Informationskampagnen sollen Menschen der Regioenen, die sich für ein Endlager anbieten, aufklären, gab das niedersächsische Umweltministerium bekannt

Informationskampagnen sollen Menschen der Regioenen, die sich für ein Endlager anbieten, aufklären, gab das niedersächsische Umweltministerium bekannt

Bild: © wellphoto/Adobe Stock

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stellte am Montagvormittag bei der Bundespressekonferenz in Berlin ihren ersten Zwischenbericht für die Standortsuche eines atomaren Endlagers in Deutschland vor. Im Fokus standen die geologischen Verhältnisse.

Gesucht wird ein Endlager, mindestens 300 Meter unter der Erde und mit stabilen Gesteinsschichten, wo rund 1900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus den deutschen Kernkraftwerken eine Million Jahre sicher eingelagert werden können.

Über 1 Million Datensätze ausgewertet - 90 Teilgebiete ermittelt

Über 1 Million Datensätze, welche von allen Landes- und Bundesbehörden zur Verfügung gestellt wurden, seien nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet worden, berichtete der BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz. In einem Screeningprozess seien nun 90 sogenannte Teilgebiete ermittelt worden, in denen aus geologischen Aspekten Atommüll grundsätzlich sicher gelagert werden könne. Dies entspreche 54 Prozent der Fläche Deutschlands.

Eruiert wurden bundesweit 7 Teilgebiete mit Granit als geologischem Untergrund, 9 Teilgebiete mit Ton und 74 Standorte mit Steinsalz. Grundsätzlich seien alle diese Standorte und Gesteinsformationen für eine sichere Endlagerung geeignet, unterstrich Kanitz.

Gorleben: Salzstock raus - Standort mit Tonuntergrund noch im Visier

Nicht mehr im Rennen ist der Salzstock in Gorleben und „zwar rein aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten“ so Kanitz, nicht aus politischen Erwägungen heraus. Hierbei seien dieselben wissenschaftlichen Kriterien angelegt worden wie für andere Salzstöcke, unterstrich Kanitz. Als Teilgebiet ausgewiesen seien jedoch Flächen bei Gorleben mit Ton als Untergrund.

„Doch ein ausgewiesenes Teilgebiet ist längst noch kein tatsächlicher Endlagerstandort“, unterstrich Stefan Studt, Vorsitzender Geschäftsführer der BGE. Denn Fakten schaffe erst später der Gesetzgeber nach weiteren Erkundungen und Bewertungen auch der Standortverhältnisse „über Tage“ sowie einer durchlaufenden intensiven Öffentlichkeitsbeteiligung. Endgültig entschieden werden soll frühestens im Jahr 2031.

Höchstmögliche Transparenz - politische Einmischung Bayern`s kontraproduktiv

Oberste Priorität des Verfahrens habe ein streng wissenschaftlicher Suchprozess, höchstmögliche Transparenz, eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung und darauf aufbauend eine politische Entscheidung, betonten Kanitz und Studt. Grundlage für das Verfahren ist das Standortauswahlgesetz, das 2017 vom Bundestag verabschiedet worden sei, mit den Stimmen von CDU, CSU, SPD und den Grünen.

Als kontraproduktiv bezeichneten Studt und Kanitz Äußerungen des Bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber, der Bayern für keinen geeigneten Standort hält und das Verfahren grundsätzlich in Frage stelle.

Untersteller: Suche nicht durch interessengeleite Äußerungen gefährden

Auch der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller appellierte nun in einer Presseerklärung, die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle nicht durch interessengeleitete Äußerungen aufs Spiel zu setzen. „Um den besten und damit sichersten Standort zu finden, sind Transparenz, Verlässlichkeit und Solidarität erforderlich. Diesen Kriterien sollen sich alle – auch Bayern – verpflichtet fühlen“, teilte Untersteller mit.

Der nächste wichtige Schritt der Öffentlichkeitsbeteiligung sei nun eine bundesweite Fachkonferenz in Kassel am 17./18. Oktober 2020. Man verspreche sich hiervon auch noch zusätzliche Erkenntnisse für die Standortsuche, unterstrich Kanitz.

Schulze: "Das Verfahren ist gut - es verdient Vertrauen"

Positiv zu dem nun vorgelegten Zwischenbericht äußerte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze.“ Der Zwischenbericht zeigt, dass das gemeinsam beschlossene Verfahren trägt. Drei Jahre nach dem Verfahrensbeginn haben wir den ersten weithin sichtbaren Fortschritt bei der Endlagersuche erzielt. Das ist eine gute Nachricht“, teilte Schulze in einer Presseerklärung mit.

Die zweite gute Nachricht sei, dass die Voraussetzungen für eine möglichst sichere Endlagerung in Deutschland „mehr als gegeben“ seien. Nun sei es wichtig, dass sich die Öffentlichkeit intensiv einzubringe. „Von allen Politikern erwarte ich, jetzt zur gemeinsamen Verantwortung zu stehen und dem Verfahren Rückhalt zu geben. Das Verfahren ist gut, es verdient Vertrauen“, betonte Schulze. (hcn)

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