Die im Juni 2022 vom Bundeswirtschaftsministerium ausgerufene Alarmstufe des Notfallplans Gas bleibt trotz Entspannung auf den Großhandelsmärkten bestehen. "Wegen weiterer Vorsorgemaßnahmen sehen wir dies für erforderlich an", teilte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.
Insbesondere gehe es um die Wiederauffüllung der Erdgasspeicher mit Blick auf die Versorgungssituation im Winter 2023/24. "Dementsprechend wurde auch auf EU-Ebene die EU-Gas-Einspar-Verordnung bis Ende März 2024 verlängert." Dies unterstreiche, dass es auch national weiterhin Vorsorgemaßnahmen bedürfe, die an die Aufrechterhaltung der Krisenstufe geknüpft seien.
Gasspeicherziele für Herbst 2023
Die Erdgasspeicher in Deutschland waren am Mittwochmorgen zu gut 67 Prozent gefüllt, Tendenz steigend. Zum Herbst hin sind bestimmte Füllstände vorgeschrieben.
Zunächst müssen die Speicher am 1. September zu 75 Prozent gefüllt sein, am 1. November dann zu 95 Prozent. Der Gasspeicherverband Ines ging zuletzt davon aus, dass die Speicher am 1. September bereits zu 100 Prozent gefüllt sein werden.
Weltweites Gasangebot knapp
In einem neuen Report hatte am Donnerstagmorgen auch die Internationale Energieagentur (IEA) vor neuen Risiken und Preisschwankungen gewarnt. Der Druck auf die Gasmärkte habe Anfang 2023 wegen eines milden Winters und politischer Maßnahmen zwar nachgelassen, teilte die Organisation mit.
Das weltweite Gasangebot werde aber auch 2023 knapp bleiben. Es gebe große Unsicherheiten. Dazu gehörten die Möglichkeit eines trockenen Sommers oder eines kälteren Winters als üblich, auch aber eine geringere Verfügbarkeit von Flüssiggas sowie ein weiterer Rückgang der russischen Pipeline-Gaslieferungen nach Europa.
LNG als neue Grundversorgung für Europa
Deshalb müsse die Gasnachfrage durch verbesserte Energieeffizienz, den beschleunigten Einsatz erneuerbarer Energien und Wärmepumpen sowie Verhaltensänderungen weiter verringert werden, schrieb die IEA.
Flüssigerdgas werde zu einer neuen Grundversorgung für Europa und werde zwei Drittel seiner Importe ausmachen, fuhr die Organisation fort. Die USA würden dabei zum weltweit größten LNG-Lieferanten.
Wegfall russischer Gaslieferungen
Allerdings reiche der Anstieg an Flüssigerdgasimporten nach Europa nicht aus, um den erwarteten Rückgang der russischen Pipeline-Gaslieferungen nach Europa zu kompensieren.
Wenn die russischen Lieferungen auf dem Niveau des ersten Quartals bleiben, bedeute dies für 2023 einen Rückgang der Gaslieferungen an die europäischen Industrieländer um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Ausbau erneuerbarer Energien
Allerdings werde die Gasnachfrage in den EU-Industrieländern im laufenden Jahr voraussichtlich um fünf Prozent zurückgehen, da der Ausbau erneuerbarer Energien rasch vorankomme, hieß es von der IEA. (dpa/aba)
