In weniger als einem Monat, am 8. September, startet die erste Ausschreibungsrunde im Rahmen des Kraftwerksgesetzes (StromVKG). Auf die 4,5 Gigawatt (GW) in der ersten Runde sollen am 29. Dezember 2026 nochmals 4,5 GW folgen – in beiden Fällen handelt es sich um reduzierte Leistung.
Doch wer will an der ersten Runde teilnehmen und für wen kommen die Ausschreibungen generell infrage? Unsere aktuelle Umfrage bei ausgewählten Unternehmen zeigt: Die Projektlandschaft wird konkreter, als es bei der ZFK-Umfrage im Mai der Fall war.
Uniper bleibt der konkreteste Interessent
Der Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber Uniper plant zwei wasserstofffähige Gaskraftwerke in Gelsenkirchen-Scholven (Nordrhein-Westfalen) und Staudinger bei Hanau (Hessen). Die geplante Gesamtleistung beträgt rund 1,7 GW.
Beide Projekte seien in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium und könnten grundsätzlich bereits an der ersten Runde teilnehmen. "Zu weiteren Einzelheiten unserer Teilnahme können wir uns zum aktuellen Zeitpunkt nicht äußern", schreibt Uniper auf Anfrage. Im Mai hatte das Unternehmen noch von rund 2 GW gesprochen. Bereits damals nannte Uniper die beiden Standorte.
Leag erweitert die Projektliste
Auch die ostdeutsche Kraftwerksbetreiber Leag nennt konkrete Projekte. Er plant eine Beteiligung mit den Projekten Leipheim (Bayern), Lippendorf (Sachsen) und Schwarze Pumpe (Brandenburg). Zunächst wolle man aber die Ausschreibungsbedingungen sichten.
Leistungen und eine mögliche Gebotsrunde nennt das Unternehmen nicht. "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns während einer laufenden Ausschreibung zu Überlegungen nicht im Detail äußern", sagte eine Sprecherin auf Anfrage.
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Bereits im August des vergangenen Jahres nannte Leag eine Gesamtleistung von 2 GW an den drei Standorten. Außerdem hieß es, dass alle drei Projekte H2-Ready geplant würden.
RWE signalisiert Beteiligung, bleibt aber vage
Der Energiekonzern RWE kündigt ebenfalls eine Beteiligung an den Auktionen im Zuge des Kraftwerksgesetzes an. Der Konzern habe sich gut vorbereitet und werde sich "mit attraktiven Projekten beteiligen", teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Standorte, Leistungen und die konkrete Runde nennt RWE nicht. Zur Begründung verweist das Unternehmen auf Wettbewerbsgründe.
RWE hat in der Vergangenheit bereits mehrere Kraftwerksprojekte öffentlich beschrieben, die für eine mögliche Teilnahme an den Ausschreibungen in Betracht kommen könnten. Darunter befinden sich unter anderem Vorhaben in Werne, Weisweiler und Voerde (Nordrhein-Westfalen). Bei allen drei Projekten handelt es sich um H2-Ready-Kraftwerke mit einem Leistungsbereich zwischen 800 und 850 Megawatt (MW). Die Projekte könnten den öffentlichen Informationen folgend für die Ausschreibungen geeignet sein, RWE selbst machte dazu keine konkreten Angaben.
EnBW prüft wohl mindestens zwei Projekte
Bereits bei der letzten Umfrage stellte der Karlsruher Energiekonzern EnBW eine mögliche Teilnahme in Aussicht. Ausschlaggebend für das Unternehmen seien die konkreten Rahmenbedingungen.
"Aktuell prüfen wir auf Basis des Ausschreibungsdesigns eine Teilnahme an den Ausschreibungen", sagte ein EnBW-Sprecher bei der aktuellen Umfrage. Konkrete Angaben zu möglichen Standorten wolle das Unternehmen aus strategischen Gründen zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht machen.
Aus den öffentlich zugänglichen Projektankündigungen von EnBW geht jedoch hervor: Das Unternehmen prüft derzeit potenziell geeignete Projekte in Karlsruhe und Obrigheim (beide in Baden-Württemberg).
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Beide Vorhaben könnten jedoch nur im Falle eines Zuschlags im Rahmen der Ausschreibungen des Kraftwerksgesetzes umgesetzt werden. Für welche Ausschreibungsrunden die Projekte möglicherweise infrage kämen, nannte das Unternehmen nicht. Zudem würden aktuell weitere Projekte geprüft.
KMW prüft und bei N-Ergie scheint noch alles offen
Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) "prüft derzeit ergebnisoffen, ob eine Teilnahme an der ersten Ausschreibung am 8. September 2026 möglich und sinnvoll ist." Eine finale Entscheidung sei noch nicht getroffen, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte.
Bereits im Mai hatte das Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Mainz und der Wiesbadener ESWE Investitionsbereitschaft signalisiert. Die Nürnberger N-Ergie (Bayern) habe noch keine Teilnahmeentscheidung getroffen, wie das Unternehmen mitteilte.
Kommunale Projekte bleiben unter Vorbehalt
Die Enervie-Gruppe hält am Standort Hagen-Kabel fest, bestätigt aber keine Teilnahme. Das Unternehmen bewertet das verabschiedete Kraftwerksgesetz "grundsätzlich immer noch als sehr ungünstig für kommunale Unternehmen". Das Risiko-Chancen-Profil der Auktionen sei "nicht ausgewogen im Sinne einer dringend notwendigen Akteursvielfalt". Aus Wettbewerbsgründen wolle man sich nicht zu konkreten Teilnahmen an Auktionen äußern.
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"Grundsätzlich werden wir die Entwicklung eines Kraftwerks am Standort Hagen-Kabel aber weiter vorantreiben, da wir der Meinung sind, dass in Deutschland langfristige neue Kapazitäten benötigt werden", teilte das Unternehmen mit.
Bei den Hamburger Energiewerken kann man sich "perspektivisch vorstellen", sich an Ausschreibungen zu beteiligen. Bei Iqony und Trianel wollte man sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht äußern.
Projekt im Saarland könnte teilnehmen
Engie Deutschland bereitet eigenen Angaben zufolge die Teilnahme mit einem H2-Ready-Kraftwerk in Ensdorf (Saarland) vor. Bereits im Juni gab das Unternehmen bekannt, ein entsprechendes Industriegrundstück erworben zu haben.
Die endgültige Investitionsentscheidung hänge einer Unternehmenssprecherin zufolge jedoch von einem Zuschlag in der Auktion im Rahmen des Kraftwerksgesetzes ab. Darüber hinaus wolle man sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht äußern. Damit bleibt unklar, zu welchem Zeitpunkt die deutsche Tochter des französischen Energiekonzerns Engie an einer Auktionsrunde teilnehmen möchte.
Der norwegische Konzern Statkraft hatte im Mai gegenüber ZFK noch ein klares Nein zu einer Teilnahme geäußert. In der aktuellen Umfrage teilte ein Sprecher mit: "Wir verfolgen die Umsetzung des StromVKG und die anstehenden Ausschreibungen aufmerksam." Zu möglichen Teilnahmen an konkreten Ausschreibungen, Projekten oder Gebotsstrategien äußere man sich grundsätzlich nicht.
Wer im September ein Gebot abgibt, bleibt also weiter offen. Allerdings zeichnen sich mindestens zwölf konkrete Projekte ab, die man in den ersten beiden Ausschreibungsrunden erwarten könnte.