Vollgelaufene Keller und Schlamm, soweit das Auge reicht: Noch immer sind die Menschen in Bad Gandersheim in Südniedersachsen zu Gange, die Schäden nach dem Unwetter am Dienstag zu beseitigen. Bereits vergangenes Jahr hat Tief „Alfred“ die Region voll erwischt und ähnliche Schäden verursacht. Für Umweltminister Olaf Lies (SPD) und den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sind das eindeutige Folgen des Klimawandels. Zum Schutz von Mensch und Umwelt brauche es künftig mehr Investitionen in den Hochwasserschutz.
Das Land werde den Mitteleinsatz für den Hochwasserschutz deutlich erhöhen, betonte Lies. „Mittelfristig wollen wir 50 Mio. Euro jährlich in die Hochwasservorsorge investieren, damit Schäden so gut wie möglich vermieden werden und kommunale Projekte besser gefördert werden können. In 2018 investieren wir 28,4 Mio. Euro in Hochwasserschutzmaßnahmen, fünf Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Aber auch Kommunen und Hausbesitzer müssen Vorsorge betreiben und überlegen, wie Gemeindegebiete und Häuser besser abgesichert werden können. Gleiches gilt für die Wasserwirtschaft. Hier muss geschaut werden, welche Ausbaumöglichkeiten es im Bereich der Kanalisation geben kann", forderte Lies. Weg von der Nachsorge, hin zur Vorsorge, resümierte der Minister das Ziel der Investitonen.
Forschung und kommunale Hochwasserpartnerschaften
Der NLWKN setzt genau an diesem Punkt an und arbeitet bereits seit Jahren an der Ermittlung von Überschwemmungsgebieten und der Erstellung von Gefahren- und Risikokarten. Doch das allein reicht nicht, um sich besser auf die Auswirkungen des Klimawandels einzustellen und vorzubereiten. Dementsprechend hat der Landesbetrieb ein Forschungsprojekt gestartet: Bereits seit 2008 wird untersucht, wie sich das veränderte Klima auf die Wasserwirtschaft im niedersächsischen Binnenland auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Scheitelabflüsse bei Hochwasser bereits in der Vergangenheit regional zugenommen haben und zukünftig weiter steigen werden. Aktuell geht es in dem Projekt auch um die Prognose von Veränderungen der Niedrigwasserverhältnissein der Region.
Damit die gewonnenen Erkenntnisse nun in die Praxis umgesetzt werden können, hat sich der NLWKN Unterstützung von der Universität Braunschweig und Hannover sowie von den Harzwasserwerken geholt. Neben seiner eigenen Pflicht gegenüber dem Hochwasserschutz, sieht der Landesbetrieb auch die Kommunen in der Verantwortung: Städte und Gemeinden müssen sich zusammeschließen und sogenannte Hochwasserpartnerschaften eingehen, um die Folgen der Extremwetterphänomens besser bewältigen zu können und gemeinsam Konzepte gegen Hochwassergefahren zu entwickeln. Bisher existieren vier solcher Partnerschaften.
200 Mio. Euro für bayerischen Hochwasserschutz
Niedersachsen ist mit seinem Kampf gegen die Folgen des Klimawandels nicht allein, auch Bayern investierte seit dem Jahrhunderthochwasser 2013 mehr als 500 Mio. Euro in den Hochwasserschutz. Darüber hinaus flossen bis Ende 2017 rund 129 Mio. Euro in die Reparaturen von beschädigten Schutzanlagen. Für dieses Jahr kalkulliert Umweltminister Marcel Huber (CSU) mit rund 200 Mio. Euro, um den Freistaat wasserfest zu machen. (dpa/ls)