Auf dem Panel diskutierten (von links): Linda Davis (Moderation), Claudia Kemfert, Susana Jiménez, Lord Oliver Henley, Samantha Smith, Claude Turmes.

Auf dem Panel diskutierten (von links): Linda Davis (Moderation), Claudia Kemfert, Susana Jiménez, Lord Oliver Henley, Samantha Smith, Claude Turmes.

Bild: © hcn/ZfK

"Wenn wir nur über den Ausstieg sprechen, haben wir bereits verloren", sagte Samantha Smith, Direktor des Just Transition Centre der International Trade Union Confederation (ITUC) in Brüssel. Sie begleitet aus Gewerkschaftssicht den Strukturwandel weg von der Kohle in vielen Ländern.  Es muss um den Einstieg, vor allem in saubere Arbeitsplätze rund um Zukunftstechnologien wie erneuerbare Energien und die Stärkung benachteiligter Regionen wie in der Lausitz gehen, unterstrich Smith. Deshalb sieht sie die Arbeit und die Empfehlungen der "Kohlekommission" in Deutschland als vorbildlich an.

Nun sei es angesagt, den in der Kommission gefundenen gesellschaftlichen Konsens und deren Empfehlungen konsequent umzusetzen, unterstrich Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zentral hierbei sei, die Menschen und betroffenen Beschäftigten ernst zu nehmen und nicht als Verlierer abzustempeln, sondern ihnen Alternativen anzubieten und eine Modernisierung der Infrastruktur, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie erneuerbare Energien auf den Weg zu bringen. "Wenn wir dies schaffen, können wir Vorbild für andere sein", sagte Kemfert.

" Früher war Energie unser Problem, jetzt ist Energie unsere Lösung "

Es müsse auch darum gehen, in den betroffenen Regionen Aufbruchstimmung zu erzeugen, betonte Claude Turmes, Energieminister von Luxemburg.  Zudem plädierte er dafür, den Strukturwandel hin zu einer dekarbonisierten Energieversorgung durch eine stärkere CO2-Bepreisung in Europa zu unterstützen. Dennoch brauche es für die Kohleausstiegsregionen gezielte finanzielle Hilfen wie es in Deutschland und der EU vorgesehen sei. Enorm wichtig seien auch die bindenden klimapolitischen Vorgaben der EU, so Turmes.

Als eine Chance sieht die chilenische Energieministerin Susana Jiménez den Kohleausstieg an. "Früher war Energie unser Problem, jetzt ist Energie unsere Lösung", sagte sie. Das sonnenreiche Land baut hier vor allem auf die Photovoltaik, solarthermische Kraftwerke, Windkraft, Power-to-X und Geothermie. Kohlekraftwerke dürfen künftig, wenn überhaupt, nur noch mit CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) betrieben werden.

Weiterentwicklung der Speichertechnologien inklusive Wasserstoff

"Wir profitieren enorm von der weltweiten Kostensenkung der erneuerbaren Energien, vor allem Photovoltaik und Windkraft", sagte Jiménez. Auch Lord Oliver Henley, Parliamentary Under Secretary of State, Department of Business, Energy and Industrial Strategy im Kabinett von Theresa May, sieht insbesondere im Ausbau der kostengünstigen Offshore-Windkraft eine "riesige Chance". Großbritannien senkte den Anteil der Kohle am Strommix innerhalb weniger Jahre von über 40 Prozent auf derzeit unter 5 Prozent, maßgeblich getrieben durch eine CO2-Bepreisung sowie den Umstieg auf Gas. Als Herausforderung und Chance betrachtet er vor allem die Weiterentwicklung von Speichertechnologien, wobei er insbesondere bei Wasserstoff enorme Potentiale sieht.

Jiménez sieht als Herausforderung, auch für ihr Land, den Ausbau der Stromtransportnetze, vor allem für Windstrom, sowie den hohen Investitionsbedarf für den Neubau von Anlagen. Zudem müsse es darum gehen, Energie- und Strompreiserhöhungen zu vermeiden, um nicht große Bevölkerungsgruppen auszugrenzen.

Banken in die Pflicht nehmen

"Wir müssen den Finanz- und Bankensektor dazu bringen, noch stärker als bisher in erneuerbare Energien zu investieren", sagte Turmes. Dafür setze er sich auch am Finanzstandort Luxemburg ein. Zudem plädierte der langjährige grüne Europaabgeordnete dafür, staatlichen und halbstaatlichen Banken Investitionen in Kohle und andere fossile Energien zu untersagen. (hcn)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper