Andreas Pinkwart, der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, sieht bei der Energiewende großen Handlungsbedarf.

Andreas Pinkwart, der Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, sieht bei der Energiewende großen Handlungsbedarf.

Bild: © R. Sondermann/Land NRW

Der nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Energieminister, Andreas Pinkwart, hat sich auf der Auftaktveranstaltung zur Energiemesse E-World in Essen kritisch zur Politik der Bundesregierung geäußert. „Überrascht“ sei man vor allem von den aktuellen Planungen zum Kohle-Ausstieg. „Wir meinen nicht, dass es fair ist, dass die Steinkohle schlechter abschneidet als die Braunkohle.“ Der FDP-Minister forderte, dass Entschädigungszahlungen auch für die Betreiber von Steinkohlekraftwerken bis Ende des Jahrzehnts und nicht nur, wie bislang in Berlin vorgesehen, bis 2026, ermöglicht werden müssten.

„Wir sind in einer doppelten Energiewende in Deutschland“, sagte Pinkwart. „Wir steigen bis 2022 aus der Kernkraft und bis 2038 auch gleich aus der Kohleverstromung aus!“ Im Zusammenhang mit der Ausstiegsdiskussion rund um die Kohle beklagte Pinkwart einen Vertrauensverlust speziell für die Betreiber von Steinkohlekraftwerken, der deutlich greifbar sei: „Datteln 4 ist nicht nur das europaweit modernste Steinkohlekraftwerke, es versorgt auch 100.000 Haushalte mit Fernwärme. Dieser Versorgungsaspekt ist zu berücksichtigen.“

Abstandsregel für Windräder zu großzügig

Pinkwart regte an, nicht nur den Ausstieg aus Energien zu betrachten, sondern vor allem die Chancen. Doch er baute diesen Gedanken nicht als – durchaus möglichen – Seitenhieb gegen die Klimalobby aus, sondern betonte, es gehe darum, „in etwas Neues einsteigen“. Direkt an die Adresse der Klima-Aktivisten sagte er: „Es wäre ja wirklich schön, wenn die Fridays-for-Future-Leute nicht nur immer gegen etwas demonstrieren würden, sondern auch mal für etwas – für den verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien zum Beispiel.“

Bei den erneuerbaren Energien solle, so der Minister, auch die Onshore-Windkraft in NRW nachhaltig ausgebaut werden. Hier seien „die Abstandsregelungen viel zu großzügig bemessen“, das müsse korrigiert werden. Auf die Frage, ob es denn genug Flächen für den Ausbau der Windkraft in NRW gebe, gab der Minister zurück, die in Düsseldorf erdachte Abstandsregelung sei „besser als das, was derzeit in Berlin diskutiert werde“.

Zukunftstechnologie Wasserstoff

Die erneuerbare Energie, bei der Pinkwart das größte Potenzial sieht, ist aber eindeutig die Photovoltaik: „Alleine auf den Dachflächen NRWs könnten 68,5 TWh durch Solarenergie gewonnen werden – bislang sind wir bei etwas mehr als vier TWh.“ Auch die Einwände bezüglich der Statik großer Hallen, die von den Eigentümern großer Liegenschaften gemacht würden, seien obsolet: „Vor zehn Jahren waren die Solaranlagen noch viel schwerer als heute, die neuen Anlagen sind viel leichter und flexibler!“   

Doch Pinkwart ist natürlich nicht zuletzt auch Wirtschaftsminister. Er mahnte neben der Energiewende auch eine Industriewende an. Bereits 2050 solle auch die Wirtschaft Europas klimaneutral sein, und: „Hier geht es um das Thema Wasserstoff.“ Das große Problem sei die Versorgung. Als Übergangstechnologie sei der blaue Wasserstoff unverzichtbar – so lange, bis genügend grüner Wasserstoff zur Verfügung stehe. Insgesamt stehe man vor großen Aufgaben, und die Zeit sei knapp: „Wir sind ja schon im Jahre 2020. Und 2030 ist sozusagen – übermorgen.“ (sig)

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