Alle Jahre wieder: Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt haben den Monitoringbericht 2021 über die Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten vorgelegt. Daten und Zahlen sind nicht brandaktuell, sie stammen überwiegend aus dem Jahr 2020. Interessanter ist aber die Frage nach der Konzentrationstendenz auf den Energiemärkten durch die großen Player. Hat der Deal von Innogy und Eon die Gewichte verschoben?
Den Ausführungen der beiden Behörden zufolge scheint das nicht der Fall zu sein. Auf den jeweiligen Endkundenmärkten lagen die gemeinsamen Marktanteile der vier absatzstärksten Strom- und Gaslieferanten deutlich unter den gesetzlichen Schwellen, ab denen eine marktbeherrschende Stellung vermutet wird. Die Übernahme von Innogy durch Eon habe zwar die Marktanteile verschoben. Am wettbewerblichen Befund ändere dies jedoch nichts. Wie in den vergangenen Jahren sei weiterhin davon auszugehen, dass derzeit kein Anbieter marktbeherrschend ist.
Durch die Fusion kam ein Neuer zu den Top-4 hinzu
Der kumulierte Marktanteil der aktuell vier absatzstärksten Anbieter im Stromeinzelhandel betrug 2020 bei leistungsgemessenen Stromkunden 28,5 Prozent (2019: 24,5 Prozent). Bei der Belieferung von Standardlastprofil-Kunden mit Sonderverträgen kletterte er auf 42,8 Prozent (34,1 Prozent). Der höhere Anteil ist darauf zurückzuführen, dass nach dem Innogy-Deal ein weiterer Anbieter zu den Top-4 dazugestoßen ist - insofern sind die Zahlen nicht wirklich miteinander vergleichbar. In jedem Fall liegen sie immer noch deutlich unter der Schwelle, ab der die Behörden eine Marktbeherrschung vermuten.
Noch sehr viel eindeutiger ist die Lage im Gaseinzelhandel. Der Marktanteil der vier absatzstärksten Unternehmen liegt bei 26 Prozent für SLP-Vertragskunden und bei 28 Prozent für RLM-Kunden. Das sei weit unter der bedenklichen Schwelle, heißt es im Monitoringbericht.
Corona-Pandemie hinterlässt Spuren
Insgesamt habe die Corona-Pandemie auch auf den Energiemärkten Spuren hinterlassen. Durch den zeitweiligen Nachfragerückgang konnten die Energiewendeziele für 2020 erreicht werden, heißt es im Bericht. Im regulierten Teil der Energiewirtschaft seien die Effekte vergleichsweise klein. Im marktlichen Teil aber führe jetzt die Erholung der Wirtschaft zu steigenden Preisen auch für den Endverbraucher.
Der Rückgang der Kohleverstromung spiegele sich auch in den Marktverhältnissen bei der konventionellen Stromerzeugung wider. Der kumulierte Marktanteil der fünf größten Produzenten beim Stromerstabsatz und bei den Erzeugungskapazitäten sei weiterhin rückläufig. Die Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energieträger sei dagegen 2020 um 3,4 Prozent leicht gestiegen.
Im Energiegroßhandel sei aus wettbewerblicher Sicht das hohe Handelsvolumen und die Liquidität zu begrüßen. Die Entwicklung der Preise hingegen sei ambivalent. Der deutliche Rückgang der Preise während der Frühphase der Pandemie sei inzwischen durch einen erheblichen Preisanstieg abgelöst worden.
Kulante Versorger verzichten auf Sperren
Um die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie für Letztverbraucher zu dämpfen, sei 2020 das Leistungsverweigerungsrecht ausgeweitet worden. Die Anzahl der Strom- und Gassperrungen sei 2020 um rund zwanzig Prozent gesunken. Zusätzlich hätten sich die Energielieferanten kulant gezeigt. Rund drei Viertel von ihnen verzichteten 2020 zumindest zeitweise auf Sperrungen säumiger Strom- und Gaskunden. (wa)

