Angesichts der Digitalisierung der Arbeitswelt hat eine fraktionsübergreifende Enquetekommission des NRW-Landtags die Stärkung von mobilem Arbeiten und Homeoffice empfohlen. Betriebsvereinbarungen zum mobilen Arbeiten sollten gefördert werden, heißt es im Abschlussbericht der Kommission. Wo möglich und gewünscht, sollte Arbeit im Homeoffice gestärkt werden. Denkbar sei zudem eine Pflicht für Arbeitgeber, die Ablehnung von Homeoffice begründen zu müssen. Auch sollten steuerliche Anreize für mobiles Arbeiten geschaffen werden.
Das Gremium hatte sich zwei Jahre mit der digitalen Transformation der Arbeitswelt in Nordrhein-Westfalen beschäftigt und mehr als 40 Experten gehört. Das Ergebnis sind rund 120 Empfehlungen für modernes Arbeiten.
Kein Rechtsanspruch
Die Corona-Krise habe gezeigt, dass lange bestehende Vorbehalte etwa beim Thema Homeoffice in den Unternehmen schneller gefallen seien, «als wir uns vorstellen konnten», sagte der Kommissionsvorsitzende Dietmar Bell (SPD) am Dienstag in Düsseldorf.
In den Empfehlungen der Enquetekommission geht es nicht um einen Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie ihn Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant. Heil will jedem Arbeitnehmer einen Anspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr einräumen. Ein solcher Rechtsanspruch wäre eine zu hohe Belastung für Firmen, sagte der CDU-Abgeordnete Marco Schmitz. Dann müsse der Arbeitsschutz zu den Beschäftigten nach Hause kommen, und es müssten eigene Arbeitstische und Computer gestellt werden.
Umstellung auf Wochenarbeitszeit
Die Kommission empfiehlt neue Formen der Arbeit, mit denen Familie und Beruf besser vereinbart werden könnten. Das könnten etwa gemeinsame Co-Working-Räume in Kommunen für Beschäftigte verschiedener Unternehmen sein, die mit Kinderbetreuung verbunden werden könnten.
Die Kommission empfiehlt auch eine «Öffnungsklausel» für mehr selbstbestimmte Arbeitszeit. Dabei bringt sie eine Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Arbeitszeit ins Spiel. Dies solle aber zunächst zusammen mit Sozialpartnern, etwa den Gewerkschaften, in «Experimentierräumen» geprüft werden.
Weiterbildung für digitale Kompetenzen
Das Thema lebensbegleitendes Lernen spielt bei der digitalen Transformation eine Schlüsselrolle. Die Kommission hat daher eine Vielzahl an Handlungsempfehlungen zum Erwerb von (digitalen) Kompetenzen und besonders zum Thema Weiterbildung entworfen. Dazu gehören Qualifizierungsprogramme für Nachwuchskräfte in digitalen Schlüsselbranchen. Außerdem sollten hochschulische Informationsangebote für nicht-traditionelle Studierende verbessert werden. (dpa/hp)



