Der Weltklimarat oder IPPC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat am Montag seinen Sonderbericht zur Erderwärmung veröffentlicht. Im Pariser Klimaabkommen aus dem Jahr 2015 haben sich die Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Warum es so wichtig ist, den globalen Temperaturanstieg von derzeit einem Grad bei maximal 1,5 Grad zu halten, erklären über 91 Autoren aus über 40 Ländern.
Über 6000 wissenschaftliche Referenzen haben in den IPPC-Sonderbericht, der am Montag in Korea vorgestellt wurde, Eingang gefunden. Trotz der Fülle an Informationen gibt es eine klare Erkenntnis: Soll das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden, muss in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens (Energie, Industrie, Gebäude, Verkehr, Stadt und Land) etwas passieren und zwar schnell. Die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen müssten bis 2030 weltweit um etwa 45 Prozent gegenüber dem Niveau von 2010 sinken und bis zirka 2050 den Wert „netto Null“ erreichen. "Die Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius ist nach den Gesetzen der Chemie und Physik möglich, würde aber beispiellose Veränderungen erfordern", heißt es im Sonderbericht.
Vor allem die Weltmeere profitieren
Sollte die Emissionsvermeidung künftig nicht konsequenter umgesetzt werden, bedeutet das eine immer stärkere Abhängigkeit von Filtertechnologien und sogenannten negativen Emissionen. Vor allem derzeit unvermeidbare Emissionen aus der Landwirtschaft, Industrie oder dem Flugverkehr können durch Ausgleichsmaßnahmen, wie Aufforstung kompensiert werden. Zum anderen geht es um die tatsächliche CO2-Entnahme aus der Atmosphäre. Allerdings sind weder die Wirksamkeit noch mögliche Risiken solcher Filtertechnologien wissenschaftlich erwiesen.
Unumstritten sind hingegen die positiven Auswirkungen eines möglichst ambitionierten Klimaziels. Wird das 1,5-Grad-Ziel eingehalten, würde der Meeresspiegel bis ins Jahr 2100 um 10 Zentimeter weniger ansteigen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Arktische Ozean im Sommer frei von Eis ist, läge bei einma pro Jahrhundert – bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius wäre das Meer einmal pro Jahrzehnt eisfrei. Auch die Korallen würden sich über „kühlere“ Meeresströmungen freuen: Während sie bei einer Erwärmung von rund zwei Grad keine Überlebenschancen hätten, kann ihr Bestand bei einem Anstieg von maximal 1,5 Grad zu zehn bis 30 Prozent erhalten werden. Auch der Mensch profitiert von stärkeren Klimaschutzmaßnahmen, denn weltweit häufen sich die Extremwetterlagen und sorgen für existenzielle Bedrohungen.
"Wir alle sind verantwortlich."
Allein hierzulande sorgte der Rekordsommer für Ernteausfälle in Millionenhöhe. Noch brisanter sind anhaltende Dürre- und Hitzeperioden für den globalen Süden. Wasserknappheit und fehlende ökonomische Mittel können schnell zur Bedrohung für Leib und Leben werden. „In diesem Sinne sind die gemeinsamen Anstrengungen aller staatlichen Ebenen in allen Bereichen sowie der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft von wesentlicher Bedeutung, da für viele der Unterschied zwischen 1,5 und zwei Grad Celsius Erwärmung einfach eine Frage von Leben oder Tod ist. Wir alle sind verantwortlich dafür, unsere Anstrengungen zu verstärken und gemeinsam für einen schnellen und umfassenden Wandel zu arbeiten“, erklärt das Klima-Bündnis.
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek appelliert daher an die Wissenschaft: „Wir brauchen starke Beiträge aus der Forschung und müssen das Potenzial der Wissenschaft noch stärker ausschöpfen, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Gute Ideen aus der Forschung und ein entschlossenes Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft können die notwendigen Veränderungen voranbringen. Diese müssen den Klimawandel mindern, gleichzeitig sozialverträglich gelingen und Innovationsschübe für die Wirtschaft liefern.“ (ls)



