"Wir werden das EEG auch noch die nächsten 20 Jahre brauchen". Dies unterstrich Agora-Chef Patrick Graichen am heutigen Mittwoch bei einem Fachgespräch der Clearingstelle EEG/KWK in Berlin. Kernelemente und Erfolgsfaktoren des Erneuerbare-Energien-Gesetzes seien Investitionssicherheit und der Netzanschluss.
Zudem gehe es um die Versorgung des Industriestandorts Deutschland mit kostengünstigem erneuerbarem Strom, vor allem aus Windkraft und Photovoltaik, betonte Graichen. Gleichzeitig plädierte er für eine ambitionierte Weiterentwicklung des EEG sowie die Einbindung in einen klima- und energiepolitischen Instrumentenmix mit dem Emissionshandel bzw. einer CO2-Bepreisung.
Ökostromanteil von 70 bis 75 Prozent in 2030
"Das EEG ist eine großartige Erfolgsgeschichte", sagte Graichen. Nur weil das EEG einen verlässlichen Rahmen gesetzt habe, sei es gelungen den erneuerbaren Stromanteil von 5 Prozent im Jahr 2000 auf momentan schon 50 Prozent zu steigern.
Wenn man diesen jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 2,5 Prozent fortschreibe, liege der Ökostromanteil im Jahr 2030 schon bei 70 bis 75 Prozent und bei 95 Prozent im Jahr 2040. Dies sei auch nötig, um eine angestrebte vollständige Dekarbonisierung der Energieversorgung bis 2050 zu erreichen.
Weiterhin Ausschreibungen als Backstop nötig
Entsprechend müsse nun das neue EEG ausgerichtet werden, betonte Graichen. "Stellen Sie sich schon einmal darauf ein, dass der 65-Prozent Erneuerbaren Anteil am Strommix in 2030 erhöht wird", sagte er. Die Erneuerbaren-Ausbaumengen müssten innerhalb der kommenden 20 Jahre fast verdoppelt werden, darauf müssten die Planungen ausgerichtet werden.
Doch seien weiterhin "Ausschreibungen als Backstop nötig", um Investitionen abzusichern, beispielsweise wenn PPAs scheiterten.
Instrumentenmix mit ETS - EEG-Umlage Bremser für Sektorenkopplung
Auch plädierte Graichen dafür, das EEG in einem Instrumentenmix mit dem Europäischen Emissionshandel (ETS) zu sehen. Diesen sieht er über einen höheren CO2-Preis als zentrales Instrument, um den Kohleausstieg zu beschleunigen. Die derzeitigen CO2-Preise in Höhe von 28 bis 30 Euro pro Tonnen seien schon ein Vorgriff darauf.
Außerdem ermöglichten höhere CO2-Preise die Nutzung entsprechender Einnahmen für die überfällige Senkung der EEG-Umlage, welcher er "als Bremser schlechthin für die Sektorenkopplung" sieht.
Netzentgelte reformieren: pro günstigen Strom an Erzeugungsstandorten
Daneben müsse es auch darum gehen, nicht nur die EEG-Umlage, sondern auch die Netzentgelte zu reformieren. "Strom sollte gerade dort, wo er erzeugt wird, günstig sein", betonte Graichen. Derzeit sei dieses Prinzip auf den Kopf gestellt und der Strom dort am teuersten, wo er produziert wird, beispielsweise Windstrom in Mecklenburg-Vorpommern. Hierdurch verspiele man auch die Akzeptanz der Anrainer.
Dazu komme die Herausforderung für den Ausbau der Erneuerbaren die geeigneten Flächen zu bekommen, vor allem für die anvisierten 120 bis 140 Gigawatt Onshore-Wind in Deutschland. Doch könne es nicht angehen, dass man den Bau eines Windrads im Genehmigungsverfahren "wie den Bau einer Motorcross-Anlage" behandle und Untere Naturschutzbehörden teils auch aufgrund mangelhafter Kenntnisse geplante Vorhaben ablehnten.
Genehmigungen an energiepolitischer Bedeutung der Windkraft ausrichten
"Hier brauchen wir eine ganze andere Haltung", sagte Graichen, denn schließlich seien ja Windkraft und Photovoltaik das künftige Rückgrat der deutschen Stromversorgung und damit eine tragende Säule des Industriestandorts Deutschland.
Zur Stärkung des Eigenverbrauchs fordert Graichen klarere, einfachere Regeln als derzeit, welche "die Leute einfach machen lassen, aber dennoch die Netzfinanzierung sicherstellen" und eine Entsolidarisierung verhindern. (hcn)



