Im Wendland entsteht derzeit Deutschlands größte Agri-PV-Anlage. Dort werden künftig nicht nur Kräuter, sondern auch Sonne geerntet.

Im Wendland entsteht derzeit Deutschlands größte Agri-PV-Anlage. Dort werden künftig nicht nur Kräuter, sondern auch Sonne geerntet.

Bild: © Philipp Schulze/dpa

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat ein Impulspapier veröffentlicht, das Handlungsempfehlungen für einen erfolgreichen Markthochlauf der sogenannen Agri-Photovoltaik (Agri-PV) beleuchtet. Agri-PV-Anlagen hätten demnach das Potenzial zu einer "Kerntechnologie für das Gelingen der Energiewende" zu werden, indem sie durch die Mehrfachnutzung von Flächen bestehende Ziel- und Nutzungskonflikte zwischen Energiewende und Agrarproduktion auflösen, teilt die dena mit.

Aktuell steht die Nutzung von Agri-PV in Deutschland allerdings noch am Anfang: Die installierte Leistung beträgt rund 14 Megawatt (MW). Das Impulspapier prognostiziert jedoch, dass bis 2025 bis zu 1 Gigawatt (GW) an Agri-PV-Systemen über den geförderten und nicht geförderten Ausbau installiert sein könnten.

Klare Definition

Um den Markthochlauf der Agri-PV zu unterstützen, sind laut dena vier zentrale Handlungsfelder wesentlich: Erstens brauche es ausreichend definitorische Klarheit und Trennschärfe zu anderen PV-Konzepten, um Transparenz für Anwenderinnen und Anwender zu erreichen.

Ziel einer entsprechenden Definition sollte es demnach sein, klar unterscheiden zu können zwischen "echten" Agri-PV-Systemen und Projekten, die mit nur geringfügig angepassten PV-Systemen von einer vorteilhaften öffentlichen Wahrnehmung oder von den förder-, genehmigungs- und steuerrechtlichen Vorteilen der Agri-PV profitieren möchten. Klare Klassifizierungen würden in einem sich entwickelnden Markt Orientierung bieten und den Markthochlauf unterstützen.

Öffnung für landwirtschaftliche Vorranggebiete

Zweitens sei es nötig, eine Neubewertung der Anwendung in der Raum- und Regionalplanung vorzunehmen, um weitere Flächenpotenziale zu heben. So sollten die Mehrwerte der Agri-PV in die Betrachtungen einbezogen und eine explizite Öffnung für entsprechende Konzepte vorgesehen werden, wie beispielsweise in Vorranggebieten der Landwirtschaft.

Derzeit sei an diesen Standorten die Errichtung und der Betrieb einer Agri-PV-Anlage in der Regel nicht möglich, selbst wenn ein Mehrwert für den spezifischen Standort durch die Agri-PV entstehe, heißt es in dem Papier. Die dena spricht sich hier für eine Vermutungsregelung dahingehend aus, dass bestimmte öffentliche Belange nicht berührt werden.

Höchstwert im Blick behalten

Drittens sollten laut dem Impulspapier die bestehenden Finanzierungsmodelle optimiert werden. So sollte beobachtet werden, ob der im Solarpaket I vorgesehene Höchstwert von 9,5 ct pro Kilowattstunde (kWh) für die Agri-PV-Anlagen mit einer lichten Höhe von mehr als 2,10 m auskömmlich sei. Dies gelte auch mit Blick auf den Technologiebonus für die Anlagen, deren Vergütung gesetzlich bestimmt wird.

Die Ergebnisse der Ausschreibungen würden demnach zeigen, in wie weit es ein differenzierteres Ausschreibungsdesign brauche, um eine Vielzahl von verschiedenen Systemen im Sinne der Technologieoffenheit zu fördern. Im Hinblick auf die weitere Ausgestaltung des Förderrahmens im EEG sei außerdem zu prüfen, ob hier eher auf maßnahmen- als auf ergebnisbezogene Voraussetzungen abgestellt wird. In der Praxis sei es aufgrund des Klimawandels häufig schwer vorherzusehen, ob sich der angestrebte Erfolg tatsächlich über den gesamten Förderzeitraum einstelle. Diese Unsicherheiten können zu höheren Finanzierungskosten führen und schlimmstenfalls die Umsetzung eines Projekts verhindern.

Wissenschaftliche Begleitung

Viertens sollte die Sichtbarkeit der Technologie durch die Förderung von Pilotprojekten, die Stärkung der begleitenden Forschung sowie gezielter Kommunikationsmaßnahmen mit Blick auf den landwirtschaftlichen Sektor weiter erhöht werden.

Voraussetzung für einen zügigen Markthochlauf ist laut dena die Bereitstellung evidenzbasierter Informationen für die relevanten Entscheidungsträger. Eine wissenschaftliche Begleitung von Pilotprojekten für unterschiedliche Anlagentechnologien, -größen und verschiedene landwirtschaftliche Nutzungen lasse wichtige Erkenntnisse für alle Stakeholdergruppen erwarten.

Das Impulspapier hat die dena in Zusammenarbeit mit Becker Büttner Held Rechtsanwälte (BBH), der Elysium Solar GmbH und dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) erstellt. Es soll demnach einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Rolle der Agri-PV bei der Bewältigung der Herausforderungen im Kontext von Energie- und Agrarwende in Deutschland leisten. (jk)

Zum Impulspapier geht es hier.

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