Öffentliche Steckdosen und WLAN gehören zu den Maßnahmen, mit denen Städte in der Post-Corona-Zeit attraktiver werden können.

Öffentliche Steckdosen und WLAN gehören zu den Maßnahmen, mit denen Städte in der Post-Corona-Zeit attraktiver werden können.

Bild: © Leszekglasner/AdobeStock

Bonn, Darmstadt, Ingolstadt, Ulm – das sind einige der Städte, die sich nach dem Abflauen der Corona-Krise am schnellsten erholen werden. Denn sie vereinen eine hohe Stabilität gegenüber externen Einflüssen mit einem starken sozio-ökonomischen Umfeld.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Beratungsunternehmens FTI-Andersch, das 52 deutsche Großstädte verglichen hat. Weitere Städte, die sich in dieser Gruppe befinden: Augsburg, Bamberg, Erlangen, Heilbronn, Karlsruhe, Münster und Saarbrücken.

Bonn ist Sieger

Das beste Ergebnis unter den Vergleichsstädten konnte Bonn erzielen. Als Wirtschaftsstandort mit einer Vielzahl an Konzernen und mittelständischen Unternehmen verfügt die Stadt über ein starkes Wachstum der Wirtschafts- und Einwohnerzahlen.

Die Kaufkraft sei hoch, die Arbeitslosenquote gering und die Lebensqualität sehr gut, heißt es in der Untersuchung von FTI-Andersch weiter. Gleichzeitig sei die ehemalige Bundeshauptstadt nicht so abhängig von Messen oder Tourismus wie andere Großstädte, was ihre Resilienz in der Corona-Pandemie deutlich erhöht.

Die Untersuchungskriterien

Insgesamt haben die Unternehmensberater 19 Faktoren pro Stadt untersucht und mit 1 (gering) bis 5 (hoch) bewertet.  Zu den Stabilitätsfaktoren wurden Kennzahlen zum Kultur- und Freizeitangebot, Leerstandsquoten von Gewerbeimmobilien, der digitale Reifegrad, die Existenz einer Universität, die Anzahl der Touristen sowie die Anzahl der Messen gerechnet – was sich unmittelbar auf die Besucherfrequenzen in der Zeit von Covid19 ausgewirkt hat. Zum sozio-ökonomischen Umfeld zählen Faktoren wie Wirtschaftsleistung, Einwohnerwachstum, die Relevanz als Einzugsgebiet, Kaufkraft, Arbeitslosenquote und Lebensqualität.

Bonn hat in diesem Benchmark hinsichtlich der Stabilität eine 3,0 erhalten, im Bereich der sozio-ökonomischen Faktoren eine 3,6. Die höchste Stabilität weist die ostwestfälische Stadt Paderborn (3,5) auf, die niedrigste Berlin (1,9). Das stärkste sozio-ökonomische Umfeld hat auf Basis der Untersuchung München (4,0), das schwächste Trier (1,7).

Die Schlusslichter
 
Vor allem die Städte Celle, Erfurt, Hildesheim, Leipzig, Lübeck, Mannheim und Trier werden nach Ansicht von FTI-Anderscheher damit rechnen müssen, durch die Pandemie stärkere Schäden zu nehmen, Denn sie liegen als Gruppe hinten, wenn man Stabilität und sozio-ökonomisches Umfeld ins Verhältnis setzt.

FTI-Andersch hat mögliche Maßnahmen entwickelt und nach Themen und Zeitdimensionen strukturiert, die Städte zur Weiterentwicklung in Erwägung ziehen sollten. „Für das zweite Halbjahr 2021 prognostizieren heute viele Licht am Ende des Tunnels dieser Pandemie durch erfolgte Impfungen von weiten Teilen der Gesellschaft“, sagt Studienleiterin Dorothée Fritsch. Deshalb sollte die jetzige Phase dafür genutzt werden, eine Strategie für die Post-Corona-Zeit zu entwickeln.

Katalog für Post-Corona-Maßnahmen

Beispielsweise sollte es vereinfacht werden, Verkaufsflächen nach draußen zu verlegen und Öffnungszeiten im Einzelhandel deutlich zu flexibilisieren. Danach empfehlen die Unternehmensberater eine temporäre Vereinfachung des Vergaberechts für eine schnellere Umsetzung öffentlicher Investitionsfördermaßnahmen sowie die Förderung einer Digitalinfrastruktur für kleine und mittelständische Unternehmen. Um die innerstädtischen Besucherfrequenzen nach der Pandemie wieder zu erhöhen, könnten zielgruppengerechte Aktivitäten und neue Veranstaltungsformate initiiert werden, zum Beispiel Ausbildungsmessen, Produktshows oder Familienveranstaltungen.

Viele Städte könnten das Erlebnis des Innenstadtbesuchs weiter verbessern, indem sie Sitzgelegenheiten, öffentliche Steckdosen und WLAN, mehr Toiletten, Pop-up-Radwege und weitere Verbesserungen der Aufenthaltsqualität schaffen, meinen die Berater. Für leerstehende Immobilien könnten Zwischenvermietungen als Mini-Logistik-Hubs in Innenstädten in Erwägung gezogen werden. (hp)

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