Als Teil der Nationalen Wasserstoffstrategie hat Deutschland eine „Allianz zur Entwicklung des Power-to-X-Sektors“ mit dem Königreich Marokko vereinbart.

Als Teil der Nationalen Wasserstoffstrategie hat Deutschland eine „Allianz zur Entwicklung des Power-to-X-Sektors“ mit dem Königreich Marokko vereinbart.

Bild: © Shashank Sahay/ unsplash

Die Wasserstoff-Allianz Deutschlands mit Marokko könnte möglicherweise scheitern. Hintergrund sind diplomatische Verstimmungen zwischen den beiden Ländern, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete. Im Zuge der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) hatte die Bundesregierung zwei Mrd. Euro für internationale (Energie-) Partnerschaften bis 2023 bereitgestellt.

Als Teil dieser Partnerschaften hatte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller eine "Allianz zur Entwicklung des Power-to-X-Sektors" mit dem Königreich Marokko vereinbart. Laut Aussage des Ministers sollte die Produktion 2022, spätestens 2025, beginnen. Nun gerät der Zeitplan möglicherweise ins Wanken.

Zusammenarbeit ausgesetzt

Hintergrund ist laut FAZ die deutsche Haltung zur Westsahara. Denn Berlin hatte die Entscheidung der Amerikaner, Marokkos Souveränität über das Gebiet anzuerkennen, kritisiert. Daraufhin habe das Königreich die Bundesrepublik der Feindseligkeit bezichtigt und Anfang Mai seine Botschafterin aus Berlin abgezogen.

Die deutsch-marokkanische Zusammenarbeit in der Entwicklungspolitik wurde in der Folge ausgesetzt. Aus Sicht der Bundesregierung gibt es keinen Grund für eine Beeinträchtigung der diplomatischen Beziehungen. Hinsichtlich des Rückrufs der marokkanischen Botschafterin zu Konsultationen nach Rabat wurde die marokkanische Regierung um Erklärung gebeten.

Energiepartnerschaft "auf dem Prüfstand"

Diese Erklärung wurde bis heute nicht gegeben. Als Folge stehe die deutsch-marokkanische Energiepartnerschaft auf dem Prüfstand. Nach Einschätzung der Bundesregierung können "negative Folgen für die Geschäftsanbahnung und die Attraktivität des Marktes nicht ausgeschlossen werden", heißt es in der Antwort auf eine Nachfrage der FDP-Bundesfraktion.

"Mittel werden nur ausgezahlt, wenn der Partner seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt", stellt das Auswärtige Amt ferner klar. Eine Sprecherin der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) taxiert die Projektkosten für die Referenzanlage in Marokko auf 325 Mio. Euro. Doch vonseiten KfW heißt es nun: "Aktuell werden laufende Projektaktivitäten verschoben."

Deutschland auf Wasserstoff angewiesen

Christoph Hoffmann, Entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Bundesfraktion, warnte auf ZfK-Nachfrage davor, "eine Drohkulisse gegenüber Marokko aufzubauen und zu behaupten, die Projekte für grünen Wasserstoff seien gefährdet." Dies liege nicht im Interesse Deutschlands.

Deutschland brauche dringend regenerativen Wasserstoff für eine CO2-freie Zukunft, so der Politiker weiter. "Die Wasserstoffprojekte sind in bilateralen Abkommen abgesichert, insofern ist die Drohkulisse merkwürdig. Marokko war immer ein Stabilitätsanker in Nordafrika, umso wichtiger wäre ein Besuch des Außenministers in Marokko, um die Wogen zu glätten." (jk)

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