Die Bundesnetzagentur beziffert den Bedarf an Netzreserve für die kommenden beiden Winterperioden auf jeweils 6600 Megawatt. "Der Bedarf besteht nur noch in einer Größenordnung, die allein aus inländischen Netzreservekraftwerken gedeckt werden kann“, erklärt BNetzA-Präsident Jochen Homann. Daher sei anders als in den Vorjahren die Beschaffung zusätzlicher Netzreserveleistung aus ausländischen Kraftwerken nicht mehr erforderlich, so Homann
Für das abgelaufene Winterhalbjahr hatte die Regulierungsbehörde noch einen Bedarf von 10.400 MW kontrahiert. Als Grund für die Prognose nennt die Behörde vor allem das im Oktober startende Engpassmanagement zwischen Deutschland und Österreich. Dies bewirke, dass die Exporte von Deutschland nach Österreich auf den technisch nötigen Umfang reduziert werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Exportspitzen seien derzeit noch ein Treiber für Netzengpässe. Positiv habe sich zudem Freileitungsmonitoring der Netzbetreiber ausgewirkt. Eine dauerhafte Senkung des Bedarf sei jedoch nur durch weiteren Netzausbau möglich.
Das Szenario: Dunkel und windig
Basis für die Berechnung ist ein Szenario unter dem Titel „Starklast- /Starkwindfall“. Es ist gekennzeichnet durch eine sehr hohe nationale Nachfrage nach Leistung in Höhe von 87,9 GW. Der Wind weht stark, durch die Abendstunde speisen Solaranlagen aber keine Leistung ein. Die hohe Windeinspeisung in Norddeutschland führt zu einer hohen Nord-Süd-Transportaufgabe und zu niedrigen Strompreisen am Großhandelsmarkt. Dadurch speisen viele konventionelle Gas- und Kohlekraftwerke insbesondere in Süddeutschland und in den südlichen Nachbarländern Deutschlands aufgrund zu hoher Grenzkosten marktgetrieben nicht ein. Ebenfalls führen die niedrigen Strompreise am Großhandelsmarkt zu sehr hohen Energieexporten in das europäische Ausland. So kommt es zu weiträumigen Engpässen im 380/220-kV-Netz, insbesondere in Nord-Süd-Richtung. (wa)
Rückschau auf den vergangenen Winter:
Die Lage im abgelaufenen Winterhalbjahr war relativ entspannt. Es habe keine Sondersituationen wie etwa die Kältewelle im Januar 2017 gegeben. Auch Niedrigwasser sei nicht aufgetreten, das zu Engpässen bei der Kohlelieferung süddeutscher Kraftwerke geführt hätte. Insgesamt ergaben sich zwischen September und April 105 Einsatztage mit einem Gesamtabruf von 1138 GWh.
September 2017
- Am 21. September fand der einzige Einsatz der Netzreservekraftwerke für diesen Monat mit 550 MW statt.
Oktober 2017
- An 17 Tagen wurden Netzreservekraftwerke mit einer durchschnittlichen Leistung von 690 MW eingesetzt. Der Tag mit dem höchsten Einsatz war der 19. Oktober mit 1260 MW.
November 2017
- Im November wurde die Netzreserve an 16 Tagen eingesetzt. Dabei wurden durchschnittlich 859 MW abgerufen. Der Maximalwert von 2163 MW wurde im verbleibenden Winter nicht mehr überschritten.
Dezember 2017
- Die Netzreserve kam an nur zehn Tagen zum Einsatz. Durchschnitt 658 MW, Maximalwert 1058 MW.
Januar 2018
- An 15 Tagen mit einem durchschnittlichen Wert von 666 MW. Das Maximum war am 29. Januar mit 1605 MW.
Februar 2018
- An 15 Tagen mit einer durchschnittlichen Leistung von 665 MW. Der höchste Abruf war am 12. Februar mit 1134 MW.
März 2018
- Der März ist der letzte Monat des Winterhalbjahres, für den die Netzreserve im Ausland durchgehend kontrahiert ist. Der Monat mit den meisten Anforderungen: Die Netzreserve kam an 25 Tagen mit einer durchschnittlichen Höhe von 743 MW zum Einsatz. Der Tag mit dem höchsten Abruf war der 16. März mit 1379 MW.
April 2018
- Der Tag mit dem höchsten Abruf war der 10. April mit einem Bedarf von 846 MW. Insgesamt wurden die Netzreservekraftwerke an sechs Tagen eingesetzt.
