Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) denkt über den Bau eines Reaktors zur Erforschung der Kernfusion in Bayern nach. Das sagte der CSU-Parteichef in einem Interview von "Focus Online". Die Chance, die sich nach einem Durchbruch von US-Forschern ergebe, dürfe nicht verspielt werden. "Daher wird Bayern in die Forschung zur neuen Kernfusion einsteigen", sagte Söder.
Der CSU-Chef sprach sich ferner für eine Fortführung der Kernenergie in Deutschland nach der Bundestagswahl 2025 aus, sollte die Union die Wahl gewinnen. Bisher hatte Söder lediglich eine Fortführung während der Dauer der Energiekrise für eine begrenzte Zeit von etwa zwei Jahren verlangt. "Für mich ist klar: Wenn die Union die nächste Bundestagswahl gewinnt, sollte es eine Verlängerung der Kernenergie geben", wird er bei "Focus Online" zitiert.
CSU-Chef Söder: Zeit ist "jetzt eine andere"
Die Union war es, die 2011 den Atomausstieg in Deutschland beschlossen hatte, Söder war damals eine der treibenden Kräfte. Die Zeit sei "jetzt eine andere", sagte Söder in dem Interview zu seinem Sinneswandel.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesumweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) betonten vor dem geplanten Atomausstieg an diesem Samstag die Bedeutung der erneuerbaren Energien. "In 2030 wollen wir 80 Prozent des Stroms hier in Deutschland aus erneuerbaren Energien erzeugen", sagte Habeck laut einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Energieversorgungssicherheit in Deutschland bleibe auch nach dem Abschalten der letzten drei Atomkraftwerke gewährleistet. Vor allem der massive Ausbau der erneuerbaren Energien sorge für Sicherheit.
Amprion: Netz auch im kommenden Winter stabil
Umweltministerin Lemke sagte, der Atomausstieg mache Deutschland sicherer, denn die Risiken der Atomkraft seien letztlich unbeherrschbar. "Mit dem Abschalten der letzten drei Atomkraftwerke brechen wir auf in ein neues Zeitalter der Energieerzeugung."
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion erwartet durch die Stilllegung der letzten deutschen Atomkraftwerke keine zusätzlichen Gefahren für die Versorgungssicherheit im deutschen Stromnetz. Dank der vorbereiteten Maßnahmen von der Bereitstellung zusätzlicher konventioneller Reservekapazitäten bis zur besseren Nutzung der vorhandenen Hochspannungsleitungen werde die Netzstabilität und damit die Versorgungssicherheit im Rest des Jahres und auch im kommenden Winter auf einem vergleichbaren Niveau sein wie vor dem Kernkraftausstieg, sagte Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick am Donnerstag.
Aus für Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2
An diesem Samstag sollen die drei verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland - Isar 2 in Bayern, Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg - endgültig vom Netz gehen. Eigentlich sollte dies schon Ende vergangenen Jahres passieren. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der dadurch ausgelösten Energiekrise entschied die Ampel-Koalition nach einem Machtwort von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im vergangenen Jahr jedoch, die drei Meiler über den Winter weiterlaufen zu lassen. (dpa/hil)


