Eine NGO-Allianz aus BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Brot für die Welt, Deutscher Naturschutzring, Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch, Klima Allianz Deutschland, Misereor und WWF fordern Nachhaltigkeitskriterien für den globalen Wasserstoffmarkt. Anlass ist das Treffen der G7-Energie-, Klima- und Umweltminister. Das Anliegen des Bündnisses: Die entstehende Wasserstoffwirtschaft muss von Anfang an nachhaltig und gerecht gestaltet werden. Die Fehler der fossilen Energiewirtschaft dürften nicht wiederholt werden. Klar sei, dass nur grüner Wasserstoff überhaupt nachhaltig sein könne. Aufgrund der hohen Preise für Erdgas sei dieser aktuell erfreulicherweise konkurrenzfähig im Vergleich mit den erdgasbasierten Varianten.
Konkret macht sich die Allianz für die Gründung einer internationalen Arbeitsgruppe im Rahmen der OECD oder IRENA stark, die gemeinsame Standards für den nachhaltigen Handel mit Wasserstoff etabliert. Dieser Prozess müsse auf Augenhöhe mit den potenziellen Erzeugerländern transparent organisiert werden. Erneuerbare Energien seien CO2-frei, risikoarm und kostengünstig. „Aber auch sie haben potentiell relevante Auswirkungen auf Land- und Wassernutzung, denn sie belegen große Landflächen, führte Verena Graichen aus. Sie betonte, dass Zusätzlichkeit ein wichtiges Kriterium sein müsse. Da die Energiewende in vielen möglichen Exportländern teilweise noch ganz am Anfang stehe, müsse bei der Erzeugung von grünem Wasserstoff gewährleistet werden, dass die heimische Versorgung mit erneuerbarem Strom stabil bleibe und die nationalen Klimaschutzpläne eingehalten werden können. Deshalb sei ein zentrales Nachhaltigkeitskriterium, dass Elektrolyseure mit Strom aus zusätzlichen erneuerbaren Energien betrieben werden, die über die bisherigen Ausbaupläne hinausgehen. Vorrang müsse die lokale Versorgung haben.
Wichtig sei zudem, dass Wasserstoff-Exporte die lokale Wasserversorgung nicht gefährden. Das Bündnis spricht sich zudem für Mindestanforderungen an den Erhalt von Biodiversität und die Kohlenstoffspeicherung aus. Ökologische Folgeschäden müssten vermieden werden. Die Bundesregierung sollte darüber hinaus die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Ausbau lokaler Wertschöpfungspotenziale in den Produktionsländern gezielt und langfristig fördern. Das müsse auch beinhalten, den Wasserstoff zu einem Teil vor Ort zu Derivaten und höherwertigen Folgeprodukten zu verarbeiten. Ein Beispiel sei grüner Ammoniak, der vielfach auch vor Ort gebraucht werde.
Blauer Wasserstoff sollte von der Politik nicht gefördert werden. Er könne maximal bis zu 70 Prozent der THG-Emissionen im Vergleich zur direkten Nutzung von Erdgas reduzieren: Auch um diesen Wert zu erreichen, bedürfe es bereits niedriger Methan-Leckage-Raten sowie hoher technischer Anstrengungen und zusätzlicher Kosten, um hohe CO2- Abscheideraten von über 90 Prozent zu realisieren.
Klar sei, dass Deutschland auch in Zukunft auf den Import von Energie Deutschland angewiesen ist und die entsprechende Infrastruktur benötigt. Das Ziel sollte aber sein, die Energieunabhängigkeit gegenüber dem heutigen fossilen Energiesystem deutlich zu reduzieren. Infrastruktur, die heute errichtet wird, darf keine Lock-In Effekte erzeugen, so die Allianz. Aktuell sei noch unbekannt, in welcher Form und in welchen Mengen Wasserstoff importiert werden soll. Grundsätzlich sei der Pipeline Transport der beste Ansatz.
Was fehle, sei ein Gesamtkonzept für den Energieimport nach Deutschland - die Bundesregierung müsse hier mit der Novellierung der Nationalen Wasserstoffstrategie Klarheit schaffen. (amo)

