Sind es derzeit Zeiten für Stromnetzbetreiber? Eine neue BNE-Analyse zu Renditen wird von Netzbetreibern stark kritisiert.

Sind es derzeit Zeiten für Stromnetzbetreiber? Eine neue BNE-Analyse zu Renditen wird von Netzbetreibern stark kritisiert.

Bild: © brit berlin/Pixelio

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE), das geben im Hintergrund auch Netzbetreiber zu, hat es mal wieder geschickt eingefädelt. Seine neue Analyse zu Renditen der größten deutschen Verteilnetzbetreiber streute er zuerst über reichweitenstarke Medien wie die "Süddeutsche Zeitung" und den "SWR", ehe er sie per Pressemitteilung selbst öffentlich machte.

Da war der Ton schon gesetzt. "Zu viel verdient?", fragte die "Süddeutsche" in der Überschrift. "Rekordrenditen und massive Kritik", titelte der "SWR".

Eon-Töchter und EWE Netz explizit erwähnt

Tatsächlich klingen die sogenannten marktanteilsgewichteten handelsrechtlichen Eigenkapitalrenditen, die der BNE für das Jahr 2024 ausgewertet hat, teilweise enorm hoch. Demnach lagen die Renditen bei den 18 größten Verteilnetzbetreibern Deutschlands bei rund 30 Prozent. In der Pressemitteilung wurde explizit der norddeutsche Verteilnetzbetreiber EWE Netz genannt, der 2024 demzufolge eine Rendite von 61 Prozent erzielte. Auch die Eon-Töchter Westnetz, Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom und Bayernwerk Netz wurden namentlich erwähnt.

Dabei erzielten andere Verteilnetzbetreiber laut BNE-Analyse noch höhere Renditen. Stromnetz Berlin lag bei 64 Prozent, die SWM Infrastruktur, die Netztochter der Stadtwerke München, bei 80 Prozent und die Rheinnetz, eine Tochter der Kölner Rheinenergie, bei 100 Prozent. Aber wie viel Aussagekraft haben diese Werte in einem komplexen und regulierten Geschäft wie dem Stromnetzbetrieb wirklich?

Netzbetreiber wehren sich

Nicht viel, findet Eon. Die handelsrechtlichen Renditen zeichneten ein "verzerrtes Bild", teilte ein Konzernsprecher auf ZFK-Anfrage mit. Für Netzbetreiber sei bei Renditen die kalkulatorische Welt der Regulierung maßgeblich. Diese lege an vielen relevanten Stellen andere Berechnungsgrundsätze zugrunde als das Handelsgesetzbuch. "In der Regulierung werden beispielsweise Vermögenswerte anders bewertet und über längere Zeiträume fortgeschrieben, was zu einer höheren Eigenkapitalbasis führt."

Auch EWE will die Zahlen so nicht stehen lassen. "Hohe Prozentzahlen entstehen zwangsläufig, wenn man aktuelle Erträge auf jahrzehntealte, fast vollständig abgeschriebene Buchwerte bezieht", ordnet ein Sprecher auf ZFK-Anfrage ein. "Das macht die Rendite vermeintlich groß, nicht aber automatisch den tatsächlich erzielten Gewinn. Dieser ist von der Bundesnetzagentur klar vorgegeben."

Die Momentaufnahmen der Prozentzahlen wirkten plakativ, schrieb der EWE-Sprecher. "Für eine echte Aussage muss aber die gesamte Nutzungsdauer der Anlagen betrachtet werden – und dafür muss man bei 30 bis 40 Jahren weit zurückschauen."

VKU: BNE-Darstellung "verkürzt und irreführend"

Sauer stößt Netzbetreibern auch die Wortwahl des BNE auf. Die großen Verteilnetzbetreiber würden "risikolose Traumrenditen" einfahren, schreibt der BNE. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) weist dies als "verkürzte und irreführende Darstellung" zurück.

Die Debatte an sich ist nicht neu. Schon im vergangenen Jahr wertete der BNE Eigenkapitalrenditen großer deutscher Verteilnetzbetreiber aus, stellte Unternehmen wie EWE Netz und Westnetz öffentlich an den Pranger und erreichte damit weit über die Energiebranche hinaus Aufmerksamkeit.

Einfluss auf Nest-Reform

Die Zahlen platzten damals mitten in die Reform der sogenannten Anreizregulierung, die die Bundesnetzagentur vorantrieb. Und sie machten eben dort, bei der Bundesnetzagentur, durchaus Eindruck.

Dass die Regulierungsbehörde die Effizienzvorgaben für die nächste Regulierungsperiode verschärfte, begründete Behördenchef Klaus Müller im ZFK-Interview später so: "Ich möchte meine "Familie" der Verteilnetzbetreiber verteidigen, wenn es im Vergleich der Branchen mal hoch hergeht und jemand auf die Idee kommt zu fragen: Ist eigentlich die Rendite, die möglich ist, also auch die handelsrechtlichen Renditen, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, fair gegenüber dem, was andere Branchen im harten internationalen Wettbewerb erwirtschaften müssen? Ich möchte mit vollem Herz sagen können: Ja, das ist fair, weil wir diese Investitionen in unsere Strominfrastruktur sehen wollen."

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