Der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland kommt voran.

Der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland kommt voran.

Bild: © Andreas Arnold/dpa

Wer einen schnellen Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft will, muss zumindest für den Übergang auch auf blauen Wasserstoff setzen, der aus fossilen Brennstoffen hergestellt wird. Davon sind die beiden Europaabgeordneten Jens Geier (SPD) und Angelika Niebler (CSU) überzeugt. Geier ist Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) und Berichterstatter der EU-Wasserstoffstrategie im ITRE, Niebler Schattenberichterstatterin der EU-Wasserstoffstrategie im ITRE. Beide Politiker äußerten sich am Montag im Rahmen eines Online-Pressegesprächs über die Forderungen des Europäischen Parlaments nach einem innovativen europäischen Markt für Wasserstoff und dessen Rolle bei der Dekarbonisierung.

„Eine Mehrheit im Industrieausschuss will grünen Wasserstoff fördern, ohne dabei blauen Wasserstoff zu diskriminieren“, führte Geier aus und sprach damit auch Niebler aus dem Herzen. Es werde ohne blauen Wasserstoff nicht gehen, da die EU bei dem Thema Wasserstoff Fahrt aufnehmen müsse und Wasserstoff aus Erneuerbaren aktuell nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehe und zudem nicht konkurrenzfähig sei. Technologieneutralität sei daher das oberste Gebot. Die Politik sei gut beraten, den Unternehmen keine Lösungen vorzugeben und diese in ihrer Innovationskraft zu beschneiden, mahnte die CSU-Politikerin. „Wir wären heute noch nicht auf dem Mond gelandet, wenn die Politik sich da permanent eingemischt hätte.“ Blauer Wasserstoff sei „nicht sexy“, werde aber nun einmal gebraucht. Ziel müsse aber ganz klar der grüne Wasserstoff sein, fügte sie hinzu.

Geier: Nur "grün" geht nicht

Forderungen der Grünen im Europaparlament, ausschließlich Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen zu fördern, erteilte Geier eine klare Absage. „Eine solche Herangehensweise würde den Wasserstoff-Markthochlauf um 10 oder vielleicht sogar 15 Jahre nach hinten verschieben.“

Wie lange blauer Wasserstoff noch zum Einsatz kommen müsse, sei nicht seriös zu beantworten. Es müsse nun darum gehen, den Einstieg in eine zukunftsweisende Technologie zu beschreiben. Das könne man nicht mit dem Hackebeil machen und nicht indem man ständig rote Linien definiere.

Reizthema Wasserstoff aus Atomkraft

Uneins ist man sich laut Geier und Niebler auf europäischer Ebene nach wie vor über den Umgang mit Wasserstoff, der mithilfe von Kernkraft gewonnen wird. Sowohl Geier als auch Niebler können sich mit dieser „Variante“ des Wasserstoffs nicht anfreunden. In dem gemeinsamen Bericht des EU-Parlaments zur Wasserstoffstrategie werde dieser kontroverse Punkt aber ausgespart. Dabei handele es sich letzten Endes um eine nationale Angelegenheit, so Geier. Niebler wiederum betonte, dass diese Frage auch in der EVP-Fraktion kontrovers diskutiert werde. „Für mich persönlich ist Wasserstoff aus Atomenergie nicht low carbon, aber meine Kollegen aus Frankreich oder Tschechien bewerten das anders.“

Wichtig seien nun Investitionen in die Gasinfrastruktur, um den Transport von Wasserstoff zu ermöglichen, so die Europaabgeordnete. „Politische Engstirnigkeit“ gelte es beim Umgang mit Erdgas bzw. den Debatten über die verschiedenen „Farben“ des Wasserstoffs unbedingt zu vermeiden.

Das EU-Parlament diskutiert und stimmt am Mittwoch über den Bericht für eine Strategie zum Aufbau einer Europäischen Wasserstoffwirtschaft ab. (amo)

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