Die hohen Strompreise an der Börse beschäftigen auch das Bundeskartellamt. "Wir verfolgen die Entwicklungen sehr aufmerksam", sagte Andreas Mundt, Präsident der Bundesbehörde, auf einer Pressekonferenz.
Der Strommarkt sei aber ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es Preissteigerungen gebe, die nicht unbedingt von kartellrechtlicher Relevanz seien, führte der Spitzenbeamte aus. "Wir haben Windkraftanlagen mit Grenzkosten von null Euro, die an der Börse nun 600 Euro pro MWh erzielen können. Wir haben in diesem Bereich aber bislang keinen Marktbeherrscher identifizieren können."
Viele Gründe für berechtigte Preiserhöhungen
Nicht jede Preiserhöhung sei ein Fall für die Wettbewerbshüter, erläuterte Mundt allgemein. "Einfach nur hohe Preise sind für uns nicht notwendigerweise ein Grund zum Einschreiten. Wir brauchen einen missbräuchlich überhöhten Preis."
Im Moment gebe es viele Gründe für berechtigte Preiserhöhungen: die geopolitischen Verwerfungen ebenso wie Kostensteigerungen und Knappheit bei einigen Produkten.
Einschränkungen für RWE
Das Bundeskartellamt hatte im jüngsten Marktbericht den Essener Stromriesen RWE über der Schwelle für eine marktbeherrschende Stellung gesehen. Seitdem darf der Konzern keine Kapazitäten bewusst zurückhalten, um höhere Preise am Markt zu erzielen.
In den vergangenen Wochen waren in der Branche Stimmen laut geworden, wonach mancher Stromerzeuger Kapazitäten zurückhalte, um die Preise hoch zu treiben. Deutschlands fünf größte Stromproduzenten hielten 2020 zusammen 57 Prozent der am Markt verfügbaren Kapazitäten.
Merit-Order-Prinzip
Der Strommarkt an der Börse funktioniert nach dem Merit-Order-Prinzip. Heißt: Kraftwerke, die fortlaufend sehr preisgünstig Strom produzieren, werden zuerst zur Einspeisung zugeschaltet. Dabei handelt es sich um Wind- und Solaranlagen.
Danach werden so lange Kradftwerke mit höheren Grenzkosten hinzugenommen, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das zuletzt zugeschaltete Kraftwerk setzt den Preis. Dabei handelt es sich zurzeit in der Regel um Gaskraftwerke, deren Betrieb wegen immens hoher Gaspreise derzeit extrem teuer ist. (aba)
