Die Coronapandemie hat unter anderem zu Verzögerungen bei wichtigen Projekten von Enercon geführt.

Die Coronapandemie hat unter anderem zu Verzögerungen bei wichtigen Projekten von Enercon geführt.

Bild: © Ingo Bartussek/Adobestock

Die Windbranche in Nordrhein-Westfalen (NRW) blickt optimistisch auf das neue Jahr. 2024 werde es einen "Durchbruch" bei den Rahmenbedingungen in dem Bundesland geben, prognostiziert Hans-Josef Vogel, Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW), vor Journalisten in Düsseldorf.

Regierungsziel "eng, aber machbar"

Im Blick hat er dabei unter anderem schnellere Genehmigungen neuer Windenergieanlagen (WEA). Die Prozesse sollten "einfacher und digitaler" werden, fordert Vogel. Dass die schwarz-grüne Landesregierung ihr Ziel von mindestens 1.000 zusätzlichen WEA bis 2027 erreicht, "wird eng, aber machbar". Unter dem Strich sieht der LEE NRW die Koalition aus CDU und Grünen bei der Windenergie auf einem guten Kurs.

Im vergangenen Jahr sind in NRW nach vorläufigen Zahlen der Fachagentur Windenergie neue Anlagen mit zusammen mehr als 500 Megawatt (MW) Leistung ans Netz gegangen. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Ohne die 2023 abgebauten älteren Anlagen beträgt der Nettozuwachs immer noch mehr als 400 MW. Dazu kommen Genehmigungen für etwas mehr als 1.700 MW Leistung.

Hemmschuh Transportgenehmigungen

Ein Selbstläufer ist das Ganze aus Sicht des LEE NRW allerdings dennoch nicht. Der Verband mahnt weitere Hürden an, darunter schleppende Transportgenehmigungen für die Straße – noch dauert dies mehrere Wochen. In der Kritik steht hier die bundeseigene Autobahn GmbH, die "sich in den zurückliegenden Monaten als ganz, ganz großer Hemmschuh erwiesen" habe. Im Nachbarland Niederlande gehe das innerhalb von 15 Arbeitstagen.

Sorge bereitet Vogel darüber hinaus, dass in den derzeit zu überarbeitenden Regionalplänen auch ein Mindestabstand diskutiert werde. "Es sorgt für Verunsicherung, wenn in ersten Entwürfen durch die Hintertür die überflüssige 1.000-Meter-Abstandsregelung wieder eingeführt werden soll."

Pakt mit der Industrie

Doch gibt es auch Lob für die Landesregierung. Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Projektierers SL Naturenergie, hob insbesondere die seit Jahresbeginn gültigen Erleichterungen für den Bau von WEA in Industrie- und Gewerbegebieten hervor. "NRW braucht Industrie. Industrie braucht Energie. Deshalb muss die Windenergienutzung auch ins Industrie- und Gewerbegebiet dürfen", sagte Nitzschke.

Er regte einen "Industrie-Windstrom-Pakt" an, eine Plattform für sämtliche beteiligten Akteure – beispielsweise auch Netzbetreiber. "Wir müssen alle zusammenbringen und gemeinsam an einem neuen Rahmen mitarbeiten".

Die oben angegebenen Ausbauzahlen können sich noch geringfügig ändern. Weil etwa im Dezember 2023 in Betrieb genommene Anlagen erst bis Ende Januar der Bundesnetzagentur zu melden sind. (dz)

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