Umweltverschmutzung, verursacht durch Menschen, hat weiterhin einen bedeutenden Anteil an Krankheitsfällen in Europa, das ergibt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA). Analysiert wurde dabei, wie soziale Benachteiligung, ungesunder Lebensstil und demografischer Wandel in Europa die Umweltgesundheit beeinflussen.
Wichtige Erkenntnisse
Die Luftverschmutzung ist laut Bericht mit jährlich mehr als 400.000 durch sie verursachten vorzeitigen Todesfällen in der EU weiterhin die größte Umweltbedrohung für die Gesundheit in Europa. Lärmbelastung steht mit 12.000 vorzeitigen Todesfällen an zweiter Stelle, gefolgt von Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere Hitzewellen.
Die Belastung durch Verschmutzung und Klimawandel variiert innerhalb von Europa, wobei ein deutlicher Unterschied zwischen Ländern in Ost- und Westeuropa besteht. Der höchste Anteil an nationalen Todesfällen durch Umweltbelastung (27 Prozent) findet sich in Bosnien und Herzegowina, der niedrigste in Island und Norwegen (9 Prozent).
Europäische Städte sind mehrfach bedroht
Sozial benachteiligte Gemeinschaften kämpfen typischerweise mit einer Dreifachbelastung aus Armut, niedriger Umweltqualität und Krankheit. Ärmere Gemeinschaften sind oft höheren Graden an Verschmutzung, Lärm und hohen Temperaturen ausgesetzt, während vorbestehende Erkrankungen die Anfälligkeit gegenüber umweltbedingten Gesundheitsrisiken erhöhen.
Die Menschen sind gleichzeitig mehreren Risiken ausgesetzt, einschließlich Luft- und Wasserverschmutzung sowie Lärmbelastung und Chemikalien, die in Kombination and manchmal auch sich verstärkend auf die Gesundheit auswirken. Europäische Städte sind diesen mehrfachen Bedrohungen besonders ausgesetzt, wobei die Menschen dort außerdem weniger Zugang zu Grün- und Wasserflächen haben.
Aktuelle Forschungen untersuchen außerdem den Zusammenhang zwischen der aktuellen Covid-19-Pandemie und Umweltaspekten. Bezüglich der Auswirkungen des Virus auf unsere Gesellschaften gebe es erste Hinweise, dass Luftverschmutzung und Armut mit höheren Sterberaten einhergehen können. Um diese Wechselwirkungen zu klären, sind laut einer ersten Einschätzung des Berichts noch weitere Untersuchungen erforderlich.
Stimmen zum Bericht
„Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Zustand der Umwelt und der Gesundheit unserer Bevölkerung. Jeder muss verstehen, dass wir durch den Schutz unseres Planeten nicht nur Ökosysteme retten, sondern auch Leben, insbesondere jene der am stärksten Gefährdeten“, erklärte Virginijus Sinkevičius, Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei.
„Obgleich wir Verbesserungen der Umwelt in Europa und einen deutlichen Fokus auf dem Grünen Deal für eine nachhaltige Zukunft sehen, weist der Bericht darauf hin, dass wirksame Maßnahmen erforderlich sind, um die am stärksten gefährdeten Personen in unserer Gesellschaft zu schützen, da Armut oft mit Leben unter schlechten Umweltbedingungen und schlechter Gesundheit einhergeht“, so Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der Europäischen Umweltagentur.
Lösungsvorschläge
Der Bericht betont, dass ein integrierter Ansatz für die Umwelt- und Gesundheitspolitik notwendig sei, um Umweltrisiken zu bekämpfen, die am stärksten gefährdeten Bürger zu schützen und den Nutzen, den die Natur bei der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden hat, vollständig zu erkennen.
Eine gesunde Natur sei der Schlüssel für die Erhaltung öffentlicher Gesundheit, die Eindämmung von Krankheiten und die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. Grüne Lösungen bieten demnach einen dreifachen Nutzen für Gesundheit, Gesellschaft und Umwelt.
Hochwertige Grün- und Wasserflächen in städtischen Gebieten fördern Gesundheit und Wohlbefinden und bieten Raum für körperliche Betätigung, Entspannung und soziale Integration, wobei der Gewinn für arme Gemeinschaften besonders groß ist. Grün- und Wasserflächen kühlen die Städte während Hitzewellen, verringern Überflutungen, senken die Lärmbelastung und unterstützen die städtische Biodiversität. (sg)



