Energieversorger EWE plant, die LNG-Leitung bis Ende 2023 abzuschließen. (Symbolbild)

Energieversorger EWE plant, die LNG-Leitung bis Ende 2023 abzuschließen. (Symbolbild)

Bild: © EWE

Ein breites Bündnis von Verbänden kritisiert Pläne der EU-Kommission zur eigentumsrechtlichen Trennung des Wasserstoff- und Gasnetzes auf Verteilnetzebene. Ein solches Vorhaben behindere einen schnellen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und sei „ein Bärendienst für das Gelingen der Energiewende in der Region und in den Kommunen auf dem Weg zur Klimaneutralität“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Appell an die Bundesregierung. Zu den Unterzeichnern zählen der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU).

Das Verbände-Bündnis fordert die Bundesregierung auf, sich im EU-Energieministerrat weiter deutlich dafür einzusetzen, dass der Rat der Position des Europäischen Parlaments folgt. Im Gegensatz zur EU-Kommission hatten sich die EU-Abgeordneten des Industrie-, Forschungs- und Energieausschuss (ITRE) des Europäischen Parlaments parteiübergreifend dafür ausgesprochen, auch bei Wasserstoff die bereits bei Strom- und Gasnetzen bewährte Unterscheidung zwischen Fernleitungsbetreibern und Verteilnetzbetreibern zu erhalten.

Netze gemeinsam betreiben

Außerdem plädieren die Abgeordneten des ITRE für die Möglichkeit des gemeinsamen Betriebs von Wasserstoff- und Gasnetzen. Eine Aufteilung der Netze in zwei Gesellschaften schaffe unnötige bürokratische Hürden und verhindere effizienten Netzbetrieb, so die Überzeugung der Parlamentarier. Schließlich sollten die Entflechtungsregelungen für Fernleitungsnetzbetreiber unter Beibehaltung der Möglichkeit des sogenannten ITO-Modells (Independent Transmission System Operator) auch nach 2030 möglich sein. Das System habe sich bei den Gasnetzen bewährt, finden die Abgeordneten wie auch die Verbände.

Nach Überzeugung der Verbände fehlt im Vorschlag des Rates die Differenzierung zwischen Verteilnetzen und Fernleitungsnetzen. Sie warnen vor „unnötigen und überbordenden Anforderungen“, die es  vielen regionalen und lokalen Akteuren, wie etwa den Stadtwerken, praktisch unmöglich machten, die Wasserstoffverteilung effizient zu organisieren. Der heimisch produzierte oder importierte Wasserstoff müsse durch das für Wasserstoff ertüchtigte Gasnetz transportiert und verteilt werden. „Dieses bestehende Gasnetz nicht zu nutzen, würde den Hochlauf von Wasserstoff bereits zu Beginn bremsen“, warnen die Verbände unisono.

Zentrale Bedeutung des Verteilnetzes

Zur Versorgung von Industrie und Gewerbe ist laut Verbändeappell sowohl das Fernleitungsnetz als auch das weit verzweigte Verteilnetz erforderlich: „So lassen die Vorschläge der Kommission völlig außer Acht, dass allein in Deutschland heute mehr als 99 Prozent der Industrie- und Gewerbekunden Gas über die Verteilnetze beziehen. Dazu gehören rund 1,8 Millionen mittelständische Unternehmen mit mehreren Millionen Arbeitsplätzen. Dieser Schatz muss auch für die Wasserstoffverteilung gehoben werden.“

„Eine schnelle, effiziente und sozial gerechte Dekarbonisierung der am Gasnetz angeschlossenen Kunden und Unternehmen sowie der Erhalt der Versorgungssicherheit hängen maßgeblich von einer kohärenten Transformation der Gasnetzinfrastruktur ab“, so das Verbändebündnis. (amo)

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