Die Bundesregierung hat den Nationalen Wasserstoffrat (NWR) grundlegend reformiert. Das Kabinett beschloss die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vorgelegte Neuausrichtung des Beratungsgremiums, das Deutschland seit seiner Gründung im Juni 2020 bei der Entwicklung einer nationalen Wasserstoffstrategie begleitet hat. Die bisherigen Mitgliedschaften enden zum 30. Juni 2026; die neue Satzung tritt am 1. Juli in Kraft.
Der Schritt soll den Übergang von einer Phase, in der vor allem technische und regulatorische Grundlagen gelegt wurden hin zu einem stärker marktorientierten Ansatz markieren. Wirtschaftliche Expertise soll im Rat künftig stärker gewichtet werden. Zugleich wird das Mandat ausgeweitet: Neben molekularem Wasserstoff sollen nun auch Wasserstoffderivate – also Folgeprodukte wie Ammoniak oder synthetische Kraftstoffe – sowie weitere Energiemoleküle in den Blick genommen werden. Die Gremienstruktur wird dabei insgesamt verschlankt, die Arbeit enger an den Regierungsprioritäten ausgerichtet.
Markthochlauf "muss an Dynamik gewinnen"
Der Rat gilt als wichtiges Scharnier zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik. Seine Empfehlungen haben bereits konkrete Politikmaßnahmen mitgeprägt – etwa zur Nutzung von Wasserstoff im Schwerlastverkehr oder zur Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Renewable Energy Directive, RED) im Verkehrssektor.
Der bisherige Vorsitzende Felix Matthes, Energie- und Klimaexperte am Öko-Institut, hat den Rat nach Einschätzung von Ministerin Reiche "mit hoher fachlicher Integrität und klarer Positionierung" geprägt. Die letzte Sitzung des NWR in seiner bisherigen Zusammensetzung ist für den 18. Juni angesetzt.
Umweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte, dass der Markthochlauf nun an Dynamik gewinnen müsse. Wasserstoff sei "unverzichtbar für ein flexibles, sicheres und bezahlbares Energiesystem". Er sei ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität, insbesondere in der Industrie und im Verkehr. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) hob hervor, dass Wasserstofftechnologien auch "große Chancen für den Export und die Wertschöpfung in Deutschland" böten.
Nach dem Kabinettsbeschluss sollen neue Ratsmitglieder zügig berufen werden. Welche Personen und Organisationen im neu aufgestellten NWR vertreten sein werden, ist bislang nicht bekannt.



