Die Gaswirtschaft hat 2018 von gestiegenen CO2-Preisen profitieren können, ist aber noch immer weit von einer tragenden Rolle in der Energiewende entfernt. Auf der Handelsblatt Jahrestagung Gas 2018 in Leipzig kritisierten Branchenvertreter am Montag (24. September) die Bundesregierung, dass derzeit weder auf der europäischen noch auf der nationalen Ebene eine klare Strategie erkennbar sei, um die kurzfristig erschließbaren Potenziale der Gaswirtschaft für die Klimaziele zu aktivieren. So würde ein schneller Umstieg von der Kohleverstromung auf Gaskraftwerke, deren Kapazitäten derzeit nur zu 15 Prozent ausgelastet sind, mehr als 100 Mio. Tonnen CO2 einsparen. Auch bei den für die Sektorenkopplung wichtigen Power to X(PtX)-Technologien erwartet die Branche dringend, dass die Umlagen- und Abgabenbelastung reduziert werden.
Thorsten Herdan, Abteilungsleiter Energie im Bundeswirtschaftsministerium, kann hier allerdings wenig Zuversicht verbreiten. „Eine Befreiung von Power to Gas oder Power to Heat wäre aus europarechtlicher Sicht nicht gesetzeskonform und würde Sanktionen aus Brüssel wegen ungerechtfertigter Subventionen nach sich ziehen“, sagte Herdan auf dem Forum. Ändern ließe sich das nur durch eine grundsätzliche Änderung des Umlagensystems, was eigentlich auch sinnvoll sei. In dieser Legislaturperiode sei ein solcher großer Wurf allerdings wenig wahrscheinlich, zumal keine Festlegung im Koalitionsvertrag stehe. „Derzeit ist es einfacher zu sagen, was nicht geht“, räumte Herdan ein. Möglich sei eine Neubewertung allerdings eventuell durch entsprechende Einschätzungen der Strukturkommission.
Unsicherheit durch US-Sanktionen
Unsicher bleibt auch, ob mit neuen Pipelines die Versorgung von Europa mit russischen Erdgas gegen den Widerstand der US-Administration erweitert werden kann. „Die Bundesregierung sieht jede neue Pipeline als Beitrag zur Diversifizierung und daher als nützlich an“, sagte Herdan. Es sei aber derzeit so, dass man nie sagen könne, welche neue Botschaft über Sanktionen aus Washington sich am nächsten Morgen auf dem Tisch befinde. Mit einem möglichen Vertrag zwischen der Ukraine und Russland, der bereits 2019 unterzeichnet sein könnte, würde sich die blockierende US-Position allerdings wahrscheinlich relativieren.
Prinzipiell sei sich die Bundesregierung natürlich über die Potenziale von Gas und der vorhandenen Infrastruktur für die Energiewende im Klaren und unterstütze auch die Bestrebungen für die Kopplung mit Strom aus Wind und Sonne. Allerdings seien heute Projekte für PtX nicht mehr nur Forschung, können also keine großzügigen Subventionen erhalten. (masch)
