Die Europäische Kommission hat am heutigen Mittwoch eine EU-Strategie vorgestellt, um die Methanemissionen in der EU und weltweit zu verringern. Die Strategie enthält Vorschläge für legislative und nichtlegislative Maßnahmen in den Sektoren Energie, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft.
Eine der Prioritäten der Strategie besteht darin, die Messung von und die Berichterstattung über Methanemissionen zu verbessern. Der Umfang der Überwachung ist derzeit je nach Sektor und Mitgliedstaat sowie in der gesamten internationalen Gemeinschaft unterschiedlich. Zusätzlich wird die die Einrichtung einer internationalen Beobachtungsstelle für Methanemissionen unterstützt. Auch das Satellitenprogramm der EU „Copernicus“ soll nach dem Willen der Kommission dazu beitragen, die Überwachung zu verbessern, globale Superemittenten aufzuspüren und größere Methanleckagen zu ermitteln.
Reparatur von Leckagen in der Gasinfrastruktur
Um die Methanemissionen im Energiesektor zu verringern, werde eine Verpflichtung zur besseren Erkennung und Reparatur von Leckagen in der Gasinfrastruktur vorgeschlagen sowie Rechtsvorschriften erwogen, mit denen Praktiken wie das routinemäßige Abfackeln und Ablassen von Gasen verboten werden. Zudem will die Kommission mögliche Standards, Zielvorgaben oder Anreize sowie Instrumente für ihre Durchsetzung prüfen.
Die Kommission wird darüber hinaus die Berichterstattung über Emissionen aus der Landwirtschaft durch eine bessere Datenerhebung verbessern und Möglichkeiten zur Emissionsverringerung mit Unterstützung aus der gemeinsamen Agrarpolitik fördern. Nicht recyclebare organische menschliche und landwirtschaftliche Abfall- und Reststoffströme sollen genutzt werden, um Biogas, Biomaterialien und Biochemikalien herzustellen. Dadurch können im ländlichen Raum zusätzliche Einnahmequellen entstehen und gleichzeitig Methanemissionen vermieden werden. Für das Sammeln dieser Abfallprodukte werden daher weitere Anreize geschaffen.
Abfall: Bewirtschaftung von Deponiegas verbessern
Im Abfallsektor wird die Kommission weitere Maßnahmen in Betracht ziehen, um die Bewirtschaftung von Deponiegas zu verbessern, d. h. sein Energiepotenzial zu nutzen und gleichzeitig die Emissionen zu verringern. Außerdem wird sie 2024 die einschlägigen Rechtsvorschriften über Abfalldeponien überprüfen. Um die Bildung von Methan zu vermeiden, sei es von entscheidender Bedeutung, die Entsorgung biologisch abbaubarer Abfälle auf Deponien auf ein Minimum zu beschränken, heißt es weiter.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die Strategie als zu kurz gegriffen und fordert Nachbesserungen, darunter konkrete Reduktionsmaßnahmen und Gesetzesvorschläge, um eine Emissionsminderung verbindlich zu verankern.
DUH: Erdgas als "Übeltäter"
Ein großer Treiber der europäischen Methan-Emissionen sei die Förderung, Verarbeitung und der Transport von Erdgas, betont die DUH in einer Stellungnahme. "Die Methan-Strategie blendet Emissionen aus der Gasförderung in Drittländern vollständig aus, obwohl diese um ein Vielfaches höher sind als die Emissionen innerhalb der EU. Deshalb ist die Strategie unzureichend“, kritisiert die DUH.
Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), betonte, dass die Unternehmen der Gaswirtschaft bereits seit vielen Jahren daran arbeiteten, die Emissionen zu senken. Grundsätzlich enthalte die Strategie viele richtige Punkte. Die Entwicklung und Einführung von einheitlichen, EU-weiten Standards und Verfahren für Messung und Berichterstattung sei erforderlich, um mehr Transparenz und eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. "Es ist zudem erfreulich, dass die Europäische Kommission auch verstärkt auf Biogas setzt, um die Methanemissionen in der Landwirtschaft über eine Verwertung von Abfall und Reststoffen in Biogasanlagen zu reduzieren", so Andreae weiter. (amo)