geschehen ist. Da sind wir ausgesprochen dankbar dafür, weil das zumindest mal eine kurzzeitige Absicherung der Finanzierung gewesen ist", so Wolff.

Mit der künftigen Regierung verhandeln

Die Kosten der Unternehmen bestehen laut Wolff "eben auch darin, eine Clean Vehicle Directive umzusetzen". Das seien Ausgaben, die langfristig geplant und auch mit Förderprogrammen hinterlegt sind. Die dann aber "von jetzt auf gleich verschwunden sind, weil man das Geld ja ins Deutschlandticket gesteckt hat". Es mache keinen Sinn, dem Kunden ein günstiges Ticket anzubieten, wenn gleichzeitig diejenigen, die den Verkehr erledigen sollen, nicht mehr in der Lage sind, das wirtschaftlich zu tun.

"Es zeigt sich, dass ein solches Ticket für die Kunden toll ist. Das unterstützen wir auch unumwunden", so Wolff. Aber diejenigen, die Leistungen erbringen sollen, müssten dazu auch in die Lage versetzt werden. "Wir müssen jetzt mit der neuen Bundesregierung verhandeln, wie man dieses Ticket sinnhaft gestaltet". Nötig sei eine Planung, "die fünf oder acht Jahre zum Gegenstand hat". Die Politik habe dieses Ticket bestellt und sie müsse dafür bezahlen.

Durchaus auch gute Nachrichten zum ÖPNV vermeldete VDV-Präsident Ingo Wortmann in seiner Bilanz. Die Zahl der Fahrgäste im abgelaufenen Jahr ist wieder deutlich geklettert – nicht ganz so hoch wie vor der Corona-Zeit, aber mit 9,8 Milliarden nur knapp darunter. Es gebe unterschiedliche Entwicklungen; in den Städten sei das Vor-Corona-Niveau bereits wieder erreicht, am Land nicht ganz. Es habe auch Verschiebungen in Richtung stärkerer Wochenend-Verkehr gegeben, was auch eine Folge des Homeoffice sei.

Das Deutschlandticket habe jedenfalls geholfen, die Fahrgäste zurück in den ÖPNV zu holen und neue Fahrgäste zu gewinnen. Dennoch stellt laut Wortmann die langfristige Finanzierung des Angebots eine Herausforderung dar. In einigen Städten wie Dresden werde diskutiert, ob das Angebot aufgrund fehlender Finanzierung gekürzt werden muss. In anderen Städten wie etwa München müssen geplante und eigentlich nötige Angebotsausweitungen wieder zurückgenommen werden.

Rückkehr zum alten System wäre kontraproduktiv

Viele Kunden sind auf das neue Ticket umgestiegen. Eine Rückkehr zu den alten Ticketsystemen wäre außerordentlich kompliziert und ineffizient. Doch die Unternehmen benötigen laut Wortmann zusätzliche Zuschüsse von Bund und Ländern, um die steigenden Kosten zu decken.

Die jüngste Preiserhöhung von 49 auf 58 Euro pro Monat habe jedenfalls nicht zur der von manchen prognostizierten Kündigungswelle geführt. Die Kündigungsquote zum Jahreswechsel sei leicht von durchschnittlich 7 Prozent auf 8,1 Prozent gestiegen. Eine zu starke Erhöhung der Ticketpreise würde jedoch den Wert des Deutschlandtickets gefährden.

Aktuell sind laut Wortmann 13,5 Millionen Deutschlandtickets im Umlauf. Um das Ziel von 15 Millionen zu erreichen, sei Stabilität im Angebot notwendig. Unternehmen könnten dann auch verstärkt auf Jobtickets umsteigen, wodurch die Zahl der Fahrgäste im Berufsverkehr weiter steigen würde.

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