Matthias Karger ist CEO des Softwareunternehmens node.energy, das Gewerbeimmobilienbesitzer bei Umsetzung und Betrieb von PV-Only-Modellen unterstützt.

Matthias Karger ist CEO des Softwareunternehmens node.energy, das Gewerbeimmobilienbesitzer bei Umsetzung und Betrieb von PV-Only-Modellen unterstützt.

Bild: © node.energy GmbH

Während der PV-Ausbau auf privaten Immobilien weiterhin boomt, stagnieren die Zuwächse im Sektor der Gewerbeimmobilien. So stieg in Deutschland die neu gemeldete PV-Leistung im letzten Jahr zwar insgesamt um 25 Prozent, bei den Gewerbeimmobilien brach der Ausbau dagegen um 31 Prozent ein – trotz der Erleichterungen, die durch das EEG für Betreiber eingeführt wurden. Das geht aus Daten für das Jahr 2022 des Bundesverbandes der Solarwirtschaft (BSW) hervor.

Ein wesentlicher Grund für die Stagnation seien bürokratische Hürden bei Genehmigung und Umsetzung von PV-Only-Modellen, argumentieren nun eine Reihe von Unternehmen, die in diesem Markt tätig sind, in einer gemeinsamen Stellungnahme an das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).

PV-Only-Modell

Im PV-Only-Modell liefert der Vermieter ausschließlich den in einer PV-Dachanlage vor Ort erzeugten Strom an die Mieter der Immobilie. In Zeiten, in denen die PV-Anlage nicht genügend Strom erzeugt, kauft der Mieter den Reststrom bei einem Energieversorger selbst ein.

Viele Gewerbemieter wie Einzelhandelsketten oder Logistikunternehmen nutzen standortübergreifende Rahmenverträge mit einem Energielieferanten und wollen deshalb statt einer Vollversorgung durch den Vermieter ausschließlich den günstigen PV-Strom beziehen. Der Vermieter profitiert von den zusätzlichen Erlösen durch die PV-Anlage und vermeidet mögliche Energiepreisrisiken, die mit einer Vollversorgung der Mieter einhergehen.

Genehmigungen für Messkonzepte

Obwohl das PV-Only-Modell eine Win-win-Situation für Mieter und Vermieter schaffe, scheitere es vielfach in der Praxis, beklagt das Softwareunternehmen node.energy, das Gewerbeimmobilienbesitzer bei Umsetzung und Betrieb von PV-Only-Modellen unterstützt. Das wesentliche Hemmnis liege in der aufwändigen Abstimmung mit den zuständigen Anschlussnetzbetreibern, die das zugrundeliegende Messkonzept genehmigen müssen.

"Messkonzepte werden blockiert oder abgelehnt, ohne technische, rechtliche oder sonstige sachliche Gründe, sondern lediglich aus mangelnder Praxiserfahrung der örtlichen Netzbetreiber", sagt Matthias Karger, CEO, node.energy. "Das führt dazu, dass Projekte bis zu 18 Monate verzögert, nur in reduziertem Umfang umgesetzt oder ganz eingestellt werden. Bei unseren Kunden scheitert so aktuell jedes zweite PV-Projekt auf Gewerbeimmobilien."

Uneinheitliche Genehmigungspraxis

Diese Sicht teilten demnach auch die beteiligten Messstellenbetreiber sowie Kunden von node.energy wie Habona Invest, ein auf die Nah- und Grundversorgung spezialisierter Fondsinitiator und Asset Manager.

"Die Planungssicherheit und letztlich die grundsätzliche Umsetzung von PV-Projekten wird durch die uneinheitliche Genehmigungspraxis der etwa 800 Netzbetreiber in Deutschland stark gefährdet", sagt Matthias Weißbäcker, Head of Business Development bei Habona Invest. "Hinzu kommen erhebliche Mehrkosten durch die Einbeziehung technischer und rechtlicher Berater bei PV-Only-Projekten."

Die Unternehmen fordern daher in einer Stellungnahme zusammen mit weiteren Unterzeichnern schnellen Handlungsbedarf vom BMWK. Das Hemmnis bei der Umsetzung der PV-Only-Modelle könne insbesondere durch eine Klarstellung des Ministeriums in einem PV-Leitfaden, durch ein Hinweispapier der Bundesnetzagentur und zuständigen Landeseichämter sowie durch eine gesetzliche Klarstellung zur rechtlichen Zulässigkeit reduziert werden. (jk)

Zur Stellungnahme

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