Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) arbeitet derzeit an einer Stromspeicher-Strategie. Damit will das Ministerium nach eigenen Angaben den Stromspeicherhochlauf unterstützen und die optimale Systemintegration anreizen. So würden etwa Möglichkeiten geprüft, wie Stromspeicher nicht nur direkt aus EE-Anlagen stammenden Grünstrom speichern, sondern auch gleichzeitig "grauen" Strom aus dem Netz ein- und ausspeichern können, ohne die Förderung für den zwischengespeicherten Grünstromanteil zu verlieren.
Außerdem denkt das Ministerium über weitere Anreize für die Errichtung sogenannter erzeugungsnaher Speicher nach, vor allem in Kombination mit Windanlagen. Möglich sei etwa eine Weiterentwicklung der Innovationsausschreibungen. Dies geht aus einem Eckpunktepapier zur Stromspeicherstrategie hervor, welches der ZfK vorliegt.
Übergangslösung für Großspeicher
Was die Verlängerung der Netzentgeltbefreiung für Speicheranlagen betrifft, soll die Bundesnetzagentur frühzeitig mit allen Beteiligten eine Regelung diskutieren, die an die als Übergangslösung ausgestaltete und bis August 2029 geltende Netzentgeltbefreiung für neue und erweiterte Großspeicher anschließt, heißt es weiter. Eine dahingehende Forderung hatte der Branchenverband BDEW kürzlich erhoben.
Die Bundesnetzagentur soll auch prüfen, ob Verfahren erforderlich seien, um verbindliche Vorgaben zu Baukostenzuschüssen (BKZ) und Netzanschlusskostenbeiträgen (NAKB) von Stromspeichern zu erlassen. Die Branche bemängelt seit längerer Zeit, dass regional unterschiedliche Kosten für den Netzanschluss ein klares Hemmnis für den schnelleren Hochlauf von Großbatteriespeichern darstellen. Dadurch entsteht eine regionale Verteilung von Stromspeichern, die der Netzstabilität nicht unbedingt dienlich ist.
Finanzielle Beteiligung von Kommunen
Das BMWK möchte des Weiteren auch Kommunen und Bevölkerung den Bau von Stromspeichern schmackhaft machen. So will sich das Ministerium dafür einsetzen, dass Standortgemeinden mit Großspeichern von den damit zusammenhängenden Gewerbesteuereinahmen künftig stärker profitieren. Eine Änderung des Gewerbesteuerrechts müsste jedoch durch das Bundesfinanzministerium erfolgen.
Eine weitere Möglichkeit, um für mehr Akzeptanz von Speicherprojekten zu sorgen, wäre eine Ausdehnung des § 6 Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die Regelung gibt Projektierern von Windenergie- und PV-Freiflächenanlagen die Möglichkeit, den Gemeinden, die von der Errichtung betroffen sind, finanziell zu beteiligen. Das BMWK will nun laut Stromspeicherstrategie die Rolle von Stromspeichern im Zusammenhang mit § 6 EEG untersuchen.
Umfassende Speicherstrategie
Das Eckpunktepapier wird in der Branche bislang positiv aufgenommen. So begrüßte der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) die vorliegende Speicherstrategie ausdrücklich."Wir freuen uns, dass diese Speicherstrategie die größten Hemmnisse der Speicherbranche zielgenau anspricht und Lösungen konkret in Aussicht stellt", so Urban Windelen, Geschäftsführer des BVES. "Mit der Speicherstrategie liegt eine Agenda für mehr Flexibilität, Effizienz und Resilienz im Stromsystem auf dem Tisch."
Das BMWK hatte das Eckpunktepapier zur Speicherstrategie erstmals auf der Jahrestagung des BVES Ende November vorgestellt und innerhalb der vergangenen Wochen weiterentwickelt. In ihrem Koalitionsvertrag vor zwei Jahren hatte die Bundesregierung Speicher als die "vierte Säule des Energiesystems" bezeichnet und sich zur Entwicklung einer umfassenden Speicherstrategie verpflichtet. (jk)



