Wieviel Zeit bleibt noch? Eine neue Capgemini-Studie zeigt besorgniserregende Zahlen für den weltweiten Energieverbrauch auf.

Wieviel Zeit bleibt noch? Eine neue Capgemini-Studie zeigt besorgniserregende Zahlen für den weltweiten Energieverbrauch auf.

Bild: © the_lightwriter/AdobeStock

Das Consulting-Unternehmen Capgemini hat die 21. Ausgabe des jährlichen World Energy Markets Observatory (WEMO) veröffentlicht. Das Ergebnis: Trotz der politisch intendierten Energiewende und sinkender Kosten im Bereich der erneuerbaren Energieträger bleiben Kohle, Öl und Gas die Eckpfeiler der Energieversorgung. Zudem zeigt sich, dass der globale Energiebedarf und die Treibhausgasemissionen im Jahr 2018 gestiegen sind. Die Energiewende wird auch durch geopolitische und kommerzielle Spannungen sowie durch rückläufige Investitionen in saubere Energien gefährdet.

Die Treibhausgasemissionen sind 2018 in China um 2,3 Prozent gestiegen, in den USA um 3,4 Prozent und in Indien um 6,4 Prozent. Diese Steigerungen hängen mit dem Energieverbrauch zusammen, der 2018 weltweit um 2,3 Prozent gewachsen ist – mit fast der doppelten Wachstumsrate wie durchschnittlich seit 2010. Fast 75 Prozent dieses Wachstums entstammen dem Öl-, Gas- und Kohleverbrauch – dem höchsten Anteil seit 2013. Weltweit stieg der Kohleverbrauch um 4 Prozent, mit einem deutlichen Wachstum bei der Kohleverstromung.

USA und China als Bremser

Trotz dieser Entwicklung blieben im Jahr 2018 die erneuerbaren Energien mit einem Wachstum von 14,5 Prozent weltweit die am schnellsten wachsenden Energiequellen. In Deutschland haben im ersten Halbjahr 2019 erneuerbare Energiequellen erstmals mehr Strom produziert als Kohle- und Kernkraftwerke zusammen. Sie werden zudem stetig günstiger: Die Stromkosten für Solar-Photovoltaik und Onshore-Wind sanken um 13 Prozent, die Kosten für Offshore-Windenergie um ein Prozent.

Die Investitionen in saubere Energie jedoch sind rückläufig. In der ersten Jahreshälfte 2019 beliefen sie sich global auf 217,6 Mrd. US-Dollar – 14 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2018. In China gingen die Investitionen stark zurück: um 39 Prozent; in den USA sanken sie moderater um sechs Prozent und in Europa um vier Prozent. In Indien dagegen stiegen die Investitionen in die Erneuerbaren um zehn Prozent auf 5,9 Mrd. US-Dollar.

Größere Effizienz wäre technisch möglich

Ein großes Problem bei der Durchsetzung der Energiewende sind die hohen Zusatzkosten aufgrund der geringeren Grundlastfähigkeit. Sie verhindern derzeit, dass die neuen Technologien und damit die erneuerbaren Energien deutlich wettbewerbsfähiger sind als die meisten der planbaren Stromerzeugungsquellen. Bis zum Jahr 2040 ist nach Angaben von Capgemini außerdem nicht zu erwarten, dass sich entscheidende technische Innovationen im Energiebereich branchenweit durchsetzen.

Guido Wendt, Leiter des Bereichs Energy & Utilities DACH bei Capgemini Invent, merkt dazu an: "Eine größere Effizienz ist technologisch schon heute möglich: Durch digitale Sensoren und Smart Meter wird die Datenerfassung optimiert. Gleichzeitig ermöglicht es die Nutzung von künstlicher Intelligenz und smarter Vernetzung, die richtigen Schlüsse aus den Daten zu ziehen. Prognosen zur Erzeugung, Speicherung und zum Verbrauch werden so genauer und das Gesamtsystem deutlich effizienter."

Ein Weckruf für die Welt

Europa erweist sich bislang als die erfolgreichste Region im Energiewandel. Die Energie-Nachfrage ist hier deutlich geringer angestiegen als im Rest der Welt: im Jahr 2018 nur um 0,2 Prozent gegenüber dem globalen Anstieg um 2,3 Prozent. Deutschland weist sogar einem Nachfrage-Rückgang von 2,2 Prozent auf. Damit ist Europa auf gutem Weg, zwei der drei zentralen EU-Klimaziele für 2020 zu erreichen: Erneuerbare Energien sollen mindestens 20 Prozent des Energieverbrauchs ausmachen und die Treibhausgasemissionen sollen sich gegenüber 1990 um über 20 Prozent verringern.

Trotzdem mahnt Wendt: "Die Studienergebnisse sind ein weiterer Weckruf für die Welt. Da der globale Energiebedarf steigt und größtenteils durch fossile Brennstoffe gedeckt wird, sind die Ziele des Pariser Abkommens weiter entfernt denn je. Wir brauchen mutige kurzfristige Maßnahmen und Richtlinien, um die Emissionen zu reduzieren und ein weiteres Abdriften vom Pariser Abkommen zu vermeiden – angefangen bei der Verpflichtung, dass jeder Cent aus Umweltsteuern in die Energiewende fließt." (sig)

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