Seltener Gast im Feuerwehrhaus in Rednitz (Bayern): Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier spricht zu den Zuhörern während der zweiten  Netzausbaureise.

Seltener Gast im Feuerwehrhaus in Rednitz (Bayern): Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier spricht zu den Zuhörern während der zweiten Netzausbaureise.

©Heinz Wraneschitz

Während in Coburg vor allem Lokalpolitiker mit dem Bundesminister diskutieren, sind es bei der zweiten fränkischen Reisestation hauptsächlich von Trassenausbauplänen betroffene Normalbürger. Die haben teilweise weite Wege auf sich genommen, um Altmaier schon vor dem Feuerwehrhaus Redwitz laut (mit Sprechchören) und deutlich (mit Tafeln und Trassenkreuzen) zu zeigen: Sie stehen ausdrücklich für dezentrale Stromgewinnung aus Wind, Sonne oder Bioenergie. Dafür haben sie sich sogar mit dem Nürnberger Regionalversorger N-Ergie zusammengetan, wie zu hören ist.

Denn bis dahin war Peter Altmaier überzeugt: "Die Leute in Bayern wollen keine Windräder." Am Ende von 90 Minuten Diskussion in der mit über 200 Leuten voll gefüllten Feuerwehrhalle gibt sich Altmaier offensichtlich gewendet. "Wenn Ihr Strom in Bayern selber erzeugen wollt, habt Ihr mich auf Eurer Seite", ruft er Politikern und Trassengegnern zu.

"Trassen sind nicht die Energiewende"

Letztere wiederum wollen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Auch wenn das "Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse" (AB) offiziell nur die Hochspannungs-Gleichstromleitung "Süd-Ost-Link" ablehnt, ziehen dessen Mitglieder mit den Ausbaugegnern von Drehstromleitungen wie "Ostbayernring" oder jener P44 – ob "modifiziert" oder nicht – an einem Strang.

Man stelle "die Stromtrassen fundamental in Frage. Trassen sind nicht die Energiewende", auch wenn das die Bundespolitik nebst der nachgeordneten Bundesnetzagentur immer wieder so darstellen würden. Deshalb lehnen das AB und andere Gruppen auch eine vorliegende Einladung für Ende November ins Ministerium kategorisch ab. Sie fürchten, dass dort ebenso wie in Redwitz nur einzelne Details geplanter Trassen diskutiert werden sollen.

Freie Wähler können Meinung offensiv vertreten

Erfreut sind FW-Staatsminister Hubert Aiwanger (Wirtschaft) und Thorsten Glauber (Umwelt), als Altmaier ihnen verspricht: "Bis Ende des Jahres lade ich die Umwelt- und Wirtschafts-Ressortchefs aus Hessen, Thüringen und Bayern zu einem Gipfel in Berlin ein, um die Probleme zu besprechen."

Vielleicht hat Altmaier ja auch dieses Gerücht gehört: Die Freien Wähler sollen bei Bundesratssitzungen ihre Meinung zu Trassen und Regenerativen Energien offensiv vertreten können; sie bräuchten sich nicht der Stimme zu enthalten, wenn der Koalitionspartner CSU anderer Meinung sei. Das steht zwar nicht im schwarz-orangen Koalitionsvertrag, soll aber zwischen den Verhandlern abgestimmt worden sein.

"Ganz klar, mit mir nicht"

In Redwitz jedenfalls gibt sich FW-Minister Aiwanger schon mal kämpferisch: "P44: Ganz klar, mit mir nicht!" Für ihn hat "oberste Priorität: Netzausbau vermeiden, Netzsteuerung, Ausbaumaßnahmen im Verteilnetz." (wran)

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