Das zweite Jahre in Folge will der Bund seinen Geldbeutel öffnen, um die Erhöhung der Übertragungsnetzentgelte zu dämpfen. Eine Finanzspritze in Höhe von 5,5 Milliarden Euro ist für das kommende Jahr vorgesehen, um Zusatzkosten etwa durch Redispatch-Einsatz oder Beschaffung von Ausgleichsenergie im Rahmen krisenbedingt hoher Strompreise einzuhegen.
Geht es nach den Energieverbänden VKU und BDEW, sollte die Bundesregierung noch einen Schritt weiter gehen und einen vergleichbaren Mechanismus für die Verteilnetzebene finden. Bisher fehle dort eine "geeignete finanzielle Flankierung" der Netzausbaukosten, monierte Andreas Zuber, VKU-Geschäftsführer der Abteilung Recht, Finanzen und Steuern bei einer Sachverständigenanhörung im Bundestag.
Kostensteigerungen auf Verteilnetzebene
Auch auf Verteilnetzebene seien Kostensteigerungen zu verzeichnen, argumentierte Andrees Gentzsch, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung. "Sollen dauerhaft Zuschusssysteme etabliert werden, sind konzeptionell auch Verteilernetze einzubeziehen."
Der VKU verweist darauf, dass die Energiewende nicht nur auf Übertragungsnetz-, sondern insbesondere auch auf Verteilnetzebene stattfindet. Schon jetzt stelle die steigende Erzeugung erneuerbarer Energie sowie der zusätzliche Strombedarf das Stromnetz vor große Herausforderungen, heißt es in seiner Stellungnahme. Demnach speisen bereits jetzt mehr als 90 Prozent der Erneuerbaren-Anlagen in das Verteilnetz ein.
Milliardeninvestitionen voraus
Hinzu komme, dass das Verteilnetz intelligent werden müsse, um technische Belastungsgrenzen ohne Schäden weiter auszureizen, den schnellen Netzanschluss von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen zu garantieren und Einspeisung sowie Entnahme auch auf lokaler Ebene zu koordinieren.
Auf der Verteilnetzebene werde damit gerechnet, dass die installierte Leistung von 2022 bis 2032 in der Mittelspannung um 180 Prozent und in der Niederspannung um 266 Prozent steige, schreibt der BDEW in seiner Stellungnahme. Er erinnert zudem an einen Bericht der Bundesnetzagentur, wonach die 82 größten Verteilnetzbetreiber von Investitionen in Höhe von 42,3 Milliarden Euro bis 2032 ausgehen, um den Netzausbaubedarf zu erfüllen. " Die Hälfte davon zielt auf Neubaumaßnahmen, die andere Hälfte auf Ersatzneubau und Optimierung."
"Grundsätzliche Bezuschussung" von Netzkosten
Vor langfristig weiteren steigenden Übertragungsnetzentgelten warnte der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz. Als Grund nannte er das erforderliche Investitionsprogramm der Übertragungsnetzbetreiber, um die Energie- und Klimaziele der Bundesregierung zu erfüllen. Das Unternehmen schlug vor, zur Entlastung von Endkunden eine "grundsätzliche Bezuschussung" der Übertragungsnetzkosten während der Ausbauphase des Stromnetzes vorzunehmen.
Ähnlich sah dies der Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Es sei bereits jetzt absehbar, dass der in den Jahren 2022 und 2023 gestartete "intensive Prozess der Mittelbeschaffung, inklusive Erarbeitung und Abstimmung der notwendigen Grundlage für einen Netzentgeltzuschuss", auch für die Folgejahre vonnöten sein werde, teilte er in seiner Stellungnahme mit. "Deshalb muss aus unserer Sicht eine nachhaltige und längerfristige gesetzliche Lösung für die Problematik der weiterhin steigenden Kosten geschaffen werden." (aba)
