Bundesminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) stellte bei einer Pressekonferenz am Freitag die Treibhausgasemissionsdaten 2023 und die Projektionsdaten bis 2030 vor.

Bundesminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) stellte bei einer Pressekonferenz am Freitag die Treibhausgasemissionsdaten 2023 und die Projektionsdaten bis 2030 vor.

Bild: © Carsten Koall/dpa

Deutschland ist Bundesklimaschutzminister Robert Habeck zufolge erstmalig auf Kurs, um das selbst gesteckte Klimaschutzziel der Bundesregierung bis 2030 zu erreichen. Grundlage sind neue Projektionen des Umweltbundesamts.

Demnach soll der Treibhausgasausstoß in Deutschland im Vergleich zum Jahr 1990 Ende dieses Jahrzehnts um knapp 64 Prozent sinken. Im vergangenen Jahr erwartete die Bundesbehörde einen Rückgang um 63 Prozent. Im Jahr zuvor wurde ein Minus von nur 49 Prozent prognostiziert. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts, hält sogar eine "Übererfüllung" des Ziels für möglich, wie er auf einer Pressekonferenz mit Habeck sagte. Gesetzlich festgehalten ist übrigens ein Rückgang von 65 Prozent.

Wirtschaftsflaute hilft Klima

Auch die Klimaschutzzahlen für das vergangene Jahr fielen erfreulich aus. "Wir haben 2023 insgesamt eine Reduzierung von 10,1 Prozent der Treibhausgasemissionen erreicht", erläuterte Messner. Deutschland stieß den Berechnungen zufolge im Vorjahr 674 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente aus.

Zugleich räumten Habeck und Messner ein, dass die gute Klimabilanz 2023 auch der schwächelnden Wirtschaft geschuldet sei. "Wir haben im Jahr [2023] durch die hohen Energiepreise und die Energiekrise nicht ausreichendes Wachstum gehabt", sagte der Minister. "Deswegen ist das nichts, worauf man wirklich stolz sein kann."

Einsparkönig Energiesektor

Die 2023-Klimaschutzdaten sind vorläufig. Im nächsten Schritt werden sie nun vom Sachverständigenrat für Klimafragen geprüft. Endgültige Zahlen zu 2023 wird es erst im kommenden Jahr geben.

Als Hauptfaktor für die sinkenden Treibhausgasemissionen stellte Messner den Energiesektor heraus. Auf diesen entfielen im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel der Einsparungen. Als Gründe dafür nannte der Behördenchef eine rückläufige Kohleverbrennung, einen "großen Schub" bei den erneuerbaren Energien und den marktgetriebenen Brennstoffwechsel von der Kohle hin zum Gas.

Klimaschutztreiber Heizungsgesetz

Weitere erhebliche Einspareffekte dürfte nach Einschätzung Messners das neue Gebäudeenergiegesetz, besser bekannt als Heizungsgesetz, bringen. Zwar seien im vergangenen Jahr nicht nur deutlich mehr Wärmepumpen verkauft worden, sondern auch mehr Öl- und Gasheizungen, führte er aus.

Aber das Signal sei gesetzt, zumal der steigende CO2-Preis das Heizen mit fossilen Brennstoffen immer teurer machen werde. "Insofern bin ich ziemlich sicher, dass in den kommenden Jahren die verkauften Gasanlagen und Ölanlagen rückläufig sein werden, und die Wärmepumpen nach vorne kommen werden."

Verkehr bleibt "Sorgenkind"

Zuversichtlich zeigte sich Messner zudem, dass die Bundesregierung ihr Stromziel bis 2030 erreiche. Demnach sollen insgesamt 80 Prozent des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien abgedeckt werden. Auch dies habe sich in dem erfreulicheren Ausblick niedergeschlagen, sagte der Präsident des Umweltbundesamts.

Als "Sorgenkind" bezeichnete Messner den Bereich Verkehr. Im Vergleich zum Vorjahr stellte seine Behörde hier nur eine geringe Reduktion des Treibhausgasausstoßes fest. "Das ist deutlich unter dem, was wir uns im Klimaschutzgesetz für diesen Sektor vorgenommen haben." Im Autosektor sei der Ausstoß sogar leicht nach oben gegangen.

"Noch Menge Arbeit zu tun"

Beim Hochlauf des Elektromobilitätsbereichs hinke Deutschland hinterher, sagte Messner. "Wir brauchen bis 2030 um die 15 Mio. Elektroautos auf der Straße. Wir haben im Augenblick 1,4 Mio. Hier ist noch eine Menge Arbeit zu tun."

Der Energiebranchenverband BDEW begrüßte in einer ersten Reaktion den vom Umweltbundesamt prognostizierten Abwärtstrend. Zugleich mahnte er die Bundesregierung zu zügigen Entscheidungen. "Dazu gehört unter anderem die rasche Verabschiedung des Solarpakets und eine deutlich schnellere Flächenbereitstellung bis 2027 für Wind an Land, als sie derzeit vorgesehen ist", schrieb er.

"Wichtig, Wasserstoffmarkt aufzubauen"

Außerdem erinnerte er die Regierung an die Bedeutung flexibler wasserstofffähiger Gaskraftwerke für das Erreichen der Klimaziele. "Die Bundesregierung muss deshalb so schnell wie möglich die Kraftwerksstrategie vorlegen und Klarheit für die Investoren schaffen, damit noch in diesem Jahr die Ausschreibungen starten können", schrieb der Verband.

"Gleichzeitig ist es wichtig, den Wasserstoffmarkt aufzubauen. Am Ende helfen wir damit auch dem Klima, denn der Zubau und Betrieb neuer wasserstofffähiger Kraftwerke ist Grundlage für den Kohleausstieg." (aba/dpa)

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