Verteilnetzbetreiber sehen EEG-Ausbauziel in Gefahr, wenn nicht regulatorisch eignegriffen wird.

Verteilnetzbetreiber sehen EEG-Ausbauziel in Gefahr, wenn nicht regulatorisch eignegriffen wird.

Bild: © EnBW/Claudia Fy

Der Stadtwerkeverband VKU hat zwischen dem 21. April und dem 22. Mai 2026 seine 756 Mitgliedsunternehmen mit Stromsparte befragt. 159 Unternehmen antworteten – eine Rücklaufquote von 21 Prozent.

Die Antworten zeigen: Die Unternehmen planen zwar, massiv in ihre Netze zu investieren, sehen aber die regulatorischen Rahmenbedingungen als zentrales Hindernis. Die Umfrage ist nicht repräsentativ.

Kapazitätsbedarf wächst deutlich

48 Prozent der befragten Unternehmen rechnen damit, dass sich ihre Netzkapazitäten auf Verteilnetzebene bis 2045 verdoppeln. 37 Prozent erwarten eine Verdreifachung, 8 Prozent sogar eine Vervierfachung. Treiber sind unter anderem der Anschluss von erneuerbaren Energieerzeugern, Ladesäulen und Wärmepumpen.

"Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich in den Verteilnetzen", sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing in einer Mitteilung des Verbandes. "Kommunale Energieversorger investieren massiv und brauchen verlässliche Regeln, die Investitionen möglich machen."

Netzbetreiber sehen Gefahr für Ausbauziele

Bis zum Jahr 2030 sollen 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Geregelt ist das Ganze im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Lediglich acht Prozent der befragten Unternehmen halten das Ziel unter den aktuellen Rahmenbedingungen auf Verteilnetzebene für erreichbar beziehungsweise eher erreichbar.

Wie bewerten Sie folgende Aussage: Ohne strukturelle Änderungen – insbesondere bei der Finanzierung, in den Genehmigungs- und Planungsverfahren für den Netzausbau sowie beim Einsatz von Flexibilitäten – ist das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs zu erhöhen, in den Verteilnetzen nicht erreichbar.

Frage aus der Umfrage des VKU

Ohne strukturelle Veränderungen sind rund 36 Prozent davon überzeugt, dass das Ziel nicht haltbar sein wird. 39 Prozent stimmen der Aussage "eher zu".

NEST-Regulierung unter schwerem Beschuss

Die Folgen der NEST-Regulierung hält keines der befragten Unternehmen für "insgesamt sehr positiv". Im Gegenteil: 79 Prozent bewerten die Folgen als negativ (63 Prozent) oder sehr negativ (16 Prozent). Den bestehenden Rahmen aus Anreizregulierung, Verzinsung und Effizienzvergleich halten 74 Prozent für ungeeignet, um die notwendigen Investitionen tätigen zu können.

Hintergrund zur VKU-Umfrage

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) befragte zwischen 21. April und 22. Mai 2026 die Kaufmännischen und Technischen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer seiner 756 Mitgliedsunternehmen mit Stromsparte. 159 Unternehmen beteiligten sich, was einer Rücklaufquote von 21 Prozent entspricht.

Liebing: "Die NEST‑Regulierung hat die Unternehmen bereits erheblich belastet. Jetzt kommt es darauf an, die Rahmenbedingungen im Agnes‑Prozess so weiterzuentwickeln, dass Investitionen nicht ausgebremst, die finanziellen Lasten des Netzausbaus fairer verteilt und netzdienliches Verhalten angereizt werden."

Bürokratie und Lieferengpässe bremsen den Ausbau

Neben der Regulierungsfrage benennen die Unternehmen handfeste operative Hindernisse. Der mit Abstand meistgenannte Ausbaugrund sind bürokratische Planungs- und Trassierungsprozesse (66 Prozent), gefolgt von Material- und Trafolieferengpässen (54 Prozent), langen Genehmigungs- und Umweltverträglichkeitsprüfungen (48 Prozent) und fehlenden Baukapazitäten (47 Prozent). Personal- und Fachkräftemangel sowie Finanzierungsprobleme nennen jeweils 35 Prozent der Betriebe.

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