Gasag-Chef Gerhard Holtmeier macht sich für einen verpflichtenden Wasserstoffanteil von 20 Prozent im Gasnetz bis zum Jahr 2030 stark. Dieser Ansatz sei sinnvoll, um den auch von der Politik gewünschten Markthochlauf für Wasserstoff möglich zu machen. Das sagte Holtmeier im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf der Tagung „Gas 2020“ des Handelsblatts.
Der Vorstandsvorsitzende übte deutliche Kritik an der Politik, die bei der Energiewende viel entschiedener vorgehen müsste. Das Ziel, bis zum Jahr 2040 aus dem fossilen Erdgas auszusteigen, sei richtig. „Aber den Weg dahin empfinde ich als problematisch“, so Holtmeier. Vieles, was von der Bundespolitik komme, erinnere ihn an „planwirtschaftschaftliches Arbeiten“. Luft nach oben sieht der Gasag-Chef vor allem mit Blick auf die Wärmewende. „Die Politik weicht vor dem Problem zurück, weil ihr nur zu bewusst ist, wie groß die Dimension ist“, sagte Holtmeier.
Feicht: Politik hat Wärmewende vorangebracht
Ein Vorwurf, den Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, so nicht auf sich sitzen lassen wollte. „Wir haben vielleicht spät angefangen, uns mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber gerade in dieser Legislaturperiode haben wir viel erreicht“, sagt der frühere Stadtwerke-Chef und verwies auf eine ganze Reihe von Förderprogrammen, etwa zum Heizungstausch oder der Gebäudesanierung.
„Sehr enttäuscht“ vom Vorgehen der Bundesregierung im Bereich Wärme zeigte sich Julia Verlinden, die energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Die Politik müsse heute die Weichen für die Energieversorgung stellen. Das sei aber auch mit dem Gebäude-Energiegesetz nicht geschehen. Dieses schreibe althergebrachte Standards fort und setze auf Technologien von gestern, so die Grünen-Politikerin. Es wäre viel besser gewesen, wenn die Bundesregierung bei der Wärmewende klare Vorgaben gemacht hätte – etwa in Form der Verpflichtung für den Eigentümer, bei einem Heizungstausch künftig erneuerbare Energien einsetzen zu müssen.
Auf die Unternehmen vertrauen
Dieser Ansatz ging wiederum Andreas Feicht gehörig gegen den Strich. Hier mit dem Ordnungsrecht zu operieren, sei der falsche Weg. Es brauche marktorientierte Lösungen und keine ideologischen Modelle. Zudem gelte es, die Belastungen für die Bürger und Unternehmen überschaubar zu halten. „Ich glaube an die Freiheit und die Kompetenz der Wirtschaft“, betonte er.
Als „total weltfremd“ bezeichnete Feicht schließlich Verlindens Forderung, ausschließlich auf grünen Wasserstoff zu setzen. Dieser sei aktuell nicht nur viel zu teuer, sondern auch nicht in ausreichenden Mengen verfügbar. Auch vor diesem Hintergrund wäre es fatal, bei der Energiewende zu viele Optionen von vornherein auszuschließen.
Holtmeier wirbt für Technologieoffenheit
Holtmeier stellte klar, dass er die von der Politik mit Inbrunst geführten Debatten über die „Farbenlehre“ des Wasserstoffs für nicht zielführend hält. Auch Verlindens Warnungen vor der CCS-Technologie teilte der Gasag-Chef nicht. „Wir müssen alles tun, um den Industriestandort Deutschland wettbewerblich im Markt zu halten“, betonte er. Dazu müsse man sich technologisch breit aufstellen und den mittels Elektrolyse hergestellten Wasserstoff von der EEG-Umlage befreien. Aufgabe der Politik sei es, klare Leitplanken für die Wärmewende vorzugeben. Vieles von dem, was die Politik nicht anfassen wolle, traue sich die Branche in der Umsetzung ohne Weiteres zu, so Holtmeier. (amo)


