Angsichts des schleppenden Netzausbaus in Teilen Deutschlands und der Abregelung vieler Windkrafträder im Norden hat Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan-Philipp Albrecht eine eindringliche Warnung in Richtung der süddeutschen Bundesländer formuliert. "Bei den großen Projekten südlich der Elbe muss deutlich mehr passieren", mahnte Albrecht in einem Interview in den "Kieler Nachrichten". Sollte die Verteilung des Ökostroms aus dem Norden an fehlenden Leitungskapazitäten scheitern, könne das Bundesland an den Punkt kommen, wo es seinen Strom eher in Norddeutschland nutze und vermarkte oder nach Dänemark verkaufe.
Notfalls unterschiedliche Preiszonen
Die EU habe immer deutlich gemacht, dass es unterschiedliche Preisregionen in Deutschland geben könne, so der Minister. Der im Norden angebotene Strom könnte dann deutlich günstiger ausfallen als im Süden. "Das wäre aber nicht unsere erste Wahl", stellte der Grünen-Politiker gleichzeitig klar. Aber sollte es in Sachen überregionale Stromtrassen keine zügigen Fortschritte geben, bleibe dem Land keine andere Wahl. Laut dem Artikel beliefen sich die Kosten für den abgeregelten Strom zwischen 2015 und 2019 auf 1,3 Mrd. Euro.
Weltwirtschaftsinstitut plädiert für regionale Strombörsen
Unterstützung erhält der Grünen-Politiker von Gabriel Felbermayr, dem Präsidenten des Weltwirtschaftsinstituts in Kiel. "Bislang gibt es für süddeutsche Bundesländer schlicht keinen ökonomischen Anreiz, den Netzausbau voranzubringen", so Felbermayr in den "Kieler Nachrichten". Würden hingegen regionale Strombörsen eingeführt, könne das deutlich niedrigere Preise für Windstrom bewirken. (hoe)
