Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will die behördlichen Strukturen für eine schnelle Genehmigungspraxis fit machen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will die behördlichen Strukturen für eine schnelle Genehmigungspraxis fit machen.

Bild: © Fabian Sommer/dpa

Das zusätzliche, staatlich angemietete, schwimmende LNG-Terminal soll bis zum Winter 2023/2024 zur Verfügung stehen und so einen weiteren Baustein liefern, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu sichern, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bei einem Pressestatement am Donnerstag in Berlin.

Damit kommt zu den bislang vier staatlich gemieteten Spezialschiffen eine fünfte Floating Storage and Regasification Unit (kurz FSRU) hinzu. Das fünfte staatliche FSRU kommt erneut nach Wilhelmshaven, wo bereits eines der vier ersten Spezialschiffe anlanden wird. Dieses fünfte Spezialschiff hat eine Kapazität von mindestens 5 Mrd. m³ pro Jahr und soll im vierten Quartal 2023 in Betrieb gehen.

Import von grünem Wasserstoff soll parallel erfolgen

Excelerate, der Eigentümer des Schiffes, werde das FSRU dem Konsortium aus den Unternehmen TES/E.ON/Engie bereitstellen und es technisch betreiben sowie weitere erforderliche Dienstleistungen erbringen, so Habeck.

Parallel wird TES eine Anlandung von grünem Wasserstoff am Terminal in Wilhelmshaven aufbauen. TES strebe an, den Import grünen Wasserstoffs bereits während der ersten 12 Monate des Betriebs des FSRU nahtlos zu integrieren, betonte CEO Marco Alvera.

"Weltweit größtes" Wasserstoff-Terminal für grünes Gas – Kostenvorteile

Ziel sei es, das FSRU mit der Anlandung von LNG nur so lange am Standort Wilhelmshaven zu betreiben bis dort das „weltweit größte“ Wasserstoff-Terminal für grünes Gas in Betrieb genommen werde, so Alvera. Dies werde nach Informationen von TES voraussichtlich im Jahr 2025 der Fall sein.

Der grüne Wasserstoff soll aus Sonne und Wind, beispielsweise in Kanada, dem Mittleren Osten, Südafrika oder Australien, gewonnen werden. Er soll für den Transport mittels CO2-Luftabscheidung zu synthetischem LNG (Electric Methane) aufgearbeitet werden.  Das synthetische grüne LNG sei deutlich günstiger als Ammoniak bzw. fossil hergestelltes Methan. Man kalkuliere derzeit mit einem Preis von rund 100 Euro pro Megawattstunde, bis Ende des Jahrzehnts rechne man mit einem Preisrückgang auf 40 Euro/MWh für die Anlieferung in Wilhelmshaven, so Alvera.

Kapazität für 7 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff

Teile des schwimmenden LNG-Terminals sollen laut Alevera für den Aufbau des grünen Wasserstoffterminals an Land genutzt werden. Die Kapazität soll für den Import von 7 Millionen Tonnen grünen Wasserstoffs ausgelegt werden. Um diese Menge zu produzieren seien erneuerbare Erzeugungsanlagen mit einer Leistung von mehr als 200 Gigawatt (GW) und Elektrolyseure mit einer Leistung von mehr als 100 GW nötig.

Es gehe darum, Deutschland und Europa möglichst schnell aus der Klammer russischer Gasimporte zu befreien und gleichzeitig durch die neue Infrastruktur die Loslösung von dem fossilen Zeitalter voranzutreiben, betonte Habeck. „Wir machen Wilhelmshaven so zu einem wichtigen Anlandepunkt für sichere und nachhaltige Energie in Europa“, unterstrich er.

Überblick über die übrigen Flüssigerdgasterminals

Die Bundesregierung habe bereits im Frühjahr vier schwimmende Flüssigerdgasterminals ebenfalls mit einer Kapazität von je mindestens 5 Mrd. m³ pro Jahr gechartert, so Habeck. Zwei der vier staatlichen FSRU sollen bereits zum Jahreswechsel 2022/2023 in Brunsbüttel und Wilhelmshaven an den Start gehen. Am Standort Wilhelmshaven soll laut BMWK die Hoegh Esperanza ab dem Jahreswechsel 2022/2023 in Betrieb gehen. Bauarbeiten und Genehmigungsverfahren schritten gut voran.

In Brunsbüttel soll das weitere Hoegh-Schiff zum Jahreswechsel 2022/23 stationiert werden. Die Kapazität der existierenden Anbindungsleitungen lasse hier im Winter 2022/2023 LNG-Anlandungen von mindestens 3,5 Mrd. m³/Jahr im Jahresdurchschnitt zu. Nach Bau und Inbetriebnahme einer neuen, 55 Kilometer langen Gasleitung könne dann ab Ende 2023 die Kapazität gesteigert werden, so dass die Leitungskapazität dann auf mindestens 5 Mrd. m³/Jahr erhöht werden. Die FSRUs in Brunsbüttel und Wilhelmshaven werden von RWE und Uniper betrieben.

Staatlich gecharterte FSRUs in Stade und Lubmin

Am 16. August 2022 wurde zudem eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) zwischen BMWK, Uniper, RWE und EnBW/VNG über die zeitlich befristete Belieferung dieser FSRU unterzeichnet. Danach wollen die genannten Unternehmen, ihre Lieferfenster vom Jahreswechsel 2022/23 bis 31. März 2024 vollständig auslasten. Dadurch kann laut BMWK ein maximaler Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet werden.

Das 3. und 4. FSRU wird laut BMWK in Stade bzw. Lubmin stehen. Diese FSRU sollen Ende 2023 zum Einsatz kommen. In Stade wird die FRSU von der Hanseatic Energy Hub GmbH betrieben werden, in Lubmin von den Unternehmen RWE und Stena-Power, so das BMWK.

Rund 30 Mrd. m³/Jahr aus FSRU

In Brunsbüttel und Stade sei geplant, die FSRU nur so lange zu betreiben, bis die an diesen Standorten geplanten landseitigen Terminals in Betrieb gingen. Aktuell sei geplant, dass dies im Jahr 2026 der Fall sein werde. Zusätzlich ist ein privates FSRU in Lubmin mit 4,5 Mrd. m³/Jahr ab Ende dieses Jahres geplant.

Damit stünden über die schwimmenden Flüssiggasterminals zum Winter 2023/2024 mindestens 25 Mrd. m³/Jahr an Kapazität aus den staatlichen FSRU bereit, so Habeck. Hinzu dürften mindestens 4,5 Mrd. m³/Jahr aus dem privaten Projekt in Lubmin kommen. Zusammen könne damit allein aus den FSRU der bisherige Gas-Bedarf zu etwa einem Drittel gedeckt werden (Basisjahr 2021 – 90,5 Milliarden). (hcn)

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