Ein Blick auf die Transparenzplattform AGSI genügte am Mittwochmorgen, um zu erkennen: Ein Einspeicherturbo in Deutschlands Gasspeicher ist weiterhin nicht erkennbar. Um gerade einmal 0,11 Prozentpunkte stieg der Füllstand am Vortag auf nun rund 56 Prozent.
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, schloss am Mittwoch im Gespräch mit dem Sender "Phönix" einen Füllstand von 80 Prozent aus. Alle Expertinnen und Experten seien sich einig, dass ein Füllstand von 80 Prozent technisch kaum noch zu erreichen und auch nicht realistisch sei.
Gaspreis-Spread weiterhin negativ
Müller deutete auch an, dass die hohen Gaspreise die Einspeicherung erschweren. Am Mittwochmittag lag der Gaspreis im Day-Ahead-Markt bei 81 Euro pro Megawattstunde (MWh) und damit mindestens zwei Euro über den Winterkontrakten. Das bedeutet: Wer jetzt Gas einkauft, einspeichert und den Verkauf für die Wintermonate absichert, erzielt damit unter diesen Preisbedingungen keinen positiven Speicher-Spread.
Umso bemerkenswerter waren Berichte verschiedener Medien am Dienstag. Demnach hätten die staatlichen Gashändler Sefe und Uniper der Bundesregierung informell zugesichert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit bis zum Beginn der Heizperiode noch so viel Erdgas wie möglich in die Speicher kommt. Der Vorteil aus Sicht des Bundes: Die Kosten würden von den Unternehmen getragen und nicht wie bei einem staatlichen Eingriff von den Steuerzahlern oder den Gaskunden über eine Umlage.
Das staatliche deutsche Gasunternehmen Sefe bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, zusätzlich Gas einspeichern zu wollen. Man handle ausschließlich aus strategischen und wirtschaftlichen Erwägungen und habe eine eigenständige kommerzielle Geschäftsentscheidung getroffen, betonte das Unternehmen. Es gebe keine Anweisung dazu vom Bundeswirtschaftsministerium.
"Versorgungssicherheit zu gewährleisten liegt in der Verantwortung aller Energieunternehmen", betonte Sefe. Man übernehme diese Verantwortung für die Kunden. Die Befüllung sei für Sefe vorteilhaft. "Profitabilität und Versorgungssicherheit schließen sich daher nicht aus, sondern sind auch mit Blick auf die anstehende Privatisierung gleichermaßen von wesentlicher Bedeutung."
Reiche-Staatssekretär: "Keine Weisungen des Bundes"
Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, betonte beim VKU-Stadtwerkekongress, dass auch staatliche Gashändler ihre Entscheidungen "wirtschaftlich" fällen würden. "Es gibt keine Weisungen des Bundes".
Zugleich appellierte er an Händler, ihren Pflichten nachzukommen. Zur Verantwortung der Gashändler gehöre, Vorsorge zu treffen, sagte der Spitzenbeamte. Die Position seines Hauses sei klar: Für Gaseinspeicherungen hätten Händler, Speicherbetreiber und die ganze Branche zu sorgen. Sie könnten nicht vertrauen, dass Krisen einfach zu Ende gehen. "Die 70 Prozent müssen erreicht werden."
Deutschlands größter Speicher fast leer
Fest steht, dass ein großer Teil der Speicher bereits zu mehr als 70 Prozent voll ist. Dass der Gesamtwert trotzdem deutlich darunter liegt, hängt unter anderem mit der Lage im Sefe-Gasspeicher im niedersächsischen Rehden zusammen.
Der mit Abstand größte Speicher Deutschlands weist weiterhin einen Füllstand von unter zehn Prozent auf. Seit Anfang September kamen lediglich 0,83 Prozentpunkte hinzu. Wichtig dabei: Sefe ist lediglich der Betreiber der Anlage. Welche Händler die Kapazitäten gebucht haben, ist öffentlich nicht einsehbar. Insgesamt sind die Sefe-Speicher zu 34 Prozent gefüllt.
Uniper ist gemessen an der Speicherkapazität der größte Speicherbetreiber in Deutschland. Seine Anlagen waren zuletzt im Schnitt zu 63 Prozent gefüllt. Probleme bereitet vor allem der Speicher Breitbrunn in Bayern, der zuletzt einen Füllstand von zehn Prozent aufwies. Auch hier gilt: Uniper betreibt die Speicher. Wie viele Kapazitäten davon das Unternehmen gebucht hat, ist öffentlich nicht einsehbar.