Um das Ziel einer CO2-neutralen Wirtschaft bis 2050 zu erreichen, bleibt noch viel zu tun.

Um das Ziel einer CO2-neutralen Wirtschaft bis 2050 zu erreichen, bleibt noch viel zu tun.

Bild: © Andreas Mertens/BMWi

Der jüngst bekannt gewordene Rückgang des Treibhausgas-Ausstoßes in Deutschland um insgesamt acht Prozent im letzten Jahr fand auch bei IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol durchaus Beachtung. Allerdings: Deutschland benötigt nach wie vor weitreichendere Maßnahmen, um die nationalen Emissionsminderungsziele kosteneffizient und nachhaltig zu erreichen, wie Birol bei der Vorstellung des IEA-Länderreports 2020 am Mittwoch in Berlin erklärte. Die Pariser Behörde gibt in ihrem Bericht zusammenfassend sechs Empfehlungen ab, wie Deutschland den Energiewendefahrplan erfolgreich umsetzen kann.

So sollten Aktionsradius und Anspruch der Energie- und Klimapolitik auf Bereiche jenseits des Stromsektors – insbesondere Verkehr und Wärme - ausgeweitet werden, um eine echte Energiewende in allen Sektoren herbeizuführen. Hier sei die jüngst beschlossene CO2-Bepreisung in diesen Sektoren "ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung". Der Ausbau und die Verstärkung der Stromnetze seien zeitnah sicherzustellen, um den Systembetrieb zu verbessern und die Einspeisung größter Strommengen aus fluktuierenden erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Dazu müssten zunächst die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden.

Umstieg auf alternative Verkehrstechnologien

Weiterhin fordert die IEA einen umfassenderen Ansatz zur Senkung des Energieverbrauchs im Verkehrswesen, etwa durch stärkere Anreize für einen kosteneffizienten Umstieg der Verbraucher auf alternative Verkehrstechnologien und die Förderung multimodaler Verkehrssysteme. Birol verwies in dem Zusammenhang auf den in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Anteil von SUV an den verkauften Autos in Deutschland, die Fahrzeuge verbrauchten im Schnitt 25 Prozent mehr Kraftstoff als herkömmliche Pkw.

Im Gebäudesektor müssten Maßnahmen zur gezielten Erhöhung der Sanierungsrate von Bestandsbauten reformiert und gestärkt werden, um die Energieeffizienz zu verbessern.

LNG-Direktimporte gewinnen spürbar an Bedeutung

Aufgrund des Kernenergie- und Kohleausstiegs wird in Deutschland der Erdgasbedarf für die Stromerzeugung trotz des massiven Ausbaus der erneuerbaren Energien zunehmen, zumal Erdgas auch als Reserveenergie für die Erneuerbaren benötigt wird, heißt es in dem Bericht. Längerfristig könne sich Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen als Lösung anbieten. Die Kosten für eine Produktion im industriellen Maßstab seien derzeit aber noch viel zu hoch, betonte Birol. Hier könne aber die Verknüpfung von Offshore-Windkraft und Wasserstoff-Herstellung "ein zukunftsweisendes europäisches Projekt werden", so der IEA-Exekutivdirektor.

Die wachsende Nachfrage nach Erdgas wird den ohnehin schon hohen Bedarf an Erdgasimporten weiter steigern, prognostiziert die IEA. Da die inländische Förderung gering und weiter rückläufig ist und auch traditionelle Lieferländer wie die Niederlande – die Förderung im Gasfeld Groningen soll spätestens 2022 ganz eingestellt werden – an Bedeutung verlieren, müsse die Bundesregierung die Diversifizierung der Gasversorgung weiter vorantreiben. Die Direktimporte von Flüssigerdgas (LNG) aus Lieferstaaten wie den USA, Katar, Australien und Kanada würden kontinuierlich an Bedeutung gewinnen. "Außerdem hängt auch die Stromversorgungssicherheit wegen der verstärkten Nutzung von Erdgas zur Stromerzeugung – insbesondere zur Deckung des Spitzenlastbedarfs – zunehmend von der Gasversorgungsicherheit ab", heißt es.

Hindernisse für effiziente Sektorkopplung beseitigen

Schließlich mahnt die IEA die Bundesregierung, Hindernisse für eine effiziente Sektorenkopplung zu beseitigen, indem gleiche Rahmenbedingungen für alle Endverbrauchssektoren geschaffen werden. Einzuschlagende Wege seien etwa die Abschaffung von Steuervergünstigungen für fossile Energieträger sowie eine ausgewogenere Gestaltung von Steuern, Abgaben und Anreizmechanismen mit einer gerechten Verteilung von Kosten und Nutzen auf die verschiedenen Kundensegmente. (hil)     

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